Bemerkenswerte Pläne für KleinraketenRaketenstarts in der Nordsee

Cape Canaveral, Baikonur, Kourou – Nordsee. So könnte bald die Aufzählung wichtiger Weltraumbahnhöfe lauten, zumindest wenn es nach GOSA geht, der Allianz für einen Deutschen Raketenstartplatz auf dem Meer.

Von Dirk Lorenzen | 24.11.2021

So könnte ein Raketenstart von einem Schiff in Nordsee aus aussehen
So könnte ein Raketenstart von einem Schiff in Nordsee aus aussehen (Offshore-Spaceport/Combi-Lift)
Einige Unternehmen haben sich zusammengetan, um ein Schiff zu bauen, von dem aus Kleinraketen starten können. Solche Raketen tragen Satelliten ins All, die typischerweise kaum größer als ein Kühlschrank sind und nicht mehr als fünfhundert Kilogramm wiegen.
Das Schiff soll mit der Rakete von Bremerhaven aus mitten in die Nordsee fahren. Ganz am Rand der zu Deutschland gehörenden Zone, rund 400 Kilometer nordwestlich von Helgoland, wird die Rakete aufgerichtet und startet auf eine Bahn über die Polargebiete hinweg.

Neue Ära der europäischen Raumfahrt

Der Bundesverband der Deutschen Industrie bejubelt dies als Aufbruch in eine neue Ära der europäischen Raumfahrt. Denn bisher starten Europas Raketen nur von Kourou in Südamerika aus ins All.
Weltraumbahnhof in Kourou
Bisher hat Europa nur einen Weltraumbahnhof für Raketenstarts in die Umlaufbahn: Kourou (ESA)
Allerdings gibt es aus gutem Grund in Europa keinen Startplatz. Denn Raketenstarts in dicht besiedeltem Gebiet sind immer riskant. Auch der angepeilte Startplatz in der Nordsee birgt ein Risiko: Bei einem Unfall in den ersten zwei Flugminuten könnten die Raketentrümmer Ölplattformen treffen.

Ungewisser Plan

Wenn von Europa aus Raketen starten sollen, so sind die Nordküste Schottlands oder die Forschungszentren Andöya in Norwegen und Esrange in Schweden rein technisch gesehen besser geeignet.
In Deutschland bauen Start-Up-Firmen pfiffige Kleinraketen. Aber es ist ungewiss, ob diese wirklich auch hierzulande abheben werden.