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Raumsonde Philae
Weltraumforscher suchen genauen Landeort

Philae heißt die Raumsonde, die am 11. November 2014 erstmals auf einem Kometen landete. Ihre Mission war jedoch schon nach gut zwei Tagen wegen unzureichender Sonnenenergie vorüber. Bis heute suchen Wissenschaftler fieberhaft nach dem genauen Landeort der Sonde.

Von Karl Urban | 15.04.2015

    So sieht "Rosettas" Landeeinheit "Philae" aus, die sich am 12. November 2014 von der Muttersonde lösen und auf die Oberfläche des Kometen Tschurjumow-Gerassimenko hinabsinken soll.
    Die Raumsonde Philae landete im November 2014 auf einem Kometen. (MEDIALIAB / ESA / AFP)
    Als die Batterie von Philae nach gut zwei Tagen auf dem Kometenboden erschöpft war, wurde es kalt. Zehn wissenschaftliche Instrumente, die Sendeantenne und der Bordcomputer fuhren herunter; am Ende wurde auch die Heizung abgeschaltet. Philae war unerwartet in einer Senke gelandet, wo er über seine Solarzellen zu wenig Energie gewinnen konnte. Die bis dahin übertragenen Daten und Bilder waren für Projektmanager Stefan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt widersprüchlich: "Wir sehen mit den Panorama-Kameras nur einen Teil dieser Sphäre rund um Philae herum. Wir wissen zum Beispiel nicht, ob der jetzt in einer Höhle ist, also ob noch Material über dem Deckel ist, also ob er in ein Loch hineingerutscht ist oder ob das frei ist. Und das hat natürlich einen großen Effekt auf die Temperaturen, die der Lander erreicht."
    Sprünge nach erstem Aufsetzen
    Mittlerweile konnten die Wissenschaftler etwas mehr über den Landeplatz in Erfahrung bringen. Philae war nach dem ersten Aufsetzen noch zweimal weiter gesprungen, zumindest die Richtung des ersten Sprungs ließ sich mit Rosettas Bordkamera rekonstruieren. Dazu lieferten Sensoren an den Landebeinen Daten darüber, wann genau Philae wie aufsetzte. Andere Instrumente bestätigten das zunehmende Taumeln während des letzten Sprungs. Um den Landeort weiter einzugrenzen, halfen zuletzt zwei Magnetfeldsensoren an Bord von Rosetta und von Philae - denn sie konnten unerwartet als Kompass eingesetzt werden.
    Dieses am Kometen gemessene Signal besteht aus dem Magnetfeld im inneren Sonnensystem, das nah am Kometen schnell hin und her schwingt - und das sich in hörbare Schallwellen umwandeln lässt. Für Karl-Heinz Glaßmeier von der Technischen Universität Braunschweig war das zunächst eine Art Kometengesang, den er so nicht erwartet hatte: "Wir sehen dieses Singen nicht nur auf dem Orbiter, sondern hinunter bis auf die Oberfläche. Das heißt, das ist ein Phänomen, was nicht nur in der Umgebung des Orbiters lokalisiert ist, sondern offensichtlich die gesamte innere Koma bis hin zur Oberfläche erfüllt. Und diese Tatsache ist natürlich ein Himmelsgeschenk, weil wir dadurch zum Beispiel die Orientierung des Landers während des Abstiegs und später auch auf der Oberfläche bestimmen können."
    Kein Magnetfeld aus der Entstehungszeit des Sonnensystems
    Ursprünglich hatten die Forscher mit Philaes Magnetometer etwas ganz anderes vorgehabt: nämlich ein extrem schwaches Magnetfeld im festen Kometenmaterial nachzuweisen, das aus der Entstehungszeit des Sonnensystems stammt. Ein solches Magnetfeld existiert allerdings nicht - für den Forscher war das Glück im Unglück. Denn dem Landerteam gelang es, mithilfe des unerwarteten Kompass, den Landeplatz von Philae auf gerade noch 50 Meter auf dem vier Kilometer langen Kometen einzugrenzen. Aufgespürt wurde der Lander dadurch aber noch immer nicht, sagt Stefan Ulamec: "Die besten Bilder, die wir haben von der Gegend des Landeplatzes zu der Zeit, wenn der Lander beleuchtet ist, wurden im Dezember aus 20 Kilometern Höhe aufgenommen. Und da ist die Pixelgröße etwa 30 Zentimeter. Das heißt, der Lander ist so zwei mal drei Pixel nur groß. Wenn man jetzt berücksichtigt, dass ein Teil des Landers noch im Schatten ist, wie wir wissen, was ja so einen Tarneffekt hat, dann ist es schwierig, den auf Bildern zu erkennen. Selbst wenn das Terrain, auf dem man sucht, relativ klein ist." Stefan Ulamec und sein Team warten nun weiter auf ein Signal von Philae. Im Mai oder spätestens im Juni sollte die näher gekommene Sonne genügend Energie für Heizung, Bordcomputer und Sendeanlage liefern - wenn Philae überhaupt die lange Zeit im Schatten des Kometen überstanden hat.