
+++ In den iranischen Millionenmetropolen Teheran und Maschhad kommt es den zweiten Tag in Folge zu Straßenprotesten.
In den sozialen Medien geteilte Videos zeigten Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht. Auch das genaue Ausmaß der Demonstrationen war zunächst unklar. Wegen der landesweiten Internetsperre drangen nur wenige Aufnahmen nach außen.
+++ Großbritannien, Frankreich und Deutschland haben die iranische Führung aufgefordert, auf Gewalt gegen die wachsende Protestbewegung im Land zu verzichten.
In einer gemeinsamen Erklärung verurteilen Premierminister Starmer, Präsident Macron und Bundeskanzler Merz außerdem die Tötung von Demonstranten und das Vorgehen iranischer Spezialeinheiten.
+++ Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi hat vor einem möglichen Massaker durch die Sicherheitskräfte gewarnt.
Glaubwürdige Hinweise deuteten darauf hin, dass die Regierung versuchen könnte, diese Nacht unter dem Schutz der Kommunikationssperre in ein Blutbad zu verwandeln, schrieb Ebadi, die im Exil lebt. Die landesweite Unterbrechung des Internets sei kein technisches Problem, sondern eine Taktik.
+++ Die Zahl der Todesopfer im Zuge der Proteste im Iran soll auf mindestens 62 gestiegen sein.
Diese Zahl nannte die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency, die sich bei ihrer Berichterstattung auf ein Netzwerk von Aktivisten innerhalb des Irans stützt. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht. Die Menschenrechtsgruppe Hengaw mit Sitz in Norwegen berichtete zudem von einem Vorfall im Westen Irans, In der Stadt Kermanschah seien bei Unruhen zehn Mitglieder einer regionalen Militäreinheit getötet worden.
+++ Der oberste Führer des Irans, Ajatollah Chamenei, hat in einer Fernsehansprache einen repressiven Kurs angekündigt.
Er warf den Demonstranten vor, im Auftrag von Oppositionsgruppen im Exil und von den USA zu handeln. Die Islamische Republik werde Vandalen nicht nachgeben, sagte er. Der Chef der Justiz kündigte dem Staatsfernsehen zufolge eine „entschlossene, maximale und ohne rechtliche Nachsicht“ erfolgende Bestrafung von Protesten an. Der Staatsanwalt von Teheran drohte mit der Todesstrafe. Präsident Peseschkian hatte vergangene Woche noch zu einem „freundlichen und verantwortungsvollen Vorgehen“ aufgerufen.
Diese Nachricht wurde am 09.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
