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StartseiteInterview"Wir müssen lernen mitzudenken, uns zu informieren"05.07.2020

Risikoforscher zu COVID-19-Zahlen"Wir müssen lernen mitzudenken, uns zu informieren"

Deutschlands Schulen, Unis und Medien sollten die Bevölkerung besser für den Umgang mit Statistik rüsten, forderte der Psychologe und Risikoforscher Gerd Gigerenzer im Dlf. Bei COVID-19 werde viel auf Zahlen geschaut – diese würden aber nicht immer verstanden.

Gerd Gigerenzer im Gespräch mit Anja Reinhardt

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Eine Frau mit Mundschutz blickt auf shoppende Menschen (picture alliance / NurPhoto / David Cliff)
Die Pandemie bringt viele Unsicherheiten mit sich - mit denen kann man aber umgehen lernen, glaubt der Psychologe Gigerenzer (picture alliance / NurPhoto / David Cliff)
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Die Coronavirus-Pandemie verlangt uns allen ab, täglich Risiken abzuwägen. Der Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz der Uni Potsdam, Gerd Gigerenzer, sieht dabei auch Fehleinschätzungen und viel vermeidbare Unsicherheit. Man müsse damit rechnen, dass Vorhersagen daneben liegen, warnte der Psychologe und sagt im Deutschlandfunk aber auch, dass es berechenbare Risiken gebe. "Es geht nicht darum, Sicherheiten zu schaffen, die wir nicht schaffen können, sondern die Risiken zu verstehen. Und wenn man sie verstanden hat, kann man sie auch angehen."

Mund-Nase-Masken zum Schutz vor dem Coronavirus in einem Schaufenster in Erfurt (Thüringen). Die bunt gemusterten Masken sind an einer Wäscheleine aufgehängt. (dpa/Martin Schutt) (dpa/Martin Schutt)"Das Wichtigste ist ein Gefühl der Kontrolle"
Viele Entwicklungen der Corona-Pandemie liegen nicht in unserer Macht. Dennoch ist es ein wesentlicher Faktor, dass Menschen das Gefühl haben, sie können selbst etwas für den Schutz für sich und andere tun, erklärte Birgit Spinath im Dlf, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Ein mündiger Bürger sperre sich weder vor lauter Angst ein noch schlage er hasserfüllt auf Virologen ein. "Wir müssen lernen mitzudenken, uns zu informieren, statt emotional zu reagieren", sagt Gigerenzer. Viele junge Menschen hätten begonnen sich zu informieren, beobachtet der Wissenschaftler. Das sei genau, was passieren müsse, Bausteine auf dem Weg zum mündigen Bürger.

Schulen, Unis und Medien in der Pflicht

Neuinfektionen, Coronatote, die Reproduktionszahl R – solche Zahlen hätten die Bevölkerung in den vergangenen Monaten in Angst versetzt. "Aber wir müssen diese Zahlen auch verstehen. Und die wenigsten haben gelernt, diese Zahlen zu verstehen." Beim Verstehen und Verstehbarmachen etwa der COVID-19-Zahlen sieht Gingerenzer Schulen, Universitäten und auch Medien in der Pflicht. Es wäre eine große Chance, glaubt der Psychologe, "in den Schulen, in den Universitäten, in den Medien statistisches Denken einzuführen und zu zeigen, wie notwendig es ist, die Dinge zu verstehen, statt sich vor ihnen zu fürchten."

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