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StartseiteSport AktuellEintopf, Kleidung und ein warmer Schlafplatz04.07.2019

River Plate hilft ObdachlosenEintopf, Kleidung und ein warmer Schlafplatz

Schwitzen in Europa, frieren auf der Südhalbkugel: In Argentinien ist es derzeit bitterkalt. Die Temperaturen in Buenos Aires liegen nachts nur knapp über dem Gefrierpunkt. Inmitten der Kältewelle zeigt der Fußball-Traditionsklub River Plate Herz und öffnet das Stadion für Obdachlose.

Von Anne Herrberg

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Obdachlose suchen im Monumental-Stadion des argentinischen Fußballklubs River Plate in Buenos Aires nach Winterkleidung.  (AFP / TELAM / Osvaldo Fanton)
Jacken, Mützen, Pullover: Obdachlose suchen im Monumental-Stadion des argentinischen Fußballklubs River Plate in Buenos Aires nach Winterkleidung. (AFP / TELAM / Osvaldo Fanton)
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Dort, wo sonst grölende Fangesänge ertönen, hitzige Derbys ausgetragen werden, da wird heute Tee ausgeschenkt und dampfender Eintopf verteilt. Argentiniens Traditionsklub River Plate hat seine Tore geöffnet, für Obdachlose wie den 43-jährigen Oscar:

"Dank an Gott, dass wir heute im Warmen schlafen können. Dazu gab es Reiseinstopf. Ich bin auf der Straße, seit ich meine Arbeit verloren habe, es ist hart, weil es so kalt ist. Dank an alle, die hier ihren Beitrag geleistet haben."

Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt

In Europa schwitzen die Menschen. Auf der Südhalbkugel ist Winter. Argentinien wird von einer Kältewelle heimgesucht – die Temperaturen in Buenos Aires liegen nachts nur knapp über dem Gefrierpunkt.

"In diesen elf Tagen, die diese Kältewelle nun anhält, sind bereits fünf Obdachlose wegen der Kälte gestorben. Das war der Auslöser für eine große Solidaritätswelle im ganzen Land. Mit dem Aufruf, nicht wegzusehen, wenn man jemanden auf der Straße schlafen sieht, sondern zu reagieren und Bescheid zu geben."

Juan Carr ist vom Solidaritätsnetzwerk "Red Solidaria", die River Plate die Initiative vorgeschlagen haben – der amtierende Libertadores-Cup-Sieger und argentinische Rekordmeister habe sofort zugesagt. Der Aufruf verbreitete sich in über soziale Netzwerke, Nachbarn richteten eine Tafelrunde mit Essen ein, brachten Kleiderspenden, Jacken, Mützen, Matratzen. Gissela Jerez kam, um zu helfen:

"Es gibt viele Leute, die auf der Straße leben und es werden immer mehr und wir brauchen noch viel mehr solche Aktionen. Denn es sind leider wenige Leute, die helfen und ihnen die Türen öffnen. Es gibt viele Todesfälle von Menschen, die auf der Straße leben."

Argentinien steckt in einer schweren Wirtschaftskrise

Argentinien steckt in einer schweren Wirtschaftskrise, Tausende haben ihre Jobs verloren, können sich die Mieten nicht mehr leisten, schlafen auf der Straße. die Stadt Buenos Aires, die in Notunterkünften 2.300 Betten bereitstellt, spricht von etwas über 1000 Obdachlosen. Nichtregierungsorganisationen und kirchliche Einrichtung widersprechen vehement. Sie gehen von mindestens 6.300 Obdachlosen aus, jedes Jahr zählen sie mehr. Allein zum Monumentalstadion von River Plate sind in der ersten Nacht Hunderte gekommen.

"Wir haben den Klub in eine Art großen Zufluchtsort verwandelt und das wird er in diesen Tagen auch bleiben. Denn es ist prognostiziert, dass die Kältewelle noch mindestens drei Tage anhält. Wir haben das noch nie zuvor gemacht, aber es funktioniert."

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