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Roger McGuinn
Der Gründer der "Byrds" auf Deutschlandtour

The Byrds waren ohne Zweifel eine der einflussreichsten Bands der Popgeschichte, doch über ihren Gründer und Kopf, Roger McGuinn, wird im Gegensatz zu seinen Kollegen weniger gesprochen. Doch auch McGuinn hat mit den Byrds Popgeschichte geschrieben - am Sonntag (7.09.) beginnt seine Deutschlandtour.

Von Dirk Schneider | 06.09.2014
    (Roger McGuinn singt "Turn, Turn, Turn")
    "So hatte Pete Seeger das Stück gespielt, ohne viel Rhythmus, und ich hatte die Idee, einen Beatles-Beat darunter zu legen, das klang dann so:
    (Roger McGuinn spielt "Turn, Turn, Turn")
    Für Roger McGuinn war der Erfolg seiner Band The Byrds eigentlich eine Art Betriebsunfall, den die Kalifornier den vier Kollegen aus Liverpool zu verdanken hatten:
    "Die Musik der Beatles war sehr wichtig für die Byrds. Wir haben ihren Musikstil, ihr Outfit und ihre Frisuren kopiert, und wir haben die gleichen Instrumente gespielt. Die zwölfsaitige Rickenbacker Gitarre habe ich mir bei den Beatles abgeschaut. Aber da wir eine Folkband waren, kam bei unserem Versuch, die Beatles zu kopieren, eben Folk Rock heraus und nicht Rock 'n' Roll."
    Folk Rock war geboren, später sollten The Byrds auch noch den Country Rock erfinden – allerdings nach vielen Streitigkeiten und dem Weggang von David Crosby und Gene und Michael Clark. Ihren Durchbruch hatten die Byrds mit Bob Dylans Stück "Mr. Tambourine Man", das sie ursprünglich gar nicht spielen wollten:
    "Bob Dylan und Bobby Neuwirth kamen zu unserer Probe und haben uns überzeugt, 'Mr. Tambourine Man' zu spielen. Und zu unserer Version meinten die beiden: 'Wow, dazu kann man ja tanzen!'"
    Bandgeschichte von Streitigkeiten geprägt
    Das "y" in der Schreibweise der Byrds soll übrigens eine Hommage an Bob Dylan sein – nicht nur den Tambourine Man haben sie ihm zu verdanken, auch "Ballad Of Easy Rider" zum Film von Peter Fonda stammt ursprünglich aus seiner Feder:
    "Peter Fonda hat Bob Dylan gefragt, ob er einen Song für den Film schreiben könnte. Bob hat ein paar Noten auf eine Papierserviette geschrieben und sie Peter gegeben mit den Worten, er solle sie an mich weitergeben. Auf der Serviette standen die erste Strophe und der Refrain, und ich habe den Song zu Ende geschrieben. Es war also eine Koproduktion von Bob und mir. Und als der Film in die Kinos kam, stand Bob im Abspann. Er hat mich dann um drei Uhr morgens angerufen und gefragt, warum sein Name dort auftaucht: "Ich brauche das Geld nicht, nimm mich da raus." Da habe ich mich nicht lange bitten lassen."
    Obwohl es die Byrds keine zehn Jahre gab und ihre Geschichte eine Abfolge von Streitereien war, erinnert Roger McGuinn die Sechzigerjahre als die Zeit seines Lebens:
    "So wie die 20er- und 30er die goldenen Jahre des Films waren, so waren die Sechzigerjahre die goldene Ära der Musik. In Los Angeles zu leben, im Laurel Canyon, und mit all diesen Leuten zusammen zu sein, ach, ich habe die Beatles getroffen und die Rolling Stones und Jimi Hendrix oder Eric Clapton – es war eine wunderbare Zeit, wirklich aufregend, man kann das mit nichts vergleichen."
    McGuinn als vernünftiger Kopf der Band
    Roger McGuinn galt schon immer eher als gemäßigter Charakter und vernünftiger Kopf der Band. So wirkt der 72jährige auch heute noch, seinem Starruhm trauert er nicht hinterher. Wenn er einmal auf der Straße erkannt wird, freut er sich, aber allzu oft kommt das nicht vor. Mit seiner Frau lebt McGuinn im Rentnerparadies Florida, einen typischen Tag in seinem Leben beschreibt er so:
    "Das ist ziemlich unspektakulär. Meine Frau und ich lesen jeden Morgen in der Bibel, und dann machen wir unsere täglichen Erledigungen, was gerade ansteht. Meine Aufgabe ist es, den Müll rauszubringen (lacht). Und ich übe jeden Tag eine Stunde auf der Gitarre."
    Roger McGuinn reist viel, tritt immer wieder auf, wobei er die alten Lieder spielt und die Geschichten von früher erzählt, auf seine zurückhaltende, unaufgeregte Art. Und er pflegt das Erbe der angloamerikanischen Volksmusik: Einmal im Monat nimmt er dafür einen traditionellen Folksong auf und stellt ihn zum freien Download zur Verfügung.
    "Das mache ich schon seit 1995 mit meinem Projekt "The Folk Den". Ich habe damit angefangen, weil ich festgestellt habe, wie wenig traditionelle Musik in der Folkszene noch eine Rolle spielte."
    Tatsächlich hat McGuinn seit 1995 keinen Monat ausgelassen. Sein letzter Eintrag stammt vom ersten September und ist ein schottischer Folksong: "Risselty Rosselty Now Now Now" heißt das Stück, es kommt übrigens auch in Hitchcocks Film "Die Vögel" vor, Originaltitel: "The Birds". Na so was.
    Wenn Roger McGuinn nun auf Deutschlandtour kommt, wird das hoffentlich nicht die letzte Gelegenheit sein, den Gründer der Band The Byrds auf der Bühne zu sehen, denn sein Lebensende stellt sich der 72jährige so vor:
    "Andrés Segovia war 93 Jahre alt, als er gestorben ist. Und da war er noch für die Carnegie Hall gebucht – er war bis zu seinem Tod gut genug. Das ist auch mein Ziel."