Dienstag, 24.11.2020
 
StartseiteSport am Wochenende"Inklusion wird in Deutschland nicht ehrlich gelebt"27.01.2019

Rollstuhl-Tennisspielerin Ellerbrock"Inklusion wird in Deutschland nicht ehrlich gelebt"

Die Rollstuhl-Tennisspielerin Sabine Ellerbrock stand bei den Australian Open im Doppel-Finale - weitestgehend unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit. Nicht nur der Deutsche Tennis-Bund hat das Thema Inklusion noch nicht voll umgesetzt, findet sie.

Sabine Ellerbrock im Gespräch mit Mariona Schweizer

Sabine Ellerbrock Rollstuhl-Tennisspielerin bei den Australian Open (Jürgen Hasenkopf/imago sportfotodienst)
Sabine Ellerbrock Rollstuhl-Tennisspielerin bei den Australian Open (Jürgen Hasenkopf/imago sportfotodienst)
Mehr zum Thema

Das Jahr der Para-Sportler Siegen, bis die Worte fehlen

Talentförderung im Paralympischen Sport Offensiv gegen das Zufallsprinzip

Para-Leichtathletik-EM Eine Sportart, zwei Welten

Am Ende der Australian Open stand für Sabine Ellerbrock die knappe Niederlage im Doppel-Finale. Über die Übertragungen der Australian Open von Eurosport, in denen auch ihre Spiele vorkamen, habe sie mehr Aufmerksamkeit für ihre Erfolge bekommen, erzählt Sabine Ellerbrock. Im Vergleich zum Australier Dylan Alcott, der zur besten Sendezeit auf dem Center Court spiele, sei es allerdings gering.

Den Deutschen Tennis-Bund (DTB) beschreibt Ellerbrock als sehr reserviert gegenüber dem Rollstuhl-Tennis. Sie hofft aber bei einem neuem Bundestrainer-Team auf Besserung. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, habe sie ein Rollstuhl-Tennis-Showmatch bei der nächsten Fed-Cup-Begegnung der deutschen Mannschaft angeboten, sagt Ellerbrock.

Hausaufgabenkorrektur während des Turniers

"Nicht nur der DTB, ich behaupte, dass das Thema Inklusion in Deutschland zwar in aller Munde ist, aber nicht ehrlich gelebt wird." Als Beispiel sieht Ellerbrock, dass Hilfsmittel für den Sport bei Erwachsenen oft nicht von der Krankenkasse bezahlt würden. Selbst im öffentlichen Dienst sei das für sie als Lehrerin oft schwierig.

Auch die Bedingungen für Ellerbrocks Sportkarriere sind nach ihrem Dafürhalten nicht ideal. Nach dem Finale am Samstag musste sie schnell zurückfliegen, um am Montag wieder arbeiten zu können. Selbst während des Turniers sei sie im Kontakt mit Schülern gewesen, habe benotet und Hausaufaben korrigiert, berichtet Ellerbrock. "Da bin ich die Einzige unter den Top 10, die noch einen Job hat und das irgendwie alles unter einen Hut bringen muss. Und das zehrt natürlich."

Das gesamte Gespräch können Sie mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk