Mittwoch, 08. Dezember 2021

Rückblick 2020Chronologie eines Schuljahrs in der Coronakrise

Home-Schooling, Präsenzunterricht, Wechselmodell: Die Coronakrise hat Schüler, Lehrer und auch Eltern vor große Herausforderungen gestellt. Und sie hat gezeigt, wie wichtig die Digitalisierung der Schulen ist. Ein Rückblick auf die Ereignisse in 2020.

Von Matthis Jungblut | 28.12.2020

Gymnasiast beim Online-Lernen an einem Laptop
Home-Schooling während der Coronakrise (dpa/Ulrich Perrey)

13. März 2020

Es ist ein Freitag, der 13., der in die deutsche Geschichte geht. Nach einem Treffen der Kultusministerkonferenz am Tag zuvor entscheiden sich alle Bundesländer dazu, die Schulen vorerst zu schließen. Öffnen sollen sie – Stand jetzt – am 20. April, nach den Osterferien.
Erstmal bis zu den Osterferien – so soll das Infektionsgeschehen heruntergefahren werden. Die Frage, die sich für Lehrer, Eltern und Schüler stellt: Wie geht es bis dahin weiter?

16. März

Eine Notbetreuung wird für die Kinder eingerichtet, die Eltern mit systemrelevanten Berufen haben.
Für Schülerinnen und Schüler, auf die das nicht zutrifft, heißt ab jetzt: Home-Schooling.

23. März

Doch so schnell der Begriff des Home-Schooling die Runde macht, so schnell tauchen auch Probleme auf: Es sind alte Versäumnisse, die jetzt bestraft werden: Keine digitale Infrastruktur an den Schulen, digital überforderte Lehrer, keine Endgeräte bei den Schülerinnen und Schülern.
Die Leiterin einer Essener Gesamtschule: "Wir gehen davon aus, dass nicht überall WLAN ist, dass nicht jedes Kind einen eigenen Arbeitsplatz hat und die Kinder das alleine machen müssen."
Homeschooling in der Coronakrise
Homeschooling in der Coronakrise sei nicht für jedes Schulkind geeignet. In bildungsfernen Haushalten seien oft die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Fernunterricht nicht gegeben, sagte Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft im Dlf. Wichtig für den Lernerfolg sei auch die digitale Kompetenz der Eltern.

24. März

Können Schülerinnen und Schüler in Mitten einer Pandemie das Abitur schreiben? Nach langem Hin und Her und Vorstößen einzelner Bundesländer entscheidet die Kultusministerkonferenz: Stefanie Hubig: "Wir haben einen klaren Plan und der Plan lautet: Die Abiturprüfungen finden statt. Punkt."
Vorher hatte es zum Beispiel einen Vorschlag aus Schleswig-Holstein gegeben, dass die Abi-Note ohne Abschlussprüfung berechnet werden soll. Doch der fiel bei den Ministern durch – und die Prüfungen sollen stattfinden.

26. März

Die Pandemie bringt Bewegung in den digitalen Ausbau der Schulen – zumindest auf dem Papier. Die Bundesländer wollen das Geld aus dem Digitalpakt Schule nun auch für den Auf- und Ausbau von Online-Lernplattformen einsetzen.

31. März

Das Robert-Koch-Institut mit einer für die Schule wegweisenden Kehrtwende: Ein Mund-Nasen-Schutz wird ab sofort ausdrücklich empfohlen. Denn das Virus verbreitet sich auch ohne Symptome.

02. April

Fast zwei Wochen ist Deutschland im HomeSchooling – digitaler Unterricht steht und fällt an vielen Orten mit den Lehrern. Bildungsministerin Karliczek sagt daher: "Danke denen, die sich jetzt auf vielerlei Wegen bemühen, die Bildungsrepublik Deutschland weiterhin Wirklichkeit werden zu lassen."

13. April

Am Ostermontag - mitten in den Osterferien - legt die Wissenschaftsakademie Leopoldina ein Gutachten vor, wie eine schrittweise Rückkehr zum Alltag gelingen kann. Wesentlicher Bestandteil: Die Öffnung der Schulen. Den Anfang sollen die Grundschüler machen, dann die Sekundarstufe 1. Konzentriert werden soll sich zunächst auf die Kernfächer Mathe und Deutsch, bei reduzierter Gruppengröße.

15. April

Tag der Lockerungen: Angela Merkel und die Ministerpräsidenten beschließen einen ersten kleinen Schritt Richtung Normalität – ab dem 4. Mai soll es an den Schulen wieder losgehen.
"Es muss in reduzierten Gruppen sein, es muss ein Schulbusskonzept da sein, es muss ein Pausenkonzept da sein. Es wird also ein hoher logistischer Aufwand zu betreiben sein."
Die Abschlussklassen sollen als erstes wiederkommen, dann die Klassen, die im kommenden Jahr ihren Abschluss machen. Wann genau, welche Jahrgangsstufe startet, legt jedes Bundesland selber fest. Ein unübersichtlicher Flickenteppich entsteht.

16. April

Für viele Lehrer in diesen Tagen ein praktisches Problem: Gut funktionierende Kommunikationstools dürfen beim Unterrichten nicht genutzt werden – weil zum Beispiel die Lizenz vom Schulträger nicht gezahlt wird. Da sollte eine Erweiterung des Digitalpakts Schule Abhilfe schaffen. Die Mittel sollen künftig auch für Lizenzen ausgegeben werden – jedoch sind die Bedingungen für die Förderung teils sehr strikt – was zu Frust bei den Lehrern führt.
Bürokratie-Hürden - Woran der Digitalpakt für Schulen und die Ausbildungsprämien bislang scheitern
Wechselnde Standards, bürokratische Hürden, zähe Umsetzung: Das sind die Kritikpunkte am Digitalpakt für Schulen und an der Ausbildungsprämie für Betriebe. Warum ist das so? Warum werden die Fördergelder für die Digitalisierung der Schulen nur schleppend abgerufen?


20. April

Sachsen öffnet als erstes Bundesland wieder die Schulen - erstmal nur für den Abiturjahrgang. Drei Tage später folgen Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Gewerkschaften und Eltern kritisieren, dass es keinen klaren Fahrplan gibt und jedes Bundesland etwas anderes macht. Maiß: "Wir brauchen natürlich eine sichere Situation für die Schülerinnen und Schüler und für die Lehrkräfte vor Ort. Also das Stichwort, was gestern auch mehrfach gefallen ist, wir brauchen ein sicheres Hygienekonzept."

24. April

Corona wirkt wie ein Brennglas auf die Probleme an den Schulen – vor allem im Digitalen gibt es großen Aufholbedarf – trotz Digitalpakt Schule. Nach langen Diskussionen beschließt die Große Koalition Soforthilfen: 500 Millionen für die Onlineangebote der Schulen – außerdem soll jeder Schüler einen Zuschuss für ein Endgerät bekommen – zu wenig und zu spät, kritisieren die Gewerkschaften.

27. April

In vielen Bundesländern besuchen viele Schüler zum ersten Mal wieder ihre Schule. Gleichzeitig trifft sich die KMK und berät, wie es weitergeht. Jeder Schüler soll bis zu den Sommerferien wieder die Schule besuchen. Ein Problem: Viele Lehrer gehören zur Corona-Risikogruppe und haben Angst, sich im Klassenraum anzustecken. Eine Präsenzpflicht für Lehrer gibt es daher nicht – das verschärft den Lehrermangel, kritisiert der Bundeselternrat.
Wasmuth: "Jetzt wissen wir, dass im ländlichen Bereich, in kleineren Grundschulen, Sek 1, Sek 2 einen hohen Altersstand haben bei den Lehrkräften, die eventuell zu den Risikogruppen gehören, und da wird’s sicherlich schwierig werden, die Schulen überhaupt auf zu machen oder so einzusteigen, wie man es im Moment plant."

04. Mai

In vielen Bundesländern kommen heute weitere Jahrgänge an die Schulen zurück – Überall gelten strenge Hygienevorschriften und Abstandsregeln, die Schulen und Lehrer vor große Herausforderungen stellen.
Bücker: "Wir haben ein Einbahnstraßensystem eingerichtet, dass es für bestimmte Gruppen, bestimmt Ein-und Ausgänge gibt. An allen Eingängen wurden jetzt Desinfektionsspender aufgestellt. Das war gar nicht so einfach, die zu bekommen, aber wir haben da einen ganz pfiffigen Hausmeister, der hat die Ständer selber gebaut und wir haben Unterstützung bekommen von einer lokalen Brennerei und haben Desinfektionsmittel bekommen."

11. Mai

Die Lehrer arbeiten seit dem Schulstart am Anschlag, berichten die Gewerkschaften – geteilte Klassen, Fernunterricht – alles sei zusätzliche Arbeitsbelastung. Trotzdem müsse man jetzt schon in die Zukunft schauen – denn das Virus werde nicht einfach verschwinden, sagt Gewerkschaftsvorsitzende Marlis Tepe im Interview.
"Es findet ja sowohl Unterricht in der Ferne als auch Präsenzunterricht statt und darauf werden wir uns glaube ich auch auf längere Zeit einlassen müssen. Und die Aufgabe wird sein, zu überlegen, wie nach den Sommerferien diese Mischform gut gestaltet werden kann."

15. Mai

Der Digitalpakt Schule wird offiziell aufgestockt – 500 Millionen, damit Schulklassen mit Endgeräten ausgestattet werden können. Die Geräte sollen im Besitz der Schulen bleiben und an Schüler verliehen werden. Die Gewerkschaften loben: Vor allem Brennpunktschulen könne mit dem Geld geholfen werden.

18. Mai

Der Unterricht ist wieder angelaufen – doch von einer Rückkehr zum Alltag kann keine Rede sein. Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, bleiben in vielen Bundesländern zu Hause. Um den Lehrermangel abzufedern wird diskutiert, Lehramtsstudierende an die Schulen zu schicken. In Niedersachsen laufen dazu erste Projekte an.

24. Mai

Viele Schüler sind immer noch im Home-Schooling, weil die Schulen nicht genug Platz für die entzerrten Klassen haben oder es nicht genügend Lehrer zur Aufsicht gibt. Eltern beklagen sich bei der Landesregierung, dass es keine Klarheit darüber gibt, wie es weiter geht. Franz-Josef Kahlen von der Landeselternschaft NRW: "Führung und Konzepte, die alltagstauglich und frei von Interpretationsspielraum sind, das wünschen wir uns. Wir brauchen einen Masterplan für das Beschulungskonzept für das kommende Schuljahr als Teil des Nordrhein-Westfalen-Plans."

28. Mai

Masken in der Schule – das ist in diesem Jahr ein Dauerthema. Auf den Fluren, in der Pause oder sogar im Unterricht? In den Bundesländern herrschen unterschiedliche Regelungen, die sich ständig ändern. Gegen eine Maskenpflicht wird an manchen Orten geklagt, andere lassen sich von ihr mit Hilfe eines Attests befreien. Es bleibt – wie vieles in diesem Jahr – ein Flickenteppich.

03. Juni

Kurswechsel in NRW: Ältere oder vorerkrankte Lehrer sind nicht mehr grundsätzlich vom Präsenz-Unterricht befreit. Die Ankündigung der Schulministerin Gebauer stößt auf massive Kritik.

08. Juni

Die Grundschulen in Schleswig-Holstein öffnen wieder – Dort sollen die Schüler täglich wieder im Klassenverband lernen und das ohne Abstandsregelungen - eine Woche später legt auch Niedersachsen wieder los, nach und nach folgen die anderen Bundesländer. Wölky: "Wir müssen jetzt sehen wie es nach den Ferien weitergeht. Das ist jetzt auch so eine Erprobung für die Zeit nach den Sommerferien, weil wir uns da ja alle wünschen, dass wir ein normales Schuljahr dann vorbereiten können."
Corona-Warn-App - Noch viel Entwicklung rund um die Corona-App
Die Corona-Warn-App steht zur Verfügung. Sie wurde sehr schnell entwickelt. Aber dabei sind auch einige Dinge auf der Strecke geblieben, die nun nachgeholt werden sollen. Ein Überblick über den Entwicklungsstand der Corona-Warn-App.

16. Juni

Die Corona-App geht an den Start. Das Problem an den Schulen: An vielen Schulen gibt es ein Handy-Verbot, auch wenn das gesetzlich nirgendwo festgehalten ist. Doch die App kann auch zum Unterrichtsgenstand werden, schlägt Geschichtslehrer Marc Albrecht-Herrmanns vor. "Man kann gerade an der deutschen Entwicklung der App ganz gut aufzeigen, wie sehr man versucht hat, Tracking zu vermeiden, wie die Entwicklung einer App funktioniert, wenn man den Quellcode offenlegt und alle möglichen Nutzer im Vorfeld miteinbezieht."

18. Juni

Die Kultusministerkonferenz beschließt, dass alle Schülerinnen und Schüler nach den Sommerferien wieder in einem regulären Schulbetrieb unterrichtet werden sollen. Die Abstandsregelung soll entfallen – sofern das Infektionsgeschehen es zulässt.

22. Juni

Mecklenburg-Vorpommern geht als erstes Bundesland in die Sommerferien und ein historisches Schuljahr geht zu Ende. In vielen Ländern soll trotzdem weiter gelernt werden: In so genannten Sommerschulen können leistungsschwache Schüler Unterrichtsstoff nachholen, den sie während des Home-Schooling verpasst haben. In der Regel freiwillig und in den Kernfächern Mathe, Deutsch und Englisch. In Berlin helfen beispielswiese Studierende aus, da die Sommerschule auch für die Lehrer freiwillig ist.
Kieseltan: "Was wir hier machen, ist, dass wir das letzte Halbjahr der siebten Klasse unterrichten, was die Kinder in der Corona-Zeit verpasst haben und was auch die Schwerpunkte in der kommenden 8. Klasse sind."

23. Juni

Der Nationale Bildungsbericht wird vorgestellt. Und er zeigt, dass es in Deutschland immer noch keine überzeugende Strategie für Bildung in der digitalisierten Welt gibt. Recherchen des Fokus hatten zuvor gezeigt, dass kaum Geld aus dem Digitalpakt Schule abgerufen wird, wohl vor allem, weil die Antragsstellung zu kompliziert und zu bürokratisch ist.

30. Juni

Als im März die Schulen schlossen war eine Gruppe dabei vor allem im Fokus: Die Abschlussklassen. Wie soll das Abitur in Pandemie-Zeiten funktionieren? Am Ende hat es funktioniert und in manchen Bundesländern waren die Resultate sogar besser als in der Vergangenheit. In Berlin und Hamburg waren die Durchschnittsnoten besser als im vergangenen Jahr. Nur in Bremen gibt es Ärger. Dort müssen die Noten der Matheklausur angehoben werden, ebenso in Sachsen.

04. Juli

Vor der Sommerpause geht es wieder einmal um die Digitalisierung und die Ausstattung an den Schulen. Die Erweiterung des Digitalpakts Schule tritt in Kraft. Karliczek: "Und damit ist jetzt der Weg frei, damit die Schulen für 500 Millionen Euro Laptops und Tablets beschaffen können, um sie dann an diejenigen Schülerinnen und Schüler auszuleihen, die über keine eigenen Geräte verfügen."
Einige Länder wie Berlin und NRW wollten auf das Geld des Bundes offenbar nicht warten und hatte zuvor schon eigene Hilfsprogramm aufgelegt. Denn klar wurde in der Home-Schooling-Zeit vor allem eines: Längst nicht jeder Schüler hat Zugang zu Tablets und einem Laptop.

15. Juli

Die Rückkehr in den Normalbetrieb ohne Abstands-Regelungen nach den Sommerferien wird von Bildungsexperten begrüßt, manche Lehrer sehen das dagegen kritisch. Denn viele gehören zur Risikogruppe und haben Angst vor der Virusschleuder Klassenzimmer. NRW bietet daher ab den Sommerferien kostenlose Tests für Lehrer an; Niedersachsen, Hessen und andere Länder folgen mit ähnlichen Modellen.

23. Juli

Die Zahlen der Neuinfektionen steigen langsam wieder in Deutschland. Und mit Ihnen die Sorge vor erneuten Schulschließungen. Daher fordert der deutsche Lehrerverband in einem 10-Punkte-Plan: Man müsse klare Richtlinien entwickeln, ab wann der Regel- wieder zu einem Distanzunterricht wird, wie Schüler und Lehrer mit regelmäßigen Tests geschützt werden können und wann Lüftungsanlagen eingesetzt werden können. Vor allem die Diskussion um ein Lüftungskonzept wird das kommende halbe Jahr bestimmen.

03. August

Schulstart nach den Ferien. Mecklenburg-Vorpommern legt als erstes wieder los. In der ersten Woche geht es vor allem um eine Maskenpflicht an den Schulen, die von den Ländern sehr unterschiedlich eingesetzt wird. NRW startet als einziges Bundesland mit einer Maskenpflicht im Unterricht – in vielen anderen Ländern gilt sie zum Beispiel im Gebäude und auf dem Schulweg.
Torben Krauß von der Bundesschülerkonferenz kritisiert, dass die Meinung der Schüler in den Diskussionen gar keine Rolle spielt.
"In der Vergangenheit war es leider sehr selten der Fall, dass wir mal mit an den Tisch geholt wurden. Also wir wurden von der Kultusministerkonferenz gekonnt ignoriert, die Bundesbildungsministerin lädt uns auch nicht zu Gesprächen ein, kommt auch nicht zu unseren Konferenzen. Das ist sehr schade, weil wir uns auch sehr intensiv mit dem Thema beschäftigen."

07. August

Die erste Woche – die ersten Coronafälle an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Gymnasium muss schließen, weil sich eine Lehrerin infiziert – an einer Grundschule wird ein Schüler positiv getestet.

14. August

Inoffizieller Schulgipfel im Kanzleramt. Bildungsministerin Karliczek, SPD-Chefin Esken und Kanzlerin Merkel verständigen sich auf ein Maßnahmenpaket für die Schulen, dass sogar von den Lehrerverbänden als Meilenstein bezeichnet wird:
- Lehrer sollen Dienst-Laptops bekommen.
- Alle Schüler sollen einen vergünstigten Internetzugang erhalten.
- Ein Zentrum für Digitale Bildung soll geschaffen werden und
- Eine bundesweite digitalen Bildungsplattform soll aufgebaut werden

18. August

15,7 Millionen Euro – das ist der Betrag, der bisher vom Digitalpakt Schule abgerufen wurde. Gerade einmal 0,4 Prozent der fünf Milliarden Euro, die im vergangenen Jahr dafür zu Verfügung gestellt wurden. Sieben Länder, darunter zum Beispiel Berlin, Bayern oder Sachsen haben noch gar keinen Euro bekommen.
KMK-Präsidentin Hubig räumt im Interview Verbesserungsbedarf ein. "Was aber richtig ist, dass wir beim Digitalpakt schneller werden müssen. Gerade die Medienpädagogischen Konzepte scheinen in einigen Ländern Bremsklötze zu sein. Deshalb freue ich mich, dass die Bundesbildungsministerin meinem Vorschlag gefolgt ist, dass wir gesagt haben: Medienpädagogische Konzepte werden nachgereicht, die können nachgereicht werden. Wichtig ist, dass wir jetzt schnell vorwärtskommen."
Lernrückstände im Homeschooling - Coronakrise halbierte Lernzeit der Schüler
Der durch die Coronakrise bedingte Unterrichtsausfall der vergangenen Monate konnte nicht annähernd durch sogenanntes Homeschooling aufgefangen werden – so das Ergebnis einer Studie des ifo-Instituts für Bildungsökonomik. Woran liegt das und wie könnten die Defizite ausgeglichen werden?

31. August

Mit Thüringen startet auch das letzte Bundesland ins neue Schuljahr. Ein Thema wird weiter diskutiert: Die Maskenpflicht. Wie so oft geht jedes Land mehr oder weniger seinen eigenen Weg. In NRW gibt es seit heute keine Maskenpflicht mehr im Unterricht – Schleswig-Holstein wechselt von einer Trage-Empfehlung zur Maskenpflicht.
Beim Bund-Länder-Treffen wird daher die Forderung nach einem einheitlichen Stufenplan für Corona-Maßnahmen an Schulen laut, der den bundesweiten Flickenteppich ablösen soll.

02. September

Die neuen Hygiene-Vorgaben führen an vielen Schulen zu Kritik: Nicht umsetzbar und nicht durchdacht heißt es zum Beispiel in einem Brandbrief von NRW-Schulleiter. Neben den Masken besonders im Fokus: Das Lüften.
"Dann haben wir ganz sicher in Schulen Lüftungsprobleme, durch Fenster, die nicht immer oder häufig nicht in dem Zustand sind, dass dieses Lüften, was wir da brauchen, durchgeführt werden kann."
Als Alternative sind Raumluftreiniger im Gespräch. Diese sollen die Luft filtern und sie von Aerosolen im Klassenraum befreien. Doch das Umweltbundesamt warnt: Diese Reiniger seien keine Wundermittel. Besser sei das altbewährte Stoßlüften oder Lüftungsanlagen.

08. September

Wie in jedem Jahr stellt die OECD ihren Bildungsbericht vor, wie in jedem Jahr wird er stark diskutiert. In diesem Jahr kritisiert der Bericht vor allem die digitale Bildung in Deutschland und die unzureichende Ausstattung deutscher Schulen mit digitalen Lernplattformen.

20. September

In NRW sind bislang nur ein Viertel der Gelder für Schüler-Laptops aus der Erweiterung des Digitalpakts abgerufen worden. Das ergibt eine Anfrage beim Schulministerium. Viele Schulträger sind noch dabei, die Anschaffung tausender Geräte zu organisieren. Für NRW sind 179 Millionen Euro vorgesehen – das reicht nicht, um alle Brennpunktschulen zu versorgen, sagt Schulleiterin Grajewski aus Essen.
"Wenn man dann aber zu wenig Geräte bekommt, dann hat man diese Entscheidung mal ganz locker nach unten abgewälzt. Wir entscheiden dann: Du kriegst einen und du nicht."

22. September

Schulgipfel im Kanzleramt. Angela Merkel trifft Ministerin Karliczek und die Kultusminister der Länder. Man will sich auf den Winter und steigende Infektionszahlen vorbereiten. Doch der große Wurf bleibt aus: Das Geld für Dienst-Laptops soll schneller fließen, die Internet-Bildungsflatrate für Schüler wird konkreter – außerdem gibt es 500 Millionen für die IT-Administration an Schulen. Lehrer sollen zum Beispiel endlich Dienst-Mailadressen und Dienst-Laptops bekommen. Die Reaktion der Gewerkschaften ist verhalten.
Beckmann: "In der Öffentlichkeit entsteht ja der Eindruck: Jetzt fließen die Millionen ohne Ende und morgen sind die Schulen alle gut ausgestattet. Die Eltern haben hohe Erwartungen, aber an den Schulen ist jetzt ja kaum etwas angekommen." Um das Geld für die Schulen auf den Weg zu bringen wird der Digitalpakt Schule ein zweites Mal mit einem Zusatzprogramm versehen.

25. September

Je näher der Winter kommt, je mehr drängt sich die Frage auf: Wie soll das Stoßlüften bei kalten Temperaturen funktionieren? In vielen Klassenräumen sitzen Schüler und Lehrer in diesem Herbst mit Mütze und Schal. Eine sinnvolle Alternative gibt es nicht, sagt das RKI, nur Ergänzungen. Bayern Ministerpräsident Söder legt ein 50-Millionen-Programm für den Einbau von Lüftungsanlagen und CO2-Ampeln auf. NRW stellt ebenfalls finanzielle Hilfen für mobile Lüftungsanlagen zur Verfügung. Hessen und Niedersachen setzen so ein Programm erst im November auf.

30. September

Die öffentliche Debatte darüber, ob Schulen Corona-Hotspots sind ist weiter hitzig. Immer wieder führen Ausbrüche dazu, dass Klassen in Quarantäne müssen und Schulen geschlossen werden müssen. Doch: Nur jeder fünfte Neuinfizierte ist im Herbst unter 20.

07. Oktober

Die Lehrer in Bayern schlagen Alarm. Lehrermangel und Corona-Krise führen dazu, dass der Unterricht an vielen Orten nur mühsam aufrechterhalten werden kann. Die Vorsitzende des bayrischen Lehrverbandes, Fleischmann, fordert, dass man sich nicht nur auf die Digitalisierung der Schulen konzentriere, man müsse endlich etwas gegen den Lehrermangel machen.
"Laptops machen keinen Unterricht, wenn nicht ein Mensch im Klassenzimmer steht."
"Applaus reicht nicht für Schulleiter. Da kriegen die Kollegen draußen derzeit Pickel, wenn sie das lesen."

14. Oktober

Steigende Infektionszahlen führen dazu, dass wieder über Schulschließungen gesprochen wird. Auch ein neuer Vorschlag wird laut: Eine Verlängerung der Weihnachtsferien. Daraus entsteht die Idee, früher in die Weihnachtsferien zu starten, damit Schüler nach einer Selbstquarantäne mit ihren Großeltern Weihnachten feiern können. NRW setzt den Plan als erstes Land um, anschließend folgen andere Länder.

15. Oktober

Die Kultusministerkonferenz stellt den neuen Bildungsstaatsvertrag vor – Nach 56 Jahren gibt es ein neues Regelwerk für den Bildungsföderalismus. Mehr Transparenz, mehr bundesweite Vergleichbarkeit bei den Abschlüssen und ein insgesamt planvolleres, gemeinsames Vorgehen. Ilka Hoffmann von der GEW nennt den neuen Beschluss "rückwärtsgewandt":
"Wir haben uns erhofft, dass wenn es so eine Vereinbarung gibt, man genau auf diese Fragen eingeht: Wie kann man die Chancengleichheit verringern in unserem Bildungssystem und wie kann man ein besonders großes Problem beherzt angehen: den Lehrermangel."

19. Oktober

Der Bund will das Aufrüsten bestehender Lüftungsanlagen mit 500 Millionen Euro bundesweit fördern. Problem für die Schulen: Das Geld ist für die Installation neuer Anlagen nicht vorgesehen. Viele Schulen gehen also leer aus, weil es dort größtenteils keine Lüftungsanlagen gibt.

21. Oktober

Eigentlich sollen verschärfte Hygienemaßnahmen an Schulen gelten, wenn in der Kommune ein Inzidenzwert von 50 oder höher vorliegt – doch an vielen Hot-Spot-Schulen passiert erst mal gar nichts. Der deutscher Lehrerverband fordert daher, dass Wechselmodelle in Hotspots eingerichtet werden. Das Konzept sieht vor, Klassen zu halbieren und beide Gruppen abwechselnd in der Schule und zu Hause zu unterrichten. Die KMK bekräftigt in dieser Woche aber nochmal: Schulen sollten so lange wie möglich im Regelbetrieb laufen.

25. Oktober

In Deutschland steigen die Fallzahlen. In Berchtesgaden ist der Inzidenzwert so hoch, dass erstmals wieder flächendeckend die Schulen geschlossen werden. Und das stößt auf massiven Widerstand der Eltern. "Im Wesentlichen ist der Urlaub aufgebraucht. Sie müssen gucken, wie sie das organisieren, wenn keine Großeltern da sind. Viele Selbstständige sind am Rande ihres Existenzminimums. Und dann fällt es natürlich besonders schwer zu Hause auch noch die Kinder zu betreuen."
Coronavirus
Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)


27. Oktober

Die KMK will die Schulen weiter offenhalten und beruft sich in ihrem Beschluss auf Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Schüler seien aufgrund der bisherigen Erfahrungen und Studien keiner Treiber der Pandemie. Lehrerverbände hingegen wollen Wechselunterricht und berufen sich ebenfalls auf das RKI. Dort heißt es nämlich auch: Bei einem Inzidenzwert von über 50 solle Wechselunterricht eingeführt werden.

28. Oktober

Ein teilweiser Lockdown wird beschlossen: Restaurants und Freizeiteinrichtungen müssen wieder schließen, schärfere Kontaktbeschränkungen werden beschlossen. Der Regelbetrieb in Schulen und Kitas soll erst mal weitergehen.

04. November

Die Stadt Solingen ist zwischenzeitlich der Ort mit dem höchsten Inzidenzwert in Deutschland, bei über 230. Als Konsequenz daraus will die Stadt die Klassen an weiterführenden Schulen teilen und diese dann abwechselnd vor Ort und auf Distanz unterrichten, so wie es beispielsweise der Lehrverband schon im Oktober gefordert hatte.
Die Idee stößt bei Lehrern und Eltern vor Ort auf Zustimmung, nicht aber in der Politik. NRW-Bildungsministerin Gebauer verbietet die Umsetzung. Gebauer: "Der Bildungsauftrag für alle Kinder und Jugendliche kann auf diese Weise nicht vollumfänglich erfüllt werden. Eine pauschale Reduzierung führt zu sozialer Benachteiligung vor allem jener Schülerinnen und Schüler, die im häuslichen Umfeld aus ganz unterschiedlichen Gründen weniger Unterstützung erhalten."
Die Diskussion um Wechselunterricht zieht sich durch den ganzen November. Manche Regionen gehen erfolgreich zum Wechselunterricht über, in anderen funktioniert es nicht, weil es nicht genug Lehrer gibt.

13. November

Maskenpflicht an der Grundschule ist seit Beginn der Pandemie ein Streitthema. In Bayern gilt sie seit Oktober, in NRW gibt es keine flächendeckende Pflicht. Bildungsministerin Karliczek bringt die Maskenpflicht für sehr hohe Infektionszahlen wieder ins Spiel. Die KMK spricht sich allerdings erneut dagegen aus. Auch ein flächendeckendes Wechselmodell lehnt die KMK weiterhin ab.

15. November

106 Schulen sind in Deutschland mittlerweile komplett geschlossen – knapp 200.000 Schüler sind in Quarantäne. Obwohl also nur ein Bruchteil der Schulen von Schließungen betroffen sind werden die Forderungen nach Hybrid-Unterricht immer lauter.

26. November

Der November-Lockdown wird verlängert. Nach langem Hin und her beschließen die Länderchefs bei ihren Beratungen mit Kanzlerin Merkel außerdem, dass Hybridunterricht doch grundsätzlich möglich sein soll. Allerdings nur für Schüler ab der 8. Klasse und ab einem Inzidenzwert von 200. Das soll von Schule zu Schule entschieden werden - nicht pauschal für ganze Städte oder Kreise.

03. Dezember

Lehrer sollen sich nach vorheriger Schulung in Zukunft selbst auf Corona testen dürfen. Schulträger können dafür Schnelltests ab sofort beziehen. Das Problem: Es gibt zu wenig Tests für zu viele Schulen.

14. Dezember

Das Jahr endet wie es begonnen hat: Wegen steigender Infektionszahlen geht Deutschland in den Lockdown – die Schulen schließen. "In den Schulen sollen die Kontakte deutliche eingeschränkt werden. Ebenso bei den Kitas. Das Bedeutet, das Kinder – wann immer möglich – zu Hause betreut werden. Es werden Regelungen zum Distanzlernen angeboten. Für Abschlussklassen können gesonderte Regelungen erlassen werden."
Doch es gibt wieder regionale Unterschiede. In NRW soll ab Klasse 8 komplett auf Home-Schooling umgestellt werden. Bei den Jüngeren können die Eltern entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken. Es gilt aber der Appell, dass nur dann zu tun, wenn es ein Betreuungsproblem gibt.
Planmäßig sollen die Schulen ab dem 11. Januar wieder beginnen.