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StartseitePISAplusTüfteln für den Krieg11.01.2014

RüstungsforschungTüfteln für den Krieg

An mehreren deutschen Universitäten forschen Wissenschaftler in Bereichen, die auch militärisch genutzt werden können. Bezahlt werden sie zum Beispiel vom US-Verteidigungsministerium. An einigen Hochschulen sorgt das für Streit.

Von Arne Meyer

Radpanzer vom Typ "Boxer" (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)
Wissenschaftler aus Deutschland forschen an Militärausrüstung - bezahlt von ausländischen Verteidigungsministerien. (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)
Weiterführende Information

Streit um die Zivilklausel an deutschen Hochschulen (Deutschlandfunk, Campus und Karriere, 09.01.2014)

Ein echtes Dilemma (Deutschlandfunk, Kommentar, 08.01.2014)

Vom Testgelände im australischen Woomera aus schießt das Hyperschall-Fluggerät in den Himmel. 200 Kilometer in die Atmosphäre. Danach kehrt es wieder zurück. "Ein Quantensprung in puncto Geschwindigkeit und Spritverbrauch" - so feiern die Wissenschaftler ihren Erfolg anschließend. Federführend bei dem Projekt mit dem Namen "HiFire" ist neben der US-Behörde NASA das australische Verteidigungsministerium. Genauer genommen: Die dazu gehörende militärische Forschungsorganisation DSTO – Defence Science and Technology Organisation. Das notwendige "Know How" dafür? Auch aus Deutschland.

Wissenschaftler des Instituts für Raumflugbetrieb und Astronautentraining am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt  im bayerischen Oberpfaffenhofen arbeiten seit 2009 mit an dem Projekt. Bis heute flossen deutlich mehr als drei Millionen Dollar für dieses Projekt aus Quellen des australischen Verteidigungsetats ans DLR. Und seitdem die Bundesregierung eine Anfrage der Bundestagsfraktion "Die Linke" beantwortet hat ist klar: Nicht nur das australische Verteidigungsministerium unterstützt Forscher in Deutschland, sondern mindestens auch die entsprechenden Ressorts in Großbritannien, Südkorea und Singapur.

Ganz weit vorne im Bereich der sogenannten "Dual-Use-Forschungsförderung" ist aber das US-Verteidigungsministerium. Fast eine halbe Million US-Dollar bekam 2012 zum Beispiel der Chemiker Thomas Klapötke von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er und seine Kollegen untersuchten, inwiefern sich Sprengstoffe für Truppenübungsplätze etwa umweltfreundlicher herstellen lassen.

"RDX oder zu deutsch Hexogen ist der am meisten eingesetzte Sprengstoff im militärischen Bereich und es hat sich in letzter Zeit herausgestellt, dass außer sehr vielen positiven Eigenschaften, die RDX hat, dass es ökologisch zumindest bedenklich ist, um das vorsichtig auszudrücken.“

Verstoß gegen Zivilklauseln

Aber nicht immer ist bei den Forschungsprojekten der militärische Nutzen so eindeutig wie hier. Das Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik in Freiburg widmete sich mit finanzieller Unterstützung des US-Verteidigungsministeriums unter anderem der Frage: Wie lässt sich die Stabilität von Panzerglas verbessern?  Die daraus gewonnenen Ergebnisse sind sowohl militärisch als auch zivil nutzbar. Für Institutsdirektor Klaus Thoma sind deswegen weder Geldgeber noch Forschung dieser Art problematisch.

"Das muss man sich genau überlegen. Aber die Dinge, die wir machen sind Schutzanwendungen. Die sind wirklich vertretbar. In der Bundesrepublik machen es ja auch einige und wir haben eine Parlamentsarmee, das heißt, es wird alles vom Parlament abgesegnet. Da sehe ich kein Problem damit.“

Auch die Uni Bremen hat in der Vergangenheit Geld vom Pentagon bekommen. Rund eine Viertelmillion Dollar für seine Beteiligung an einem Satellitenforschungsprojekt. Pikant daran: An der Uni gibt es seit 1986 eine Zivilklausel, die die Wissenschaftler zur zivilen Forschung verpflichtet. Uni-Rektor Bernd-Scholz Reiter:

"Natürlich ist das ein Dilemma, was man letztlich versuchen muss, aufzulösen, was man aber wahrscheinlich nicht immer auflösen kann. Die Frage "dual use" ist letztlich ungeklärt und muss unter Ethikaspekten beantwortet werden, die für die Institutionen gelten – also die Uni Bremen – aber auch für die einzelnen Personen, also die einzelnen Wissenschaftler."

Und daran wird klar: Auch in Zukunft gibt es bei jedem neuen Projekt eine einfach Antwort auf diese Frage.

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