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StartseiteEuropa heuteDer Eiffelturm bekommt Konkurrenz29.09.2016

Russisch-Orthdoxe Kathedrale in ParisDer Eiffelturm bekommt Konkurrenz

Sie soll im Oktober eingeweiht werden: die neue russisch-orthodoxe Kathedrale in Paris. 170 Millionen hat der russische Präsident Wladimir Putin in dieses Projekt investiert. Und das nicht ohne Grund. In direkter Nähe zum Eiffelturm gebaut, soll die Kathedrale vor allem Russlands Präsenz in Europa unterstreichen.

Von Anke Schaefer

Die Domspitzen der russisch-orthodoxen Kirche, die gerade in Paris gebaut wird. Im Hintergrund ist der Eifelturm. (picture alliance/ dpa/ Dominique Boutin)
Die Einweihung der russisch-orthodoxen Kathedrale soll im Oktober stattfinden. Richtig fertig wird sie allerdings erst in ein bis zwei Jahren sein. (picture alliance/ dpa/ Dominique Boutin)
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Sie schimmern und funkeln, die fünf goldenen Kuppeln der neuen russisch-orthodoxen Kathedrale in Paris, direkt unter dem Eiffelturm. Die Kuppeln fallen auf, sie sind ein Statement. Das Grundstück an der Seine, auf dem die Kathedrale steht, hatte zuvor dem Wetterdienst "Meteo-France" gehört. 2009 wurde es zum Kauf angeboten. An einem Bieterwettstreit nahmen auch Kanada, China und Saudi Arabien teil, Russland bekam den Zuschlag. Französische Medien schrieben, der Vertrag sei nur zustande gekommen, weil der mit Wladimir Putin befreundete damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy angeblich Vorabsprachen mit dem damaligen russischen Präsidenten Dimitri Medwedew getroffen habe. Das offizielle Frankreich dementierte das.

Sicherheitsbehörden befürchteten Russland könnte Frankreich abhören

Britische Zeitungen hatten später berichtet, französische Sicherheitsbehörden befürchteten, Russland könnte Frankreich mit entsprechender Elektronik unter den Kuppeln ausspionieren. Auch das wurde nicht bestätigt. In jedem Fall, sagt der Philosoph Michel Eltchaninoff, Autor des Buches "In Putins Kopf" – sei diese Kathedrale für Putin ein wichtiges Machtsymbol:

"Mit dem Konzept 'russkij mir', also 'russische Welt', will Putin alle Menschen mit russischen Wurzeln, die im Lauf des 20. Jahrhunderts emigriert sind, zu Einflussträgern machen, um die russische Weltmachtstellung zu restaurieren. Die Kathedrale ist eindeutig Teil dieser Strategie. Sie soll beweisen, dass eine Facette der russischen Kultur - nämlich die orthodoxe Religion - in Europa eine Rolle spielt und im Herzen von Paris eine majestätische Vertretung besitzt."

170 Millionen Euro bezahlte Russland für den Bau der Kathedrale

70 Millionen Euro, so offizielle Zahlen, habe der russische Staat für das 4000 Quadratmeter große Filet-Grundstück an der Seine bezahlt und anschließend 170 Millionen Euro in den Bau der Kathedrale investiert. Geplant hat sie der französische Architekt Jean-Michel Wilmotte:

"100 Meter von hier ist die amerikanische Kirche, das japanische Kulturinstitut, das Institut der Arabischen Welt – also denke ich – das internationale Paris brauchte diesen orthodoxen Ort!"

Allerdings gibt es schon mehrere orthodoxe Kirchen in Paris. Darunter die Alexander-Newski-Kathedrale im 8. Arrondissement, erbaut im 19. Jahrhundert. Die aber untersteht nicht dem Moskauer Patriarchat, sondern dem ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Es gibt Stimmen, die sagen, das Moskauer Patriarchat habe einst Anspruch auf diese Kathedrale erhoben, diesem Anspruch sei allerdings nicht stattgegeben worden – auch daher der Wille zu diesem Neubau an der Seine.

Die Kirche soll auch Grundschule und Kulturzentrum beherbegen

Der soll nun unter den fünf goldenen Kuppeln nicht nur den Kirchenraum selbst beherbergen, sondern auch eine russisch-französische Grundschule, ein Kulturzentrum und die Kulturabteilung der russischen Botschaft. Und deshalb wird der gesamte Komplex auch ex-territorialen Status erhalten - also als russisches Hoheitsgebiet gelten. Und genau dies sorgt bei nicht wenigen Beobachtern für Misstrauen. Bischof Nestor Sirotenko will aber alle Interessierten willkommen heißen:

"Diese Kathedrale steht für Vertrauen. Zuallererst für das Vertrauen in Gott. Dann aber auch für das Vertrauen zwischen all denen, die hier etwas beitragen. Diese Kirche soll auch von den Menschen in Paris und den Franzosen akzeptiert werden. Sie muss auf jeden Fall ein Ort des Dialogs sein, zwischen Katholiken und Orthodoxen. Diese Kirche wird dazu beitragen, dass dieser Dialog für uns alle bereichernd ist."

Zur Einweihung der Kathedrale wird im Oktober auch Präsident Putin in Paris erwartet. Die kirchliche Weihe kann allerdings erst in ein bis zwei Jahren stattfinden. Dann, wenn die prachtvolle Innenausstattung auch fertig sein wird.

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