Ukraine-Krieg
Russische Drohne trifft Atommülllager bei Tschernobyl - IAEA: "äußerst besorgniserregend"

Bei einem russischen Drohnenangriff ist ein ‌Lager für abgebrannte Brennelemente ​in der Nähe des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl getroffen worden. Die Internationale Atomenergiebehörde ist besorgt und schickt Spezialisten.

    Blick auf die Schutzhülle über den Überresten des Reaktorblocks 4 im Kernkraftwerk Tschernobyl
    Im November 2016 wurde die Schutzhülle des Reaktorblocks fertiggestellt. 2025 wurde diese von einer russischen Drohne getroffen und die Schutzhülle schwer beschädigt. (Getty Images / NurPhoto / Vladimir Sindeyeve)
    Der Staatskonzern Energoatom teilte mit, ein Gebäude für die Annahme von Behältern sei bei dem Angriff in der Nacht teilweise zerstört worden. Es sei dort aber kein abgebrannter Kernbrennstoff gelagert worden. Berichte über Verletzte gebe es nicht. Die Strahlenwerte lägen innerhalb der festgelegten Grenzwerte. Weiter hieß es, nach der Attacke habe sich ein Feuer auf einer Fläche von 40 Quadratmetern ausgebreitet; es sei inzwischen aber gelöscht worden. In dem zentralen Lager in der Sperrzone um das vor 40 Jahren havarierte AKW Tschernobyl werden abgebrannte Brennelemente aus anderen ukrainischen Kernkraftwerken langfristig gelagert.

    IAEA-Chef äußerst besorgt

    Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA kündigte an, die Anlage alsbald zu inspizieren. Man sei von ukrainischer Seite über "erhebliche Schäden" an dem Gebäude informiert worden. IAEA-Generaldirektor Grossi erklärte auf X, der Vorfall sei "äußerst besorgniserregend", da er sich in einer Liegenschaft ereignet habe, wo große Mengen an Kernmaterial gelagert seien - nur wenige Meter vom angegriffenen Gebäude entfernt. Angriffe auf kerntechnische Anlagen seien völlig inakzeptabel und verstießen direkt gegen zentrale Grundsätze der nuklearen Sicherheit während eines militärischen Konflikts, sagte Grossi.

    Selenskyj: "Extrem niederträchtig"

    Der ukrainische Präsident Selenskyj nannte den Angriff "extrem niederträchtig". Russland ⁠habe das Gebiet ⁠gezielt attackiert, schrieb er auf X. Es handele sich um eine ​äußerst kritische Infrastruktureinrichtung. Es gebe zwar keine Überschreitung der Grenzwerte für die Strahlung, aber eine Überschreitung der ohnehin schon himmelhohen russischen Grausamkeit. Tatsächlich ist aber noch unklar, ob das Atommüllager absichtlich getroffen wurde. Von russischer Seite gab es zunächst keine Angaben.
    Selenskyj forderte erneut die Weltgemeinschaft zum Durchgreifen gegen Russland auf. "In dieser Nacht gab es russische Angriffe auch auf andere zivile Objekte in 13 unserer Regionen", sagte er. Die Behörden in der umkämpften Region Saporischschja meldeten am Vormittag, dass eine russische Gleitbombe drei Menschen in einem Dorf getötet habe.
    Am Abend wollen Bundeskanzler Merz, Frankreichs Präsident Macron, der britische Premier Starmer und der ukrainische Präsident Selenskyj in London zu Beratungen über den Ukraine-Krieg zusammenkommen.
    Diese Nachricht wurde am 07.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.