Montag, 28. November 2022

Sagen & Meinen
Warum man nicht "an den Rollstuhl gefesselt" ist

Niemand ist an den Rollstuhl "gefesselt", wie Medien gerne formulieren - im Gegenteil. Ein Rollstuhl bedeutet nämlich keine Einschränkung, sondern viel mehr Freiheit, findet unser Autor Stefan Fries. Denn das Fortbewegungsmittel erhöht den Bewegungsradius von manchen Menschen mit Behinderung.

Von Stefan Fries | 09.02.2022

Ein Rollstuhlfahrer blickt auf einen Berg
Ein Rollstuhlfahrer blickt auf einen Berg (imago images/Shotshop)
Wenn Medien über Menschen mit Behinderung schreiben, tappen sie oft in diese Falle: Sitzt jemand im Rollstuhl, heißt es dann gerne, er oder sie sei "an den Rollstuhl gefesselt". Das ist gleich doppelt falsch. Denn natürlich ist niemand wortwörtlich an einem Rollstuhl angebunden. Der Sozialaktivist Raul Krauthausen sagt dazu: "Wenn du jemanden siehst, der an den Rollstuhl gefesselt ist, geh hin, binde ihn los und ruf die Polizei."

Rollstuhl ist einfach ein Fortbewegungsmittel

Das aber zeigt, dass eigentlich das Gegenteil gilt: Denn ein Rollstuhl bedeutet keine Einschränkung, sondern Freiheit - er erhöht den Bewegungsradius von manchen Menschen mit Behinderung. Sagt auch Krauthausen. Weniger pathetisch gesagt, ist der Rollstuhl einfach ein Fortbewegungsmittel.
Sagen & Meinen - Der Sprachcheck
Statt "an den Rollstuhl gefesselt" sollten Medien lieber formulieren, dass jemand einen Rollstuhl benötigt oder darauf angewiesen ist - oder einfach, dass jemand im Rollstuhl sitzt.