Seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Donnerstag, 04.06.2020
 
Seit 04:05 Uhr Radionacht Information
Startseite@mediasresWarum Infizierte nicht immer Erkrankte sind08.05.2020

Sagen & MeinenWarum Infizierte nicht immer Erkrankte sind

In Berichten über die Ausbreitung der Corona-Pandemie ist häufig von "Neuinfizierten" innerhalb eines Tages die Rede. Dabei geben die Zahlen das gar nicht her. Richtig kompliziert wird es, wenn nicht zwischen Infizierten und Erkrankten unterschieden wird.

Von Stefan Fries

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. Er sitzt wähhrend einer Pressekonferenz an einem Tisch, spricht und gestikultiert. (Christian Mang/POOL reuters/dpa)
Das Robert-Koch-Institut informiert regelmäßig über die Entwicklung der Pandemie, hier sein Präsident Lothar Wieler (Christian Mang/POOL reuters/dpa)
Mehr zum Thema

Sagen & Meinen Der Sprachcheck

Sagen & Meinen Warum Ausgangsbeschränkungen kein Lockdown sind

Sagen & Meinen Warum die Autoprämie gar keine Prämie ist

"Innerhalb von 24 Stunden haben sich fast zehntausend Menschen neu infiziert."

"Innerhalb eines Tages haben sich über eintausend Menschen neu infiziert."

"...stieg die Zahl der Infizierten um mehr als 50 Prozent."

"Anfang März hatte sich die Zahl der Erkrankten noch alle zwei Tage verdoppelt, nun erst alle 18,3 Tage."

Wenn das so einfach wäre. Niemand weiß, wie viele mit dem Coronavirus infiziert sind – geschweige denn, wie viele sich seit gestern "neu infiziert" haben.

  (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte) (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

Besser wäre: "Infektionen wurden registriert"

Die Zahlen, über die Medien täglich berichten, geben das gar nicht her. Wir wissen nur, wie viele positiv auf das Virus getestet wurden. Die Dunkelziffer ist vermutlich viel höher.

Und selbst die Zahlen, die wir kennen, sagen nichts aus über die Infektionen "seit gestern". Die Ansteckung liegt vielleicht schon zwei bis drei Wochen zurück. Denn so lange dauert es meistens von der Infektion über die ersten Symptome, den Test, die Auswertung, das Testergebnis und die Meldung auf dem Behördenweg, bis sie in der Statistik auftauchen.

Besser wäre es also, es so zu formulieren: "Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden inzwischen mehr als 166.000 Corona-Infektionen registriert."

Wer infiziert ist, wird nicht zwangsläufig krank

Richtig kompliziert wird es dann, wenn zwischen Infizierten und Erkrankten nicht unterschieden wird. Denn: Wer infiziert ist, wird nicht zwangsläufig krank. An vielen geht das Virus ohne Symptome vorüber. Deswegen sind Erkrankte und Infizierte nicht dasselbe. Bei den Erkrankten wissen wir nur von den schweren Fällen, die in Krankenhäusern landen.

Besser also, man spricht von bekannten Infektionen, von bestätigten oder gemeldeten – und rechnet gegebenenfalls die Genesenen heraus. So kann man weder über- noch untertreiben.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk