SchachErste deutsche Frau erhält den Titel "Großmeister"

Deutschlands beste Schachspielerin ist jetzt Großmeister, der höchste auf Lebenszeit verliehene Titel. Weltweit haben ihn nur 40 Schachspielerinnen. Das zeigt, dass es im Schach immer noch ein Missverhältnis zwischen den Geschlechtern gibt.

Von Jessica Sturmberg | 08.11.2021

Elisabeth Pähtz
Den Titel "Großmeisterin" hat Schachspielerin Elisabeth Pähtz schon seit 20 Jahren. (Elisabeth Pähtz)
Elisabeth Pähtz ist die erste Deutsche, die den Titel "Großmeister" erhält, die 40. Frau weltweit. Offiziell steht noch eine Normenprüfung aus, wenn diese durch ist, dann ist der Titel auch offiziell.
Elisabeth Pähtz zeigt damit ihre Ausnahmestellung im deutschen Schach. Die notwendigen Punkte holte die 36-Jährige beim WM-Vorausscheidungsturnier in Riga für das Duell gegen die Weltmeisterin Ju Wunjun. Dabei holte sie gegen die Kasachin Bibisara Assaubajewa in der letzten Runde den erforderlichen Sieg. Dass sie nun Großmeister ist, freut Elisabeth Pähtz zwar, aber:
"Ehrlich gesagt, war das für mich jetzt nicht das Wichtigste bei dem Turnier, sondern es ging mir vielmehr darum, mich zu qualifizieren für den Grand-prix. Das ist eine Serie von sehr starken Frauenrunden-Turnieren, wo man sich auch für das Kandidaten-Turnier qualifizieren kann und das war eigentlich meine Priorität."
Und dabei ist sie nun ein gutes Stück weitergekommen, das Turnier schloss sie als Zweite ab und ist damit qualifiziert für weitere Kandidatinnenturniere. Viele werden sich fragen, warum wir nicht Großmeisterin sagen und der Grund ist: Das sind zwei unterschiedliche Titel.

Titel mit unterschiedlich hohem Prestige

Um Großmeisterin zu werden, brauchen Schachspielerinnen deutlich weniger Elo-Punkte – die Bewertungszahl, die die Spielstärke angibt – als für den Titel Großmeister. Und Großmeisterin ist Elisabeth Pähtz schon seit 20 Jahren.
"Gut, das sind einfach zwei verschiedene Titel, der eine ist der weibliche Titel, den man damals eingeführt hat. Ich würde vermuten: Einfach, weil es sich finanziell eben für den Weltschachverbund gelohnt hat. Weil mit jedem Titel, den man hat und den man beantragt, bekommt die FIDE, also der Weltschachverband, Geld."
Der Unterschied zwischen Großmeisterin und Großmeister sind 200 Elo-Punkte, was eine große Differenz ist. Elisabeth Pähtz hat in der aktuellen Liveliste 2.504 Punkte.
Der Titel Großmeister ist sehr viel prestigeträchtiger, es ist der höchste auf Lebenszeit verliehene Titel, den Schachspielerinnen und –spieler erringen können. Derzeit sind es weltweit 1.700, davon 40 Frauen.

Frauen sind im Schach zahlenmäßig unterlegen

Warum die Diskrepanz zwischen Frauen und Männern so groß ist und warum es überhaupt eigene Frauenturniere gibt, wo die Physis doch keine Rolle spielt, darüber wird schon lange diskutiert. Elisabeth Pähtz findet:
"Dadurch, dass es getrennt wird, unterstellt man den Frauen, dass sie weniger intelligent wären als Männer. Ich will das aber jetzt nicht so definieren, weil es gibt keinen Grund, warum Männer besser sind als Frauen im Schach, deswegen gibt es keinen Grund, warum man Frauenschach und Männerschach trennen sollte."
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Die Diskrepanz erklärt sich u.a. darin, dass Frauen weltweit zahlenmäßig unterrepräsentiert sind. Im deutschen Schachbund gibt es beispielsweise rund 88.000 Mitglieder, weniger als ein Zehntel ist weiblich. Und auch bei der Förderung sind Frauen nicht gleichgestellt:
"Es ist einer der Gründe, aber nicht der einzige. Es gibt auch soziale Unterschiede in der Förderung, wo ich immer noch sage, dass auch heute Frauen und Männer nicht gleichberechtigt sind. Dass da die Förderung teilweise im jungen Alter eine andere ist bei den Männern oder eben höher gewichtet wird, dass der Junge gut wird im Schach als das Mädel", sagt Pähtz.
Mit der Ungarin Judit Polgar gelang es 2007 einer Frau in das Kandidatenturnier zur damaligen Weltmeisterschaft. Mit dem erst 16 Jahre alten Vincent Keymer und seinem fünften Platz unter mehr als hundert Großmeistern ist er nun die jüngste deutsche Nummer eins in der Live-Weltrangliste.