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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Wir machen unverzichtbare Arbeit für die Gesellschaft"09.03.2018

Schäfer fordern Weideprämie"Wir machen unverzichtbare Arbeit für die Gesellschaft"

"Wir Schäfer sind sehr stark in Bedrängnis", sagte der Vorsitzende des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg Knut Kucznik im Dlf. Seine Zunft leiste agrarökologische Dienste wie zum Beispiel Brandschutz für Städte - ohne angemessene Entlohnung. Deswegen fordert er eine sogenannte Weideprämie.

Knut Kucznik im Gespräch mit Britta Fecke

Schafe grasen bei Buttenhausen (Kreis Reutlingen) im Naturschutzgebiet (Foto vom 19.08.2008) (dpa / Stefan Puchner)
Der Wolf sei aktuell nicht das größte Problem, mit dem Schäfer zu kämpfen hätten, sagte Knut Kucznik im Dlf (dpa / Stefan Puchner)
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Britta Fecke: Heidelandschaften, offene Flächen mit Wacholdersträuchern und Heidekraut, sind nicht nur bei Spaziergängern beliebt, sondern auch sehr wichtig für Wärme liebende Tierarten. Viele seltene und geschützte Schmetterlingsarten sind nur noch in der Heide oder in ökologisch bewirtschafteten Weinbergen zu finden. Dass die Heideflächen erhalten bleiben und nicht zuwachsen, liegt an der Beweidung durch Schafe. Ohne sie würde die offene Landschaft wieder zum Wald. Schäfer sind also Landschaftspfleger und wie es aussieht, kämpfen sie um ihre berufliche Existenz. Ich bin nun verbunden mit Schäfermeister Knut Kucznik, Vorsitzender des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg. Herr Kucznik, Sie sind gerade bei der Schafbockversteigerung in Dettelbach bei Würzburg. Haben Sie schon einen Bock für Ihre Herde ersteigert?

Knut Kucznik: Ich habe leider noch nicht den Richtigen gesehen. Heute werden nur die Böcke gekürt, sodass wir uns die erst mal alle angucken, und morgen weiß man dann, auf welche man bietet.

Fecke: Sie haben in Brandenburg mit Wölfen zu tun. Dennoch fordern Sie als Schäfer nicht die generelle Bejagung und den Abschuss der Wölfe. Das hat mich gewundert. Warum?

Kucznik: Weil man nicht genau weiß, welcher Wolf der richtige ist, den man dann bei einer generellen Bejagung erschießt. Grundsätzlich sind wir Hirten nicht mit den Wölfen befreundet. Die fressen wohl Schafe und bringen uns auch Mehraufwand in Größenordnungen. Allerdings wenn ein Rudel in der Nähe einer Schäferei gelernt hat, dass die Zäune Strom führen und in den Schafen Hunde sind, die ihre Schafe beschützen, dann führt das wohl dazu, dass die Wölfe diese Schafe nicht mehr angreifen. Und wenn jetzt ein irrer Jäger gerade die Leitfähe aus diesem Rudel abschießt, weil praktisch 51 Tiere zu viel sind und 50 dürfen nur sein, dann gerät das ganze Rudel durcheinander und die fangen wieder neu an auszutesten, ob meine Schafe dann doch vielleicht Wild wären, was sie fressen könnten.

Fecke: Wenn nicht der Wolf das größte Problem des Schäfers ist, was bedroht denn den Beruf des Schäfers dann?

Kucznik: Uns bedroht ganz klar, dass die agrarökologischen Dienstleistungen, die meine Vorrednerin so toll beschrieben hat, nicht angemessen entgolten werden. Auf unseren extensiven Weideflächen können die Insekten wie Bienen, die Wildkräuter überleben. Auf unserem Land wird Trinkwasser generiert. Wir sorgen dafür, dass die Deiche stabil bleiben, dass keine Lawinen in den Bergen abgehen. Wir sind diejenigen, die Brandschutz machen um die Städte herum. Wir machen unverzichtbare Arbeit für die Gesellschaft, die wir aber leider niemandem in Rechnung stellen können. Dann kommt der Wolf natürlich oben noch drauf. Das führt dazu, dass wir Schäfer sehr, sehr stark in Bedrängnis geraten derzeit.

"Es wäre ein Baustein, dass es der Schafhaltung besser gehen"

Fecke: In der Diskussion ist eine Weidetierprämie, die in anderen europäischen Ländern gezahlt wird. Würde Ihnen die hier in Deutschland helfen?

Kucznik: Es wäre ein Baustein, dass es der Schafhaltung besser gehen würde als jetzt. Gerade die Europäische Union erlaubt diese Maßnahme. Die deutsche Politik verweigert sich total, ohne jeglichen Grund. Das ist unglaublich und deshalb machen wir die derzeitige Bundesregierung darauf aufmerksam. Am 13. März in Berlin wird es eine Demonstration geben. Übrigens bis zum 27. April, wenn die Agrarministerkonferenz von Deutschland tagt, werden wir Schäfer auf allen Kanälen Druck machen, um zu erklären, eine Weidetierprämie würde zumindest eine Einkommenssicherheit für uns Schäfer schaffen.

Fecke: Vielen Dank für diese Erläuterungen. – Ich habe gesprochen mit Schäfermeister Knut Kucznik. Er ist gerade auf der Schafbockversteigerung in Dettelbach.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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