Mittwoch, 17. April 2024

Zivilschutz an Schulen
Sollen unsere Kinder den Kriegsfall üben?

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger hat vorgeschlagen, Schülerinnen und Schüler besser auf einen möglichen Krieg vorzubereiten. Sind Zivilschutzübungen an Schulen sinnvoll? Die Argumente dafür und dagegen.

21.03.2024
    Langer Gang in einer Schule, an der Seite hängen Jacken an der Wand, in der Ferne sind verschwommen zwei Kinder zu sehen.
    Lernort Schule: Soll das Verhalten im Krisenfall künftig öfter auf dem Lehrplan stehen? (IMAGO / Political-Moments)
    Wissen wir, was wir tun müssen, wenn ein Krieg ausbricht? Und müssen Kinder und Jugendliche darauf vorbereitet werden? Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) meint ja und sieht die Schulen in der Verantwortung. Sie verweist dabei auf Großbritannien. „Dort gehören Übungen für den Katastrophenfall an Schulen zum Alltag. Davon können wir lernen“, sagte sie der Funke Mediengruppe.
    Junge Menschen müssten die Bedrohungen der Freiheit kennen und mit den Gefahren umgehen können. Doch die Initiative wird durchaus kontrovers diskutiert.

    Inhalt

    Wer unterstützt Stark-Watzingers Initiative?

    Der Deutsche Lehrerverband reagierte mit verhaltener Zustimmung auf die Äußerungen der Bundesbildungsministerin. Grundsätzlich verstehe er das Anliegen, sagt Verbandspräsident Stefan Düll. So müsse man sich mit den Kindern und Jugendlichen systematisch damit auseinandersetzen, welche Herausforderungen die kommenden Jahre bringen würden, wie Naturkatastrophen. „Aber grundsätzlich zu sagen: 'Wir machen Zivilschutzübungen.' Das sehe ich nicht so.“
    Stefan Düll würde sich eher wünschen, dass Menschen verstärkt bei der Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk oder ähnlichen Organisationen tätig werden. Dort gebe es einen großen Nachwuchsmangel. „Dann wäre schon viel gewonnen.“
    Auch die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Christine Streichert-Clivot (SPD), spricht sich dafür aus, Schülerinnen und Schüler umfassend auf Krisen vorzubereiten, und hat dabei unter anderem Pandemien, Kriege, Naturkatastrophen und den Klimawandel im Blick.

    Welche Argumente werden gegen den Vorstoß vorgebracht?

    Hauptargument gegen den Vorschlag Stark-Watzingers ist die Sorge, dass Zivilschutzübungen an Schulen zu Angst bei den Schülerinnen und Schülern führen könnten. „Wenn man jetzt mit Blick auf Russland deutlich mehr fordert, dann kommt man schnell in einen Bereich: Was tue ich, wenn Bomben fallen. So ein von oben vorgegebenes Angstszenario möchten wir als Eltern nicht“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Bundeselternrats, Claudia Koch, dem Nachrichtenportal zdfheute.de.
    Ähnlich äußerte sich CDU-Politiker wie die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien oder der Bildungspolitiker Thomas Jarzombek. „Wir müssen unsere Kinder schultüchtig machen und nicht kriegstüchtig", sagte er in der „Bild am Sonntag“. Auch Kai Gehring (Grüne), Vorsitzender des Bildungsausschusses im Bundestag, warnte vor „Angstmacherei mit Kriegsrhetorik“.

    Wird der Zivilschutz an deutschen Schulen bereits thematisiert?

    Ja, Lehrkräfte bekommen Unterrichtsmaterialien zum Katastrophenschutz, es gibt Aktionstage und Besuche bei der Feuerwehr oder beim Technischen Hilfswerk.
    Hanno Thomas, Bereichsleiter Medizin beim Bundesverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), sagt, in Sachen Selbstschutz sei in Deutschland eine Lücke entstanden, „die wir jetzt wieder mühsam schließen müssen“. Der Schutz der Bevölkerung sei nicht mehr so gegeben, „wie wir uns das eigentlich wünschen“.

    Mit Kindern über Gefahren sprechen

    Die DLRG besucht deswegen Schulen, um dort mit Kindern und Jugendlichen Gefahrensituationen durchzusprechen. Von den Schulbesuchen erhofft sich der Experte auch Multiplikatoreffekte – indem die Kinder und Jugendlichen nach Hause gehen und mit ihren Eltern über ihr neues Wissen sprechen. Damit kämen dann die Eltern ins Grübeln, ob sie gut genug auf einen Ernstfall vorbereitet seien, so Thomas.

    ahe, jad