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StartseiteCampus & Karriere"Werben, um gute Lehrer zu bekommen"13.11.2018

Schulpolitik in Bayern"Werben, um gute Lehrer zu bekommen"

5.000 neue Lehrer sollen in den nächsten fünf Jahren in Bayern eingestellt werden, so der neue Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) im Dlf. Auch Zweitqualifizierungen für Lehrer seien ein Mittel gegen die Lehrernot. Neuen Strukturdebatten, etwa über längeres gemeinsames Lernen, erteilte er eine klare Absage.

Michael Piazolo im Gespräch mit Markus Dichmann

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Michael Piazolo (FW), Staatsminister für Unterricht und Kultus, bei der Vereidigung des bayerischen Kabinetts im bayerischen Landtag am 12.11.2018. | Foto: Tobias Hase/dpa | Verwendung weltweit (dpa / Tobias Hase)
Es gebe genügend Arbeit in seinem Ressort, so der neue bayerische Kultusminister Michael Piazolo (dpa / Tobias Hase)
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Markus Dichmann: Ein neues Kabinett, gestern vereidigt und bis eben noch zusammengesessen. Bayern hat eine neue Landesregierung, und Teil dieser neuen Regierung ist auch der erste bayerische Kultusminister, der nicht von der CSU kommt. Er heißt Michael Piazolo, ist von den Freien Wählern und ist jetzt zu Gast bei uns in "Campus & Karriere". Ich grüße Sie, Herr Piazolo!

Michael Piazolo: Ich grüße Sie auch!

Dichmann: Spannende Position, die Sie da haben, finde ich, als Juniorpartner in der Koalition, aber mit einem Ressort, das so viel Gestaltungsspielraum hat wie kaum ein anderes auf Länderebene. Wie viel trauen Sie sich da zu für Ihre erste politische Station?

Piazolo: Natürlich ist es sehr, sehr spannend und auch sehr wichtig. Jeder war mal in der Schule oder ist in der Schule und kann mitreden, insofern ist es ein Ressort, das auch eine Öffentlichkeitswirksamkeit hat, das aber auch sehr wichtig ist für die Gesellschaft, für die Zukunft. Wir prägen junge Leute, wir wollen ihnen etwas auf den Lebensweg mitgeben, und da habe ich hohen Respekt vor diesem Amt und gehe es demütig an.

Wahlkampfversprechen: 5.000 neue Lehrer

Dichmann: Dann reden wir mal drüber, was es so zu tun gibt. Als Erstes, ganz dringend und drängend, haben Sie zum Beispiel schon 5.000 neue Lehrer angekündigt einzustellen, denn Bayern leidet wie praktisch alle Bundesländer unter akuter Lehrernot. Nur, wo sollen die herkommen?

Piazolo: Ja, wir haben uns das vorgenommen im Koalitionsvertrag für die nächsten fünf Jahre und müssen das jetzt auch im Haushalt hinterlegen diese Stellen, das ist sehr wichtig. Bayern hat den Vorteil, dass Menschen zuziehen, wir haben viele Kinder und insofern auch viele Schüler - und da braucht es mehr Lehrer. Sie haben vollkommen recht, es ist nicht ganz so leicht, insbesondere im Grund- und Mittelschulbereich fehlen Lehrer, etwas besser schaut die Situation in der Realschule und dem Gymnasium aus. Und hier gibt es schon auch die Möglichkeit der Zweitqualifizierung, dass man Realschul- und Gymnasiallehrer, junge Lehrer, auch noch mal qualifiziert für den Mittel- und Grundschulbereich, das werden wir tun. Und ansonsten muss man werben, um gute Lehrer zu bekommen.

Dichmann: Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk haben Sie vor dem Wahlkampf oder während des Wahlkampfs eigentlich auch betont, wie wichtig Ihnen die berufliche Bildung in Bayern sei und dass da noch zu wenig getan werde. Wo genau liegt denn das Problem?

Piazolo: Ja, es ist so, dass natürlich sehr, sehr viele glauben, das Alleinseligmachende ist das Studium. Und das ist auch natürlich verständlich, dass viele einen möglichst hohen Abschluss haben wollen. Aber wenn man sich dann auch viele Berufskarrieren anschaut, dann kann man konstatieren, dass die berufliche Ausbildung häufig sogar weiter führt, eine gute Lehre, die Möglichkeit einen Meister zu machen, in den Facharbeiterbereich hineinzugehen. Da gibt es bei uns sehr, sehr gute Chancen und da müssen wir noch mehr bei den Schülern - aber auch den Eltern - werben für diese berufliche Schiene. Das möchte ich in nächster Zeit tun und hoffe, dass wir da auch Erfolge erzielen.

"Bayerisches Schulsystem steht gut da"

Dichmann: Reden wir doch mal über Dinge, die Sie nicht wollen, zum Beispiel sagen Sie, dass Sie keine großen Strukturdebatten über das Schulsystem haben wollen. Das sei so, wie es ist, mehrgliedrig, gut und soll bitte auch so bleiben. Das Konzept Gemeinschaftsschule oder längeres gemeinsames Lernen, wie es viele Experten ja aber fordern, lehnen Sie ab. Warum?

Piazolo: Das ist auch meine Erfahrung aus der Debatte jetzt über G8, G9, die wir ja auch als Freie Wähler ganz aktiv mit angestoßen haben, dass so etwas, jede Strukturdebatte, sehr viel Zeit braucht, sehr viel Kraft kostet. Und wenn wir jetzt in Bayern in eine solche Strukturdebatte einsteigen würden, dann würde uns das garantiert fünf oder zehn Jahre lähmen. Das bayerische System, das Schulsystem, das zeigen die Vergleichstests, steht gut da. Und deshalb will ich diese Debatte überhaupt nicht führen, sondern darüber nachdenken, wo man Rahmenbedingungen verbessern kann, welche Stellschrauben man drehen kann. Es gibt eine ganze Reihe von Herausforderungen, wir müssen uns Gedanken machen über die Oberstufenreform, über das neue G9, wir müssen darüber nachdenken, wie wir Inklusion noch besser gestalten können, wir müssen über Digitalisierung reden, das auf den Weg bringen, Schulbauten ist ein ganz großes Thema. Also es gibt so viele große Themen auch in der jetzigen Bildungspolitik, dass wir jetzt nicht Strukturdebatten führen müssen.

"Keine Aufweichung" beim Kooperationsverbot

Dichmann: Etwas Zweites, dass Sie nicht so gerne mehr sehen wollen, ist das Kooperationsverbot. Und da muss man sagen, schwimmen Sie schon gegen den Unionsstrom, also gegen den Strom Ihres Koalitionspartners in Bayern. Denn zum Beispiel einer Ihrer Vorgänger als bayerischer Kultusminister, Ludwig Spaenle, der hat auch hier bei uns in "Campus & Karriere" immer wieder das Kooperationsverbot verteidigt.

Piazolo: Ja, wir haben es ja auch in den Koalitionsvertrag hineingeschrieben, dass wir sagen, wir wollen hier keine Aufweichung. Also, das ist jetzt die Linie von beiden Partnern, von CSU und Freien Wählern. Da spricht auch einiges dafür, dass wir sagen, wir haben in Bayern ein gutes Schulsystem, da wollen wir jetzt nicht über die Aufweichung des Kooperationsverbotes einen Einheitsbrei.

Dichmann: Bei all den Problemen, die Sie eben angesprochen haben, Digitalisierung, Lehrermangel und so weiter, da wären doch Gelder aus dem Bund dringend nötig.

Piazolo: Selbstverständlich, das Kooperationsverbot verhindert auch nicht, dass Gelder aus dem Bund nach Bayern fließen, das lässt sich machen, auch nach der jetzigen Regelung. Und was sicherlich auch sinnvoll ist, ist im Rahmen von einer Kultusministerkonferenz darüber zu sprechen, wie weit die Abschlüsse natürlich vergleichbar sind, wie weit man auch die eine oder andere Abiturprüfung gemeinsam gestaltet. Das gibt es jetzt schon, aber wir wollen schon im Rahmen des Föderalismus unser bayerisches Schulsystem selber bestimmen können und deshalb werden wir da auch weiter hier an dieser Grundgesetzregelung festhalten.

Dichmann: Ein Ressort, das Ihnen jetzt aber nicht zugestanden wurde, Herr Piazolo, ist das Wissenschaftsministerium. Das war zuvor in Bayern noch in einer Hand, jetzt ist es aber gesplittet worden - und das, obwohl Sie vorher ja durchaus als jemand bekannt waren, der eine Menge Ideen auch für den Hochschulsektor hat. Ärgert Sie diese Entscheidung da eigentlich?

Piazolo: Nein, die Entscheidung ist schon länger gefallen, vor jetzt acht Monaten mit dem ersten Kabinett von Markus Söder. Ich habe die für richtig empfunden schon damals, weil beide Ressorts zusammen in einer Hand zu haben, ist möglich, aber sehr, sehr schwierig. Es stehen so viele Themen in beiden Fachbereichen an, dass es Sinn macht, die Häuser so wie jetzt geteilt zu lassen. Es gibt genügend Arbeit für beide Ressortchefs und auch die Kollegin, die Staatssekretärin. Also insofern ist das gut. Natürlich kenne ich auch das andere Haus und verfolge das interessiert, was dort passieren wird, und werde mich auch da mit dem Kollegen sicherlich auch ausstauschen.

Dichmann: Kultusminister in Bayern, Michael Piazolo, von den Freien Wählern in Campus & Karriere im Gespräch. Ich danke Ihnen, Herr Piazolo!

Piazolo: Dankeschön!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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