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StartseiteCampus & KarriereJudentum erklären als Doppelstunde21.01.2019

Schulprojekt gegen AntisemitismusJudentum erklären als Doppelstunde

Wie feiert man eigentlich Schabbat, was genau ist eine Mesusa und wieso darf man eine Thora nicht mit bloßen Händen anfassen? All diese Fragen will Ari Rosen aus Jerusalem deutschen Schülerinnen und Schülern in Köln beantworten. Die Fragen sind vielfältig – von Homoehe bis Elektroautos.

Von Friederike Müllender

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Im Unterricht werden wichtige Gegenstände aus dem Judentum ausgebreitet (Deutschlandradio / Friederike Müllender)
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Ari Rosen heute Morgen um kurz nach acht in der Aula des Gymnasiums Kreuzgasse in Köln. Eine Woche lang ist er in Köln unterwegs und erzählt in einer besonderen Doppelstunde von seiner Kultur und seinem Glauben. Im Gepäck hat er eine wichtige Botschaft:

"Ich glaube, es ist gerade in den Schulen sehr notwendig und gerade heute mehr als je, Judentum zu vermitteln und gegen Antisemitismus anzukämpfen. In Deutschland weht ein Wind, so bekommen es meine jüdischen Freunde mit, zum Beispiel in Frankfurt, dass man das Schimpfwort ‚Jude‘ auf dem Schulhof schon hier und da mal hört, dass viele jüdische Schüler sich nicht mehr als Juden outen, wegen der Diskriminierung."

Koffer mit Kulturgegenständen

Seit Jahren engagiert sich der 48-Jährige gemeinsam mit seiner Mutter, der Schriftstellerin Lea Fleischmann, für Völkerverständigung. Gemeinsam haben sie die Organisation "Kulturelle Begegnungen" gegründet. Für seine Doppelstunde in Köln hat er extra einen Koffer mit Kultgegenständen dabei - kurz bevor es los geht, baut er alles für die Schülerinnen und Schüler auf.

"Hier haben wir das Schabbat-Deckchen, damit werden die Schabbat-Brote abgedeckt, hier hab ich auch zwei Schabbat-Leuchten mitgebracht, hier sind Nelken drin - an dieser Büchse reicht man wenn der Schabbat zu Ende ist."

Vorträge zu halten und kulturelle Begegnungen zu ermöglichen, ist Ari Rosens Beruf. Sowohl in Deutschland als auch in Israel. Seine Mutter, Lea Fleischmann, hat für ihr Engagement für die deutsch-israelischen Beziehungen vor zwei Wochen sogar das Bundesverdienstkreuz erhalten.

fznor (Deutschlandradio / Friederike Müllender)Ari Rosen aus Jerusalem beantwortet deutschen Schülerinnen und Schülern in Köln Fragen zum Judentum (Deutschlandradio / Friederike Müllender)

"Wenn ich den Vortrag halte, dann sieht man erst mal, ein Jude sieht ja ganz normal aus. Juden müssen also keine große Hakennase haben und können aussehen wie ganz normale Menschen und allein die Begegnung selber, bewirkt schon viel."

Heute haben sich 70 Schülerinnen und Schüler in der Aula versammelt. Die Geschichtsleistungskurse und die Religionskurse der 7. bis 9. Klasse. Eine gute halbe Stunde erzählt Ari Rosen, danach dürfen die Schülerinnen und Schüler Fragen stellen und davon haben sie jede Menge:

"Man darf ja kein Feuer anmachen, aber gibt’s denn fürs Kerzenanmachen, eine Ausnahme?"

"Was sagen sie zur Homo-Ehe, was sagt da die Religion dazu?"

Ziel: Vorurteile abbauen

"Sie haben ja gesagt, man darf keine Verbrennungsprozesse in Gang setzen, wie ist das mit Elektroautos?"

Freundlich und besonnen beantwortet Ari Rosen jede einzelne Frage, dabei ist ihm eines ganz wichtig:

"Wir versuchen die Gemeinsamkeiten der Religionen zu betonen und wir versuchen für Verständigung zu sorgen. Es braucht den Austausch und es braucht die Begegnung."

Mit Austausch und Begegnung dem Antisemitismus etwas entgegen zu setzen, ob das klappt, darüber diskutieren Daniel und Patrizia im Anschluss an die Veranstaltung:   

"Ich denke es kann helfen, aber ich denke nicht, dass es das komplett verhindert, weil Leute, die antisemitisch sind oder etwas hassen, die werden dadurch nicht ihre Meinung ändern."

"Ich würde sagen, dass es hilft. Weil ich gerade hier in Köln erstaunt war, dass vor Synagogen immer ganz viele Polizisten sind und das hat mich so erschrocken, weil ich nicht wusste, dass das immer noch so groß ist. Ich finde es ist wichtig, dass man diesen kulturellen Austausch hat, weil durch Berührungen Vorurteile abgebaut werden können."

Auch Lilly und Sophia gehören zum Geschichtsleistungskurs, ihnen hat diese besondere Doppelstunde gut gefallen:

"Ich hatte die Gegenstände vorher noch nie gesehen und auch noch nie angefasst. Ich hab einen Kumpel der ist jüdisch, da krieg ich aber nicht viel mit, ich weiß nur, dass er ein paar Feste feiert."  

"Man kommt dem auch näher als im normalen Unterricht, weil die Lehrer auch meistens nicht jüdisch sind und sie vermitteln auch nur das Wissen, das sie aus Büchern gelernt haben."

Die Schülerinnen und Schüler dürfen sich nicht nur die Gegenstände aus nächster Nähe anschauen und Fragen stellen - zum Abschluss bringt ihnen Ari Rosen, noch ein Lied bei.

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