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StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenOb Märtyrer, Gerichts- oder Zeitzeuge22.05.2014

Schwerpunktthema Ob Märtyrer, Gerichts- oder Zeitzeuge

Die FU Berlin befasst sich in einer Vorlesungsreihe mit dem Phänomen von Zeugenschaft

Zeugen sind Schlüsselfiguren, wenn es darum geht zu verstehen, woher wir unser Wissen beziehen, wie wir Informationen vermitteln und wie wir miteinander kommunizieren. Und doch gibt es ganz verschiedene Formen von Zeugenschaft.

Von Eva-Maria Götz

12.03.1999, Berlin / Spandau: Es hat lange gedauert, bis der Potsdamer Willi Frohwein über Auschwitz reden konnte. Auf dem Glastisch hat er Fotos aus seiner Vergangenheit ausgebreitet.  (picture alliance / Berliner_Verlag / Karl Mittenzwei)
Ein Zeuge schrecklicher Zeit: Es hat Jahrzehnte gedauert, bis der Potsdamer Willi Frohwein über Auschwitz reden konnte (picture alliance / Berliner_Verlag / Karl Mittenzwei)

"Lucretia, das wird von Livius in seiner römischen Geschichte überliefert, ist vergewaltigt worden, das ist eine absolute Ehrverletzung, sie gehörte einer noblen römischen Familie an, ist von einem Sohn der herrschenden Familie vergewaltigt worden und ruft nun ihren Vater und ihren Ehemann, führt vor diesem Forum der Familie für sich selber Gericht, und ersticht sich. Und sagt, dass ihr Tod Beweis ist, also Zeuge, für ihre Reinheit."

Mehr Dramatik als in der Legende, die Sigrid Weigel, Professorin am Berliner Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, hier erzählt, ist fast nicht möglich. Ein Täter, ein Opfer, der kriminelle Akt, verübt in einer intimen, weitere Zeugen ausschließenden Situation. Die Aussage des Opfers vor dem engsten Familienkreis und schließlich: der Selbstmord als schockierender, finaler Beweis für erlittene Leiden. Doch Lukretias Geschichte steht nicht nur für eine private Tragödie:

"Die zweite Szene dieser Geschichte, die wird so erzählt, dass Brutus- also die schleppen die Leiche aufs Forum in die Öffentlichkeit, Brutus nimmt den Dolch aus dem Körper, den blutenden Dolch, hält ihn hoch, ruft die Götter an und sagt: Hier, das ist der Beweis für die Tyrannei und damit beginnt der Aufstand. Und das ist die Gründungsgeschichte der römischen Republik."

Derjenige, der Zeugnis ablegt, führt eigentlich auch Klage

Vor der größtmöglichen Öffentlichkeit, vor Menschen und Göttern unter freiem Himmel, wird die Leiche zur Schau gestellt, um eine unaushaltbare politische Situation in aller Drastik zu bezeugen und dadurch eine Revolution herauf zu beschwören.  Lukretia ist durch ihr Martyrium zur einer der ersten uns bekannten Zeugin geworden und zwar im wörtlichen Sinne, denn "martys", ein Begriff aus dem Altgriechischen heißt: Zeuge.

"Derjenige, der Zeugnis ablegt, führt eigentlich auch Klage im selben Moment. Also das ist eine ganz andere Geste, hat etwas mit Ethik zu tun, auch mit zwischenmenschlichen Konstellationen und häufig mit Katastrophenerfahrungen."

"Der Zeuge ist eine Instanz der Wissensvermittlung."

Sybille Krämer, Professorin für Philosophie an der Freien Universität Berlin und eine der Initiatorinnen der Vorlesungsreihe "Zeugnis ablegen".

"Der Zeuge ist eine Instanz der Wissensvermittlung, das heißt, er hat wahr zu sprechen."

Diese Form der Zeugenschaft fällt unter den Begriff "testis". Im Gegensatz zu "martys", dem Märtyrer, der durch sein erlebtes Leid für eine Sache einsteht, sich selbst zum Beweis macht.

"Da wird meistens an den Überlebenszeugen gedacht, der eine ethische Dimension verkörpert, der die Erinnerung an die Katastrophen wachhält, kurzum, der eine ethisch-politische Figur ist, und jene Literatur, die sich mit dem Zeugen-Wissen befasst, nimmt nahezu keine Notiz von diesen ethischen Dimensionen der Zeugenschaft und unser ausgesprochenes Ziel ist, ein Konzept von Zeugenschaft zu entwickeln, das von Anbeginn und in Keimform das Zusammenspiel von ethischen und erkenntnistheoretischen Problemen birgt."

Die Bereitschaft zu berichten macht einen Zeugen aus

Zeugen sind Schlüsselfiguren, wenn es darum geht zu verstehen, woher wir unser Wissen beziehen, wie wir Informationen vermitteln und wie wir miteinander kommunizieren. Der kleinste gemeinsame Nenner der unterschiedlichen Spielarten von Zeugenschaft:

"Der Zeuge ist zuerst einmal dabei gewesen in einer Situation, sei es durch Zufall, oder vielleicht auch der Journalist, der ein Krisengebiet aufsucht, also motiviert und absichtsvoll. Insofern gibt es immer einen Zeitenbruch zwischen dem Ereignis, bei dem der Zeuge leiblich anwesend war, er war Teil dieses Ereignisses, er ist die Spur dieses Ereignisses in seiner Körperlichkeit und andererseits dem Auditorium, dass nicht dabei sein konnte, weil es in der Vergangenheit liegt und irreversibel vorbei und vergangen ist."

Doch dass jemand bei einem Ereignis anwesend war, macht ihn umgekehrt noch nicht automatisch zum Zeugen. Dazu macht ihn erst seine Bereitschaft, zu berichten.

"Man sagt immer: 'Der Zeuge spricht' oder die 'Zeugenaussage'. Aber immer wenn der Zeuge spricht, ist es im Grunde ein Antworten. Das kann ganz juridisch sein, Zeugen werden verhört, das kann aber auch das interessierte Auditorium sein, das mit seinen drängenden Fragen über die Vergangenheit an den Zeugen herantritt."

Die Beziehung zwischen dem Zeugen und seinen Zuhörern ist heikel. Kann man dem Gehörten Glauben schenken?

"Wenn man die unwiederbringliche Vergangenheit des Ereignisses bedenkt, die Möglichkeit der Lüge, die Möglichkeit der Falschwahrnehmung, dann ist klar, dass nur derjenige überzeugt, dem auch vertraut wird, dem geglaubt wird, und Glaubwürdigkeit und Authentizität des Zeugen ist eine ethische Haltung, die vom Publikum dem Zeugen gleichsam als eine Gabe angeboten wird."

Und damit das Publikum ihm glaubt, muss der Zeuge überzeugen. Sybille Krämer:

"Dann hat er diese private, subjektive Wahrnehmung in eine öffentliche, verstehbare Sprache einzukleiden. Und dies ist natürlich prekär, weil wir wissen, erstens hat das Grenzen, wir wissen, dass es kaum möglich ist, private Erfahrungen in Sprache umzusetzen,

Zeugen sind immer subjektiv

Glaubwürdigkeit und Authentizität sind etwas, was nicht gesagt werden kann, sondern nur gezeigt werden kann."

Zu subjektiv. - Das ist das Dilemma, das die Figur des Zeugen lange Zeit zu einer Randfigur machte. Zum Beispiel in der Philosophie.

"In der abendländischen Philosophie hat der Zeuge fast keine Rolle gespielt, wo es um Wissen ging, um Erkenntnis, da hat Zeugniswissen im Grunde keine Bedeutung,"

Dr. Sibylle Schmidt vom Institut für Philosophie der Freien Universität.

"Gemeint sind hier Dinge wie demonstrative Beweise, logische Evidenz, was wir dank unserer Schlussfolgerung einsehen können oder dass, was wir durch unsere eigenen Augen gesehen haben, und all das kann der Zeuge nicht bieten. Der Zeuge kann durch seine Aussage weder eine logische Schlussfolgerung uns nahelegen noch kann er uns durch seinen Bericht sehen lassen, was er gesehen hat."

Selbst vor Gericht spielten Zeugen bis ins 18. Jahrhundert hinein keine Rolle.

"Um das zu verstehen, muss man in der Geschichte ein wenig zurückgehen, da stand man nämlich dem Zeugen sehr skeptisch gegenüber, weil - die Gründe liegen auf der Hand - es eine subjektive Wahrnehmung ist, die der Zeuge vertritt, die dann noch mal durch einen zweiten Subjektivitätsfilter geht, nämlich durch den Subjektivitätsfilter des Richters."

Thomas Weitin, Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz

"Das heißt, alle Strafverfahren, Kapitalsachen werden nur nach Aktenlage entschieden und die Zeugen werden von dem Richter, der entscheidet überhaupt nicht in Augenschein genommen, sondern der entscheidet nur nach dem Lesen der Akten.

Dass man vor der Aufklärung ein schriftliches Verfahren hatte, lag nicht daran, dass man dumm war, im Gegenteil, man hatte gute Gründe dafür zu sagen, es ist doch besser, wenn der Richter seine Akten liest, dann ist er rational, dann ist er keinen Affekten ausgesetzt und dann trifft er eine gerechte Entscheidung."

Prostituierte galten als unzuverlässige Zeugen

Der alten Rechtsordnung setzte der Dichter Heinrich von Kleist in seiner Komödie "Der zerbrochene Krug" ein doppeldeutiges Denkmal- denn ab circa 1750, mit dem Beginn der Aufklärung, änderte sich die Rechtsauffassung.

"Die Aufklärung hat aber andere Werte, die sagt, Öffentlichkeit, Mündlichkeit, Partizipation, das sind unsere zentralen Werte und die wollen wir überall in der Gesellschaft und natürlich auch im Gerichtsverfahren durchsetzen. Und wenn wir das wollen, dann müssen wir diese problematische Seite der Affekte mitkaufen und dann müssen wir uns damit auseinandersetzen, wie wir damit umgehen. Man versucht ganz lange Zeit das Problem dadurch zu lösen, dass man Kataloge aufstellt von zuverlässigen und unzuverlässigen Zeugen, zum Beispiel bestimmte Berufsgruppen, ehemalige Soldaten, aber auch Prostituierte, die galten per se als unzuverlässige Zeugen und so versucht man objektive Kriterien für Zeugenschaft zu finden, das man bevor jemand etwas gesagt hat schon entscheiden kann, was diese Aussage gilt."

Das ging nicht lange gut, das Konzept war auch nicht wirklich überzeugend. Eine andere Idee musste her. Und die fand man im Theater. Das Drama wurde zum Vorbild für moderne Gerichtsverfahren.

"Weil das Drama, die Dramatisierung etwas ist, womit sich Juristen auseinandersetzen müssen, wenn sie das Gerichtsverfahren zu einer Art dramatischer Veranstaltung machen wollen. Wenn man aber zulässt, das Zeugen auftreten, hat man ein anderes Problem.

Dann hat man Menschen, Männer und Frauen, die erröten, die stottern, das heißt, der Richter ist plötzlich mit einem ganz großen Repertoire von Zeichen konfrontiert und muss sich fragen, was bedeuten diese Zeichen, die die Aussage begleiten?"

Warum errötet ein Zeuge? Warum stottert er? Hat er etwas zu verbergen? Fühlt er sich unwohl? Ist er aufgeregt? Oder kann man "so etwas" herstellen? Ist es "nur" ein theatralisches Mittel? Damit mussten sich Richter ab sofort beschäftigen- nicht immer freiwillig.

Zeuge im Mittelpunkt der Religionsgeschichte

In der Religionsgeschichte stand der Zeuge immer im Zentrum. Allerdings nicht in seiner Funktion als Wissensvermittler oder Informant. Sondern eben in der ethischen Dimension, als Mensch, der seine Erfahrungen, sein Erleben, sein Leben einbringt. Die Römerin Lukretia war das Vorbild, ihre Bereitschaft zum Tod als Beweis für ihre moralische Standfestigkeit wurde beispielhaft als gegen alle politischen Widerstände eine neue Religion in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte - das Christentum.

"Im zweite, dritten, vierten Jahrhundert sind die Märtyrer aufgetreten, als Phänomen, plötzlich dagewesen."

Sigrid Weigel vom Zentrum für Literatur- und Kulturforschung. In dem DFG- Forschungsprojekt "Zeugenschaft", das hinter der Vorlesungsreihe steht, tritt das ZfLK Berlin gemeinsam mit der Freien Universität als Kooperationspartner auf.

"Meist sind Leute denunziert worden, als Christen, man hat sie aufgefordert, den römischen Göttern zu opfern. Wenn sie sich geweigert haben, hat man sie interniert und man hat ihnen eine Bedenkzeit gegeben, wenn sie sich dann weiter geweigert haben, gab es ein öffentliches Verhör, auf einem Kataster, im Forum. Häufig hat sich das zu Religionsdisputen ausgeformt, weil die ihren Glauben verteidigt haben und wenn sie davon nicht abgelassen haben, gibt's diese regelrechte Confessio, also das Bekenntnis, und dann die Verurteilung zum Tierkampf in der Arena. Und da haben sie den Tod gefunden."

Das Leiden Christi wiederholte sich öffentlich. Und als sich das Christentum im vierten Jahrhundert unter Kaiser Konstantin etabliert hatte, wurden die Märtyrer zu Heiligen und zu Protagonisten der Kunst und Literatur. Wie der historische Jesus seinen Tod erlebt und ob er ihn, wie in den Evangelien berichtet, überwunden hat, dafür gab es keinen Beweis. Beglaubigt wurde die biblische Erzählung durch die Märtyrer.

"Wenn Sie sich mal christliche Heiligenbilder angucken, ist auffallend, wie stark das Leibliche, also die Martern des Körpers im Vordergrund stehen, das wird bebildert ohne Ende und diese unendliche Bebilderung der leiblichen Martern, treten an die Stelle dieses fehlenden Beweises."

"Wir sind die Letzten.
Fragt uns aus.
Wir sind zuständig."

Hans Sahl schrieb sein Gedicht "Die Letzten" im Jahr 1973, da waren aus den Überlebenden des Holocaust bereits gefragte Zeitzeugen geworden.

"Ich erinnere mich sehr gut, als hier in Berlin die große 750-Jahresfeier stattfand, da hat man zum ersten Mal vonseiten des Senats diese große Rückruf-Einladungsaktion gemacht, an noch lebende jüdische Berliner und Berlinerinnen, die man auf Kosten des Senats hierher eingeladen hat, ihre Heimatstadt, aus der sie 40,50 Jahre vorher vertrieben worden waren, zu besuchen,"

Professorin Irmela von der Lühe, Literaturwissenschaftlerin an der FU Berlin

"Und man hat sie eingeladen in die Schulen, man hat sie eingeladen zu Veranstaltungen, als Zeitzeuge aufzutreten und eine lebendige Vorstellung von der Vergangenheit zu vermitteln. Insgesamt ist unsere fast euphorische Haltung gegenüber der Institution der Zeitzeugen eine bedenkliche aus meiner Sicht, wir beuten sie aus, so wie Hans Sahl es in seinem Gedicht schon voraus geahnt hat."

Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen

Im Überlebenden des Holocaust zeigt sich die ganze Ambivalenz des Zeugenbegriffs. Denn zunächst waren die einstigen Opfer ausschließlich als Zeugen der Anklage vor Gericht geladen, wo sie mit ihren Peinigern konfrontiert und von deren Anwälten ihre Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen wurde, wenn sie sich an Tathergänge nicht exakt erinnern konnten. Von ihrem Leiden wollte man im Nachkriegsdeutschland nicht viel hören, nach ihrem individuellen Erleben wurde lieber nicht gefragt.

Unser Schicksal steht unter Denkmalschutz.
Unser bester Kunde ist das
schlechte Gewissen der Nachwelt.
Greift zu, bedient euch,
Wir sind die Letzten.
Fragt uns aus.
Wir sind zuständig.

"Was wir durch die Zeugen wissen, ist vor allem die existenzielle Dimension eines Wunsches zu überleben, im Blick darauf, dass die Überlebenden Zeugnis würden ablegen wollen und müssen, die fast eine metaphysischen, fast einen protoreligiösen Charakter annimmt. Wir müssen, ich muss überleben, damit ich bezeugen kann, was geschah."

Opferzeugen erst allmählich gehört

Erst allmählich wurde den Opferzeugen Gehör geschenkt. Filme wie Claude Lanzmanns "Shoa", den die Filmhistorikerin Gertrud Koch in den Mittelpunkt ihrer Vorlesung rückte, ebneten den Weg dorthin. Sybille Krämer:

"Im Opferzeugen kreuzen sich diese beiden Dimensionen von Wahrheit, die propositionale Wahrheit "Ich habe das und das gesehen" und die Wahrheit "Seht meine Narben, ich bin der einzige Überlebende".

Und wenn man sich damit auseinandersetzt, was ein Zeuge ist, muss man das immer in dem Spannungsfeld tun zwischen der Pflicht des Zeugen zum wahrsprechen und dem Recht des Zeugen, für die Toten zu sprechen. Aber diese beiden Pole kann man nicht gegeneinander ausspielen, sondern nur im Zusammenklang machen sie den Zeugen mit seinen Dilemmata aus."

Zu dieser besonderen ethischen Komponente des Überlebenden Zeugen gehört auch, dass es eine Verantwortung der Gesellschaft für dessen Aussagen gibt.

"Und die vielen Tausenden von videografierten Zeugnissen, die wir jetzt im Projekt der Spielberg-Foundation, das wir ja an der FU inzwischen zugänglich gemacht bekommen haben, das sind 55.000 lebensgeschichtliche Interviews in einer Länge zwischen zwei und acht Stunden, 55.000, und dann frage ich Sie, frage meine Disziplin, frage alle, die sich damit beschäftigen: Was machen wir eigentlich damit?"

Verantwortung der Gesellschaft als Voraussetzung

Es sei gut, dass es die Videobänder gäbe, meint Irmela von der Lühe, und nennt es einen " späten Akt des Widerstands gegen das Vernichtungsprogramm der Nationalsozialisten", das darauf zielte, alle Zeugnisse jüdischen Lebens auszulöschen.

"Das also selbst 50, 60, 70 Jahre später, Überlebende, die das als Kind erlitten haben, vor einer Videokamera oder vor einem Mikrofon ihre Geschichte erzählen, wie einfach, wie stotternd, wie eloquent auch immer, ist selbstverständlich ein später Triumph, über dieses Vernichtungsprogramm, das kann aber doch nicht heißen, als könnten wir damit umgehen, als wäre es eine Quelle wie jede andere auch?"

Dies ist eine von vielen Fragen, die im Laufe der Vorlesungsreihe und im weiteren Verlauf des Forschungsprojekts diskutiert werden. Sybille Krämer:

"Und ein ganz starkes Motiv unseres philosophischen Projektes ist, dass wir zeigen wollen, 95% unseres Wissens beruhen auf den Worten anderer. Wir können nicht die Wahrheit nachweisen, wann Caesar den Rubikon überschritten hat, wer tatsächlich unsere Eltern sind, wann wir geboren sind, wir sind umgeben, fast umstellt vom Wissen, von dem es klar ist, dass wir es nicht selber rechtfertigen und begründen können."

Unser Wissen gründet sich auf Zeugenaussagen, gründet sich auf das Vertrauen, das wir dem, was wir gehört, gelesen, auf Bildern gesehen haben, entgegenbringen.

"Dann muss man tatsächlich sagen, ist doch Erkenntnis und Wissen etwas, was man sich nicht als Robinsonade im Erwerb vorstellen kann. Das heißt also, auch als Erkennende sind wir keineswegs Einzelkämpfer, sondern kooperierende Wesen. Eine Erkenntnistheorie ist nur als eine soziale Theorie möglich."

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