Ukraine-Krieg
Selenskyj entlässt Armeechef Syrskyj und ernennt Nachfolger

Nach tagelangen Protesten in der Ukraine hat Präsident Selenskyj die Entlassung von Armeechef Syrskyj verkündet. Das Amt soll nun General Drapatyj übernehmen. Die Demonstranten dürfte das nicht zufriedenstellen. Sie fordern die Rückkehr des entlassenen Verteidigungsministers Fedorow.

    Oleksandr Syrskyj bei einem Treffen von Präsident Wolodymyr Selenskyj mit der neuen miltaerischen Führung am 10.02.2024 in Kiew.
    Oleksandr Syrskyj bei einem Treffen mit anderen Militärführern (Archivbild) (picture alliance / SvenSimon / Presidential Office of Ukraine)
    Hintergrund war dem Vernehmen nach eine Richtungsstreit in der Kriegsführung.
    Fedorow stand für viele Ukrainer für die Modernisierung einer von Bürokratie und Korruptionsvorwürfen belasteten Armee. Dem in Russland geborenen und in Moskau ausgebildeten Syrskyj war es nie gelungen, den Ruf eines Generals mit sowjetischer Mentalität abzulegen. Kritiker werfen ihm vor, Menschenleben auf die leichte Schulter zu nehmen. Dies hat ihm den Beinamen "Schlächter" eingebracht.

    Drapatyj: "Absolute Verantwortung"

    Künftig führt nun der 43 Jahre alte Generalmajor Drapatyj die ukrainischen Streitkräfte. Er bedankte sich in einem Facebook-Beitrag bei Selenskyj für seine Ernennung zum Armeechef. "Der Dienst für die Ukraine war für mich schon immer eine Ehre, und während des Unabhängigkeitskrieges bedeutet er absolute Verantwortung".
    Drapatyj hatte während des Donbass-Kriegs 2014 gegen die von Moskau unterstützten Separatisten gekämpft. Bekannt wurde er damit, dass er mit einem gepanzerten Mannschaftstransporter eine Straßensperre prorussischer Kräfte in Mariupol durchbrechen ließ. Damals konnte die Hafenstadt von der Ukraine verteidigt werden.
    Im Jahr 2024 half Drapatyj als Kommandeur, den russischen Einmarsch in das Gebiet Charkiw zu begrenzen. Später wurde er Befehlshaber der ukrainischen Bodentruppen. Von diesem Posten trat er 2025 zurück, weil beim Einschlag einer russischen Iskander-Rakete in eine Ausbildungseinheit zwölf Soldaten getötet worden waren. Er übernehme die Verantwortung dafür, dass im Heer Soldaten nicht genügend geschützt worden seien, erklärte er. Zuletzt befehligte Drapatyj eine Armeegruppe, die für die Verteidigung des Gebiets Charkiw zuständig ist.

    Weiter Demonstrationen für Rückkehr Fedorows?

    Fraglich ist nun, ob sich die Ukrainerinnen und Ukrainer, die gegen die Entlassung Fedorows protestiert hatten, mit dem Austausch des Armeechefs zufrieden geben. Nach Einschätzung von Beobachtern gibt es viele, die weiter die Rückkehr Fedorows verlangen und dafür erneut auf die Straße gehen könnten.
    Diese Nachricht wurde am 22.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.