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SerbienArbeiten im Billiglohnland

Serbien gilt auf dem Balkan als ökonomischer Musterschüler. Um einem drohenden Staatsbankrott zu entgehen, bog das Land vor Jahren auf einen radikalen Reform- und Sparkurs ab.

Von Dirk Auer | 11.04.2020

Eine Frau läuft durch einen Gang, der von Regalen gesäumt ist in einem türkischen Unternehmen in Serbien
Die niedrigen Arbeitslöhne in Serbien machen es für viele schwierig, von ihrem Einkommen zu leben. (picture alliance / AP / Darko Vojinovic)
Renten und Gehälter wurden gekürzt, zehntausende Beschäftigte in Staatsbetrieben entlassen, hunderte von Unternehmen privatisiert oder in die Insolvenz geschickt. Die Arbeitslosigkeit ist seitdem stetig gesunken, der Haushalt weist inzwischen sogar einen Überschuss auf.
Doch die Medaille hat Schattenseiten: Arbeitslöhne, die nicht zum Leben reichen, kaum eine rechtliche Absicherung der Beschäftigten und machtlose Gewerkschaften. Auch ausländische Investoren stehen wegen schlechter Arbeitsbedingungen immer wieder in der Kritik. Wie lebt es sich mit 300 Euro Monatslohn, Wochenendarbeit und unbezahlten Überstunden?
Die Erste-Hilfe-Abteilung eines Krankenhauses in Serbien
Marodes Gesundheitssystem
Misswirtschaft, Krieg, Korruption: Serbiens Gesundheitssystem ist marode und kaputtgespart. Das zeigt sich deutlich während der Covid-19-Pandemie. Und auch das Pflegepersonal und die Ärzte kehren dem Land den Rücken.
Postbote Branko Perišić bei der Arbeit
Das Geld reicht kaum zum Leben
Postzusteller in Serbien verdienen rund 330 Euro im Monat. Kredite abbezahlen und Schulden gehören zu ihrem Alltag. Die letzte Lohnerhöhung liegt schon 18 Jahre zurück. Auch deshalb gingen die Postler im vergangenen Jahr auf die Straße.
Milica Lupšor (re.) mit Volontärinnen
Ein würdevolles Gehalt für jede Frau
In Serbien arbeiten vor allem Frauen unter prekären Bedingungen, oft ohne Arbeitsvertrag und Krankenversicherung. Einige Arbeiterinnen machen mit Broschüren und Theaterstücken auf ihre Situation aufmerksam. Ein erster Schritt auf dem Weg zu einer gerechten Bezahlung.
Nemanja Pantović vor dem Arbeitermuseum „Trudbenik“
Zwangsräumungen in Serbien
Aufstieg und Fall des ehemaligen Baukombinats Trudbenik ist seit kurzem in einem Arbeitermuseum nachzuerleben. Gewürdigt werden vor allem die Arbeiter, die unzählige Wohnblöcke, Krankenhäuser und Schulen gebaut haben. Und denen nun die Zwangsräumung droht.
Branislav Markuš vor dem Firmengelände von Jugoremedija
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Die serbische Arzneimittelfirma "Jugoremedija" wurde 2002 privatisiert. Doch den Arbeitern gelang es, die Kontrolle über ihr Unternehmen zurückzugewinnen und die Produktion neu zu organisieren, selbstverwaltet und ohne Chef. Das Experiment dauerte fünf Jahre - und endete am Ende doch mit einer Niederlage.