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Premier League
Southampton und der serbische Medienmogul

Der FC Southampton aus der englischen Premier League hat erhebliche Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Im Januar 2022 wurde die Übernahme durch den Serben Dragan Šolak bekanntgegeben. Diesem scheint es zunächst aber nicht um Profite zu gehen. 

Von Constantin Eckner | 29.01.2022
Der serbische Medienmogul Dragan Solak (links) steht lächelnd mit einem Kaffeebecher in der Hand auf der Tribüne des Stadions des FC Southhampton
Der serbische Medienmogul Dragan Solak (links) hat den Premier-League-KLub FC Southampton übernommen (picture alliance / empics)
Wenn man den Namen Dragan Šolak bei Google eingetippt hat, tauchen bis vor wenigen Wochen vor allem Berichte zu einem türkisch-serbischen Schachspieler auf, der bislang zweimal die türkische Schachmeisterschaft gewonnen hat. Von einem gleichnamigen serbischen Medienmogul war wenig zu lesen. Doch genau dieser Dragan Šolak hat vor wenigen Wochen mit der Investmentfirma Sport Republic die Mehrheitsanteile am englischen Premier-League-Team FC Southampton erworben – an sich nichts Ungewöhnliches in England.
 „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem es alltäglich geworden ist. Es wirkt so, als würden Clubs in der Premier League regelmäßig ge- und verkauft werden, sodass es keine großen Wellen schlägt, wenn es nicht ein bekannter Käufer ist oder es sich um eine kontroverse Angelegenheit handelt“, sagt Martyn Ziegler, Journalist der britischen Tageszeitung „The Times“.

Ein etwas anderer Investor

Der Fall Šolak ist trotzdem ein besonderer. Denn der 57-jährige Serbe will jetzt nicht auf der großen Fußballbühne Werbung für sein Heimatland machen, wie das die Investoren aus Saudi-Arabien oder Abu Dhabi tun. Šolak liegt seit Jahren überkreuz mit der Regierung des Populisten Aleksandar Vučić und unterstützt die Opposition. In seiner Heimat wird der Milliardär von einigen nicht so gerne gesehen. Er lebt die meiste Zeit des Jahres in einer Luxusvilla am Genfer See. Aber sein Kerngeschäft liegt im ehemaligen Jugoslawien.
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Juraj Vrdoljak, Kolumnist der kroatischen Sportseite Telesport, erklärt: „Als sich die Marktwirtschaft entwickelte, war er einer der ersten, der mit Medienrechten gehandelt hat. Beispielsweise hat er Rechte an Videoläden verkauft. Danach hat er begonnen, in Fernsehanstalten und auch in Telekommunikationsunternehmen zu investieren. Später hat er sein Medienimperium aufgebaut, indem er die einzelnen Unternehmen, die er zuvor aus Slowenien, Kroatien, im Grunde aus dem gesamten ehemaligen Jugoslawien gekauft hatte, in einem Konglomerat zusammengebracht und damit in diesem Markt operiert hat. Er hat sie unter dem Namen ‚United Media Group‘ zusammengeführt.“

Offener Kampf zwischen Medienmogul und Präsidenten

Die United Group macht laut eigenen Angaben einen jährlichen Umsatz von fast zwei Milliarden Euro – unter anderem auch mit der Ausstrahlung von Sportveranstaltungen. Eine Tochter der United Group ist die Serbia Broadband, die längere Zeit die Übertragungsrechte an der Premier League hielt. Doch dann die Überraschung im vergangenen Jahr: Die staatliche Medienanstalt Telekom Srbija erwirbt die Rechte für sechs Jahre für 600 Millionen Euro – zehnmal so viel, wie zuvor Serbia Broadband gezahlt hatte. Hinter dem Staatsunternehmen steht Präsident Vučić.
Dass Šolak, eigentlich bekannt als Golf-Fan, jetzt in den Fußball einsteigt; kein Zufall, meint Juraj Vrdoljak: „Zunächst war es ein Schock, dass Šolak plötzlich als neuer Mehrheitseigner von Southampton aufgetaucht ist. Aber wenn man mal genau hinsieht: Es ist ein offener Kampf zwischen Šolak und Vučić um den medialen Einfluss auf dem Balkan. Aus meiner Sicht wollte Šolak so Vučić einen auswischen. Ich meine, jetzt haben wir eine Situation, in der Vučić quasi Geld an Šolak zahlt, denn er ist einer derjenigen, dem durch seine Eigentümerschaft eines Klubs Teile der Premier-League-Spiele gehören. Es ist eine bizarre Situation.“

Nahbare und sympathische Auftritte bei Heimspielen

Vor Ort in Southampton macht Šolak bislang einen nahbaren Eindruck und scheint bei den Fans gut anzukommen, wie Dan Sheldon, Reporter von „The Athletic“, berichtet:
„Dragan war bei den beiden bisherigen Heimspielen dabei. Die erste Partie gegen Brentford wurde mit 4:1 gewonnen. Ein Fan hat ihm damals einen Schal zugeworfen. Er hat diesen nach oben gehalten und sich sichtlich darüber gefreut. Nach dem Spiel hat er dem Fan den Schal zurückgegeben und ihm noch seine Club-Krawatte geschenkt. Das war eine nette Geste. Noch wichtiger für Southampton ist, dass sie die richtigen Eigentümer haben, die den Verein nach vorn bringen. Mit Sport Republic glauben viele, diesen gefunden zu haben.“

Solak geht es nicht um Profit, sondern um Politik

In jedem Fall werden sich viele Fans freuen, sollte neues Geld in die Kassen gespült werden. Denn ein Goldesel ist ein Verein wie Southampton nicht. Martyn Ziegler zeigt sich über das Interesse von Investoren ohnehin verwundert: „Es gibt ein paar Leute, die glauben, sie können mit Fußballklubs Profit erwirtschaften. Zum Beispiel bei Burnley, wahrscheinlich dem kleinsten Premier-League-Verein, gibt es einen Amerikaner namens Alan Pace. Der hat den Klub übernommen, aber investierte dafür nicht sein eigenes Geld. Stattdessen hat er sich Geld vom Klub selbst sowie von Finanzinstituten geliehen.
Er glaubt wahrscheinlich, dass er eine ganz sichere Wette eingeht, denn selbst wenn etwas schiefläuft, hat er nicht sein eigenes Geld reingesteckt. Und im besten Fall macht er sogar noch Geld, indem er etwas aufbaut, ein bisschen Erfolg verbucht und dann weiterverkauft. Das ist wohl der einzige Weg, um Profit zu machen. Ich weiß nicht, was Leute dazu motiviert, diese kleinen Klubs zu kaufen.“
Im Fall von Dragan Šolak, dem kürzlich noch recht unbekannten Medienmogul aus Serbien, mag es gar nicht um Profite gehen. Er hat wahrscheinlich andere Motive – und die sind wie so oft im Spitzenfußball auch politischer Natur.