Samstag, 07.12.2019
 
Seit 10:05 Uhr Klassik-Pop-et cetera
StartseiteCorsoEine allzu irdische Mars-Mission07.03.2019

Serie "The First"Eine allzu irdische Mars-Mission

Große Stoffe sind genau das, was im ausufernden Seriensektor gefragt ist: Wieso also nicht eine Serie über die Reise zum Mars drehen? Das hat sich der US-Streamingdienst Hulu gedacht und dafür gleich noch Hollywood-Star Sean Penn verpflichtet. "The First" kommt jetzt auf Deutsch auf die Bildschirme.

Von Julian Ignatowitsch

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Sean Penn schaut als Tom Hagerty in den Himmel (imago stock&people )
Sean Penn als Tom Hagerty in der Serie "The First" (imago stock&people )
Mehr zum Thema

Serie „8 Tage“ Weltuntergang aus der Konserve

Grimme-Preis-Juror Patrick Presch "Man darf den Menschen etwas zutrauen"

Kurator Gottfried Gusenbauer über Mond-Ausstellung "Die Mondlandung war das Spin-off einer Rüstungsstrategie"

Regisseur David Schalko "Die Demokratie sitzt nicht mehr so fest im Sattel"

Serie "Weird City" Dystopie auf Lachgas

Berlinale "Drama Series Days" Serienhype mit Fragezeichen

"Helft uns, das Geld brauchen wir, nicht im Weltall sondern hier!"

Die Frage, ob man Milliarden von Dollar in ein Raumfahrtprogramm investieren soll, wenn es dafür doch so viel irdische Verwendungsmöglichkeiten gibt, ist mindestens so alt wie die Mondlandung.

"Einige von ihnen waren schon geboren, als Neil Armstrong seinen Fuß auf den Mond setzte. Ich noch nicht. Aber ich habe mir das Filmmaterial 100 Mal angesehen. Und ich finde es immer noch beeindruckend, dass es unserer Nation gelungen ist, etwas so Unglaubliches zu leisten."

Jetzt in einer nicht so fernen Zukunft planen die USA die Reise zum Mars. Und die Diskussionen sind ganz ähnlich:

"Von einer Marsmission würde die ganze Menschheit profitieren."
"Wie hilft das einem 5-Jährigen, dessen Eltern seine Schulspeise nicht bezahlen können."

Noch dazu endete der erste Start von Providence 1 in einer tödlichen Katastrophe.

"Fünf Astronauten haben wegen einer Münze ihr Leben verloren?"

Und jetzt ist die Frage: Weitermachen oder das Programm einstellen?

"Genügt ein menschliches Versagen, ein dummer Zufall, um eine ganze Nation von ihrem Vorhaben abzubringen, von ihren Visionen, mit denen sie großgeworden ist?"

Die Serie "The First" zeigt die erste große Mars-Mission in der Menschheitsgeschichte als ganz bodenständige Angelegenheit. Der Blick geht 'gen Himmel, aber die Kamera steht fest auf der Erde. Ein ungewöhnliches Science-Fiction-Drama: Raumfahrt als politische Verhandlungssache, am Kabinettstisch oder in dunklen Hinterzimmern.

"Wir benötigen mindestens 10 der 13 Stimmen. Wenn es knapper ausfällt, wird es erheblichen Widerstand gegen das Programm geben."

Das ist kein Zufall. Denn der Macher von "The First", Beau Willimon, hat zuvor die Politserie "House of Cards" mit dem wohl kaltblütigsten US-Präsidenten aller Zeiten, Frank Underwood, initiiert. Insofern kann "The First" durchaus als "House of Cards outer space" bezeichnet werden.

Ruhige Inszenierung und exzellente Schauspieler

Der Kevin Spacey, also der Star der Serie, heißt Sean Penn. Als Commander Tom Hagerty führt er die Marsmission an - und gibt dabei den Anti-Underwood: einfühlsam, verantwortungsbewusst und prinzipientreu. Herausragend gespielt. Ein echter amerikanischer Weltraum-Held, mit schicksalsschwerer Familiengeschichte.

"Manchmal komme ich mir vollkommen nutzlos vor. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Und schon gar nicht, was ich tun soll." 
"Bild' dir das nicht ein, Dad."

Das klingt nach dem Pathos großer Hollywood-Weltraumdramen wie "Armageddon", ist aber gut dosiert, denn in weiten Strecken folgt die Serie einer ruhigen, klugen Inszenierung und vertraut dabei dem Spiel der exzellenten Schauspieler: zum Beispiel Natascha McElhone als gefühlskalte Chefin des Unternehmens oder die junge Anna Jacoby-Heron als Toms depressive Tochter.

"Das wird schon wider, das kommt manchmal ganz plötzlich."

Nach einer Staffel eingestellt

An der ein oder anderen Stelle hätte es trotzdem etwas mehr Weltraum als Erde, etwas mehr Vision als Pragmatismus sein dürfen. Denn mit der Zeit ermüden die Tischgespräche und Familienkonflikte ein wenig und man würde sich mehr Details zum ambitionierten Raumfahrtprojekt, mehr Einblick in den Trainingsalltag der Astronauten oder der technischen Vorbereitungen wünschen.

"Kabinendruck wird vermutlich einen Alarm auslösen."
"Tanventile versiegelt."
"Sag' ich doch."
"Ignorieren."
"Roger."

Ganz zu schweigen vom Blick in den Orbit, der bis zum Ende nur angedeutet wird. Ein Handlungsstrang in den Weiten des Universums entwickelt sich nicht und hätte wohl das ohnehin üppige Budget von rund 55 Millionen Dollar Produktionskosten gesprengt. So bleibt die Mars-Mission letztlich allzu irdisch - und das bleibt wohl auch so. Denn der für die Produktion zuständige US-Streamingdienst Hulu hat seinen Beschluss für das Serienprojekt bereits gefasst: "The First" wird nach einer Staffel eingestellt - das Geld wird woanders investiert. Schade eigentlich.

"The First" ab 07.03.2019 auf MagentaTV

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk