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StartseiteCorsoDas Lachen danach27.02.2020

Sex und HumorDas Lachen danach

Ist Sex komisch? Danach fragt das Kasseler Komik Kolloquium und untersucht, was Komik, Humor, Literatur und Sprachkunst alles sein können. "Direkt beim Sex kann Humor schon hinderlich sein", erklärt Programmkurator Friedrich W. Block im Deutschlandfunk.

Friedrich W. Block im Corsogespräch mit Achim Hahn

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Bildbeispiele aus Pornoheften ((c) Timm Ulrichs)
Motiv aus Timm Ulrichs Ausstellung: „Kunst & Leben. Bildbeispiele aus Pornoheften“ ((c) Timm Ulrichs)
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"Sex ist in aller Munde sozusagen," erklärt Friedrich W. Block, Programmkurator des Kasseler Komik Kolloquiums, im Corsogespräch. "Und damit sind wir schon beim Problem der Doppeldeutigkeiten unserer Sprache." Denn es geht im aktuellen Festival um Sex und Humor. "Ich erinnere mich an einen frühen TITANIC-Titel aus den 80ern, da wird auch mit der Doppeldeutigkeit der Sprache gespielt. 'Der Papst kommt!'" Demgegenüber kann Humor durchaus hinderlich sein, "wenn Sie mitten dabei sind."

Post-Coitaler Humor

"Nach dem Sex" - das Motto des Kasseler Kolloquiums - wurde gewählt, um das Thema von der Handlung selbst etwas abzurücken. "Das ist eine Frage des Hinterhers, es ist auch eine Altersfrage, eine Generationenfrage."

Ob Witze sexistisch sind, sei auch eine Frage, wer den Witz erzählt und ob die Thematisierung von Sex und sexueller Handlung, angemessen sei, so Block. "Ich würde sagen, es gibt jede Menge sexuelle Handlungen oder auch ein Reden oder Lachen über Sex, die durchaus angemessen sind."  

So sei das Festivalprogramm sehr vielseitig. Es reicht vom sprachgewaltigen Kabarett einer Lisa Eckhart bis zum Salon-Hiphop von Pigor & Eichhorn, es gibt Freejazz und Dada - alles unter dem Motto «Nach dem Sex». Und es gibt im Kasseler Kunsttempel eine interessante Ausstellung von Timm Ulrichs, der im März 80 wird: "Bildbeispiele aus Pornoheften". 

Pornos mit Weltkunst

Beim Durchblättern von Pornoheften der 70er Jahre sei Timm Ulrich aufgefallen, "dass da große Weltkunst auftaucht als Teil des Bühnenbildes. Und dann hat er jede Menge Pornohefte gefunden, in denen Bilder an der Wand hängen von Rembrandt bis Jörg Immendorff." Durch entsprechende Ausschnitte und den Kommentar mit den ikonografischen Daten des jeweiligen Bildes entstehe die Komik, erklärte Friedrich W. Block. Anfang der 90er gab es bereits eine Ausstellung. "Er hat sich jetzt dazu entschlossen, eine Fortsetzung zu zeigen."

Der Blick auf die Sexualität und den Humor habe sich vor allem durch die veränderte Medienlandschaft geändert, etwa durch das Internet. Zugleich seien wir stärker sensiblisiert: "Es wird ganz anders diskutiert als vor 30 Jahren. Also Stichwort #MeToo ist ja gerade durch den Weinstein-Prozess wieder ganz in unserem Bewusstsein. Das ist eine ganz andere Sensibilität für Sexualität und für Sexismus."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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