Nach Baden-Württemberg-Wahl
Sexismus gegen Schülerin oder Schmutzkampagne? Kritik an Fokus der Hagel-Debatte

Grünen-Chef Banaszak hat die Vorwürfe einer Schmutzkampagne seiner Partei gegen CDU-Spitzenkandidat Hagel in Baden-Württemberg zurückgewiesen.

    Manuel Hagel spricht auf der CDU-Wahlparty.
    Manuel Hagel nach der Landtagswahl: "Ich trage die Verantwortung". (picture alliance / Flashpic / Jens Krick)
    Im Sender Ntv sagte Banaszak zur Verbreitung eines acht Jahre alten Videos mit anzüglichen Äußerungen Hagels über Schülerinnen, er sei irritiert davon, dass das Posten dieses Ausschnitts tatsächlich intensiver diskutiert werde als der Ausschnitt selbst. Zur Bundestagsabgeordneten Mayer, die das Video in den Sozialen Medien verbreitet hatte, sagte er, sie sei eine Kollegin von ihm, die mit 14, 15 Jahren angefangen habe, Politik zu machen. Ganz häufig habe sie die Erfahrung gemacht, dass ältere Männer sich unangemessen, übergriffig ihr gegenüber verhalten hätten - vermutlich auch von den Grünen.
    Es sei eine Verschiebung der Debatte, dass sich nun wieder einmal eine junge Frau rechtfertigen müsse, so etwas veröffentlicht zu haben. Banaszak betonte, er habe es legitim gefunden, dass sie diesen Clip gepostet habe.

    Abgeordnete Zoe Mayer verteidigt Video-Veröffentlichung: Wollte Debatte über Sexismus in der Politik anstoßen

    Mayer selbst sagte den Badischen Neuesten Nachrichten, wenn sie das Wort von der Schmutzkampagne höre, müsse sie sich schon sehr zusammenreißen. Ihr Anliegen sei es nie gewesen, jemandem einen Wahlsieg zu verschaffen, sondern eine Debatte anzustoßen. Sie räumte ein, das Video unmittelbar vor der Wahl veröffentlicht zu haben – "weil genau dann politische Relevanz da ist". Wenn man über Sexismus in der Politik eine Debatte führen wolle, dann passiere das nicht im luftleeren Raum. Nach der Wahl wäre das Interesse deutlich geringer gewesen.
    Eine Kampagne bestreitet sie. Grünen-Spitzenkandidat Özdemir habe vor der Veröffentlichung nichts davon gewusst.

    Vorwurf der Täter-Opfer-Umkehr wegen Umgang mit Hagel-Video

    Kritik wird auch in den Sozialen Medien geäußert. So hieß es etwa auf X mit Blick auf die Sonntagabend-Talkshow von Caren Miosga in der ARD, Miosga spreche von negativem Campaigning, statt von der Sexualisierung Minderjähriger. Damit bediene sie eine Täter-Opfer-Umkehr.
    Der Trierer Politolinguist Nils Dorenbeck betonte auf LinkedIn, es sei keine Schmutzkampagne, die Charaktereigenschaften eines Kandidaten zu hinterfragen. Wenn dabei "Schmutz" zutage trete, sage das etwas über den Kandidaten, nicht über die, die den "Schmutz" thematisierten. Hagels Klage sei unanständig, stillos und überdies larmoyant. "Wer sein Land führen will, sollte sich selbst führen können."

    Von Lucke: "Vorwurf der Sexualisierung einer Schülerin sei keine Petitesse"

    Der Politologe Albrecht von Lucke hatte die Bewertung als Schmutzkampagne ebenfalls abgelehnt. Der Vorwurf der Sexualisierung einer Schülerin sei keine Petitesse.
    Hagel selbst hatte eingeräumt, seine Aussagen seien ”Mist” gewesen. Er bereue das von ganzem Herzen. Zugleich kritisierten der 37-Jährige und zahlreiche Unionsvertreter den Zeitpunkt der erneuten Veröffentlichung wenige Tage vor der Landtagswahl. Unionspolitiker werfen den Grünen eine Schmutzkampagne vor. CSU-Chef Söder sieht darin einen der ausschlaggebenden Gründe für Hagels Niederlage.

    Hagel schwärmte von "rehbraunen Augen" einer vermutlich 16-jährigen Schülerin

    In dem Video schwärmt Hagel im Jahr 2018 nach dem Besuch einer Realschule in einem TV-Sender über das Aussehen einer Schülerin. Er spricht darin von den "rehbraunen Augen" einer vermutlich 16-Jährigen. In der Klasse hätten "80 Prozent Mädchen" gesessen, da gebe "für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen." Das Video löste breite Debatten und Vorwürfe gegen Hagel aus. Laut der Stuttgarter Zeitung zeigten "exklusive Leserdaten", dass der CDU-Spitzenkandidat seit der Sexismus-Diskussion an Beliebtheit verloren hatte. Die CDU landete am Sonntag bei der Wahl knapp hinter den Grünen.
    Diese Nachricht wurde am 10.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.