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Sicherheitsindex 2016
Sicher im Netz – aber auch im autonomen Auto?

Autos haben künftig keinen Fahrer mehr, Bahnen keinen Lokführer. Das ist die Zukunft – aber ist das auch sicher? Danach hat der Verein "Deutschland sicher im Netz" in diesem Jahr tausende Deutsche gefragt. Die bangen um ihre Sicherheit – und zwar nicht nur die körperliche.

Von Philip Banse | 10.06.2016
    Das Google Car: ein selbstfahrendes Auto im Test.
    Das Google Car: ein selbstfahrendes Auto (picture alliance / dpa / Google Handout)
    Der Verein "Deutschland sicher im Netz" soll Verbraucher und kleine Unternehmen aufklären. Dafür befragt er seit vielen Jahren Verbraucher, um einen Sicherheitsindex zu erstellen. Der Verein diagnostiziert ein großes Sicherheitsgefälle. Vor allem Frauen über 60 seien oft hilflos im Netz, aber auch Menschen um die 20 missachteten zu oft grundlegende Sicherheitsregeln.
    Passwörter regelmäßig wechseln, bei verschiedenen Diensten verschiedene Passwörter nutzen, Virenscanner nutzen – viele Menschen würden diese Maßnahmen kennen, sie aber nicht anwenden – oft aus Fatalismus oder Nachlässigkeit, sagt Vereinschef Weber:
    "Trotzdem, dass objektiv die Sicherheitsvorfälle für Verbraucher sinken, steigt das Gefährdungsgefühl. Wenn wir das nicht in den Griff kriegen, wird das zu einer Vertrauenskrise bei der Digitalisierung führen, die wir uns nicht leisten können." Das gilt verstärkt erst recht, wenn Millionen Lichtschalter, Steckdosen, Fahrräder und Autos mit dem Internet in Zukunft verbunden sind und über das Netz gesteuert werden können.
    Autonomes Fahren: Begrüßt und gefürchtet zugleich
    Über die Hälfte der Verbraucher begrüßt zwar das vernetzte Fahren der Autos und möchte nicht mehr drauf verzichten. Eine Mehrheit macht sich aber auch Sorgen, sagt Alastair Bruce von "Deutschland sicher im Netz":
    "Verbraucher sehen Risiken beim Datenschutz, bei der Datensicherheit und bei der Sicherheit der jeweiligen Systeme. Mehr als die Hälfte, teilweise sogar zwei Drittel der Befragten halten Gefahren in diesen Bereichen für wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich. Zuständig für die Sicherheit sind nach Meinung der Befragten vor allem die Fahrzeughersteller: 79,2 Prozent."
    Die Haftung für Softwareprodukte allerdings ist heute jedoch noch sehr umstritten. Gerade in diesen Tagen kommen reihenweise Fälle ans Licht, in denen Anbieter digitaler Dienste Passwörter und Nutzerdaten verloren haben, weil sie nicht den Stand der Technik einsetzten. Die Geschädigten dieser Pannen stehen jedoch de facto schutzlos im Regen.
    Rechtlich ist die Lage noch unklar
    Staatssekretär Billen fordert eine bessere Haftung der Anbieter: "Wir müssen dafür sorgen, dass der Stand der Technik normiert wird und eine Anforderung an diejenigen ist, die Produkte und Services herstellen. Wer heute ein Auto herstellt, muss das Auto mit einem Sicherheitsgurt ausrüsten, da kriege ich keinen Hinweis, ich solle mich da freiwillig drum kümmern und den selber einbauen. Deswegen wird das ein Thema sein, was wir intensiv verfolgen: Wie kann man Produktverantwortung und Produktsicherheit herstellen und was bedeutet das auch für möglichen Schadenersatz."