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Siemens InnovationscampusZurück in die Zukunft

Der Technologiekonzern Siemens baut an seinem Gründungsort Berlin einen Innovationscampus. Es ist die größte Investition der Unternehmensgeschichte in der Bundeshauptstadt. Nebenbei soll die Wohnungsnot gelindert werden. Allerdings nicht ohne Zugeständnisse der Politik.

Von Dieter Nürnberger | 31.10.2018

31.10.2018, Berlin: Die Sonne geht über Siemens Dynamowerk an der Nonnendammallee in Berlin-Siemensstadt auf. Der von Siemens geplante Innovationscampus mit Investitionen von bis zu 600 Millionen Euro wird in Berlin verwirklicht. Foto: Arne Immanuel Bänsch/dpa | Verwendung weltweit
Die Zentrale ist schon lange in München, Berlin ist aber immer noch ein wichtiger Siemens-Standort - und soll noch bedeutender werden. (dpa)
Für Berlin, für die Landespolitik und auch für die so oft gescholtene Verwaltungsebene in der Hauptstadt ist die Standortentscheidung von Siemens sozusagen Balsam für die Seele. Eine Investition von 600 Millionen Euro in einen Innovationscampus, das erzeugt Aufbruchsstimmung.
Siemens hat zwar seine Wurzeln in Berlin, doch die Zahl der Mitbewerber dürfte groß gewesen sein, gerade wohl auch in Asien, wo das Unternehmen gute Geschäfte macht. In den vergangenen Monaten jedenfalls konnte die Hauptstadt beim Standortpoker punkten - Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser drückt es so aus: "Ja, die Konkurrenz war ausgeprägt. Das kann ich Ihnen sagen."
Rückkehr nach Siemensstadt
In den Zeiten der politischen Teilung wurde die Unternehmenszentrale 1949 nach München verlegt, doch blieb Berlin - mit derzeit rund 11.000 Beschäftigten - der größte Produktionsort des Unternehmens.
Der neue Innovationscampus soll in den Stadtteil Siemensstadt integriert werden. Hier expandierte das Unternehmen einst, noch heute prägen die alten Industriehallen und Werksiedlungen das Bild. Doch in den kommenden Jahren sollen Forschungslabors, Hightech-Produktionsanlagen, Büros und auch Wohnungen entstehen.
Aushängeschild der Digitalisierung
Ein zukunftssicherer Standort - offen auch für die Ansiedlung von Start-up-Firmen. Derzeit expandiert Siemens weltweit - 34.000 Neueinstellungen habe es im laufenden Geschäftsjahr gegeben.
Der neue Campus soll ein Aushängeschild für die Digitalisierung der Industrie sein, sagt Vorstandsmitglied Cedrik Neike: "Es ist ja auch Teil unseres 2020-Plus-Konzeptes: Das eine ist Gas and Power - Gasturbinen, Öl und Gas. Die hat hier ihre Produktion. Da wird dann geforscht und gearbeitet. Dann geht es um Smart Infrastructure: Also die Idee, ganze Stadtgebiete in ein dezentrales Energienetz zu integrieren. Das dritte betrifft Mobility. Also drei der sechs unserer Siemens-Geschäfts-Companies werden in Siemensstadt angesiedelt sein."
Auch die Politik tut etwas dazu
Für die Ansiedlung musste der Berliner Senat natürlich Zugeständnisse machen. Beim Denkmalschutz, bei den Baurechten, ebenso bei Fragen der künftigen Verkehrsanbindung und der Ausstattung mit Breitband-Internet. Auch das Land wird eine bislang nicht genannte Millionensumme bereitstellen.
Michael Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister, sprach anlässlich der heutigen Entscheidung von einem "guten Tag" für die Stadt. "Dass wir eben die Zukunftsfragen, die technologischen Fragen, aber auch die ethischen Fragen - die verbunden sind mit dem Digitalisierungs- und Automatisierungsprozess - in Berlin miteinander vorantreiben. Und hoffentlich auch damit verbundene Probleme miteinander lösen können."
Kaeser beschwört deutschen Gründergeist
"Siemensstadt 2.0" wird das Projekt schon jetzt genannt. Und das alles mit einer sozialen Komponente - auf rund 200.000 Quadratmetern sollen Wohnungen zu vertretbaren Preisen entstehen. Siemens-Chef Joe Kaeser scheut da keinen Vergleich. "Es stört mich schon seit längerer Zeit, dass alle Leute, die glauben Innovationen sehen zu müssen, nach San Francisco fliegen. Weil es nämlich hier in Deutschland und gerade in Berlin schon Gründerkultur gab, als es im Silicon Valley noch nicht einmal Garagen gab."
Worte, die gut ankommen in der Hauptstadt. Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) spricht von einem großen Erfolg. Es sei eine Auszeichnung für den Wirtschaftsstandort Deutschland.