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Siemens und Alstom fusionieren ZugspartenAusverkauf der französischen Industrie?

China macht Druck - deshalb legen die Franzosen und die Deutschen ihre Eisenbahnindustrie zusammen: Siemens und Alstom werden Partner. Doch in Frankreich hagelt es Kritik: Die Sorge um die Arbeitsplätze ist groß.

Von Anke Schaefer | 27.09.2017

Die beiden Firmenlogos von Siemens und Alstom.
Kritiker fürchten um die 32.000 Arbeitsplätze bei Alstom (picture alliance / dpa / Etienne Laurent)
In Frankreich hagelt es Kritik an der Fusion zwischen Siemens und Alstom im Bereich des Zuggeschäfts. Michel Larive zum Beispiel, Abgeordneter in der Nationalversammlung der linksgerichteten Partei La France Insoumise - das unbeugsame Frankreich - sieht die 32.000 Arbeitsplätze bei Alstom gefährdet. Er fühlt sich an die Übernahme von Alcatel durch Nokia erinnert und sieht den Ausverkauf der französischen Industrie weitergehen:
"Heute ist es Alstom. Und morgen?"
Ins gleiche Horn stößt Laurent Wauquiez, Vizepräsident der französischen Republikaner. Er sagt:
"Hier kauft Deutschland Frankreich auf, Macron verramscht uns."
Garantien für die Wahrung der Interessen Frankreichs
Bruno Le Maire, der französische Wirtschaftsminister, musste also heute auf diese Kritik eingehen. Er versuchte zu beruhigen:
"Die Arbeitsplätze werden erhalten, die Standorte in Frankreich bleiben bestehen, wir haben eine Garantie zu den strategischen Entscheidungen - die Geschäftsführung darf sich allen Entscheidungen entgegenstellen, die französischen Interessen zuwider laufen."
Außerdem bleibt Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge Geschäftsführer des neuen fusionierten Eisenbahnunternehmens. Also, so Bruno Le Maire, würden diese Garantien dafür sorgen, dass die industriellen und strategischen Interessen Frankreichs gewahrt blieben.
Die Kritiker überzeugt das nicht. Diese Garantien gelten nämlich nur für die kommenden vier Jahre und dann? Dann - so sehen es die Verträge vor - könnte Siemens auch mehr als 50 Prozent der Anteile übernehmen und Alstom de facto schlucken.
Wettbewerbsdruck durch chinesische Fusion
Grund für die französisch-deutsche Fusion ist der Wettbewerbsdruck, der nach dem Zusammenschluss zweier chinesischer Zughersteller entstanden ist. Die Europäer müssen also nach Ansicht von Siemens enger zusammenarbeiten. Das passt nach Meinung einiger Kommentatoren wiederum auch gut in den Rahmen der gestrigen Rede von Präsident Emmanuel Macron zur Zukunft Europas. Anders als die Kritiker in Frankreich reagierte auch die Börse positiv: Der Kurs der Alstom-Aktien ist heute morgen deutlich gestiegen.