Samstag, 18.09.2021
 
Seit 08:50 Uhr Presseschau
StartseiteEine WeltFriedensdiamant ist kein Gewinn für die Bevölkerung17.03.2018

Sierra LeoneFriedensdiamant ist kein Gewinn für die Bevölkerung

Der Friedensdiamant von Sierra Leone ist einer der größten Diamanten der Welt. Bei einer Auktion in New York erzielte der Stein 6,5 Millionen Dollar. Die westafrikanische Regierung versprach, dass der Erlös diese Mal den Findern und dem Dorf zu Gute kommen soll. Doch es kam anders.

Von Adrian Krisch

Der so genannte Friedensdiamant aus Sierra Leone wird für die Versteigerung in New York ausgestellt. (AFP / Timothy A. Clary )
Der Friedensdiamant aus Sierra Leone erzielte bei einer Versteigerung 6,5 Millionen Dollar (AFP / Timothy A. Clary )
Mehr zum Thema

Sierra Leone Das Land der hoffnungsvollen Menschen

Landgrabbing in Sierra-Leone Schweizer Unternehmen in der Kritik

Sierra Leone Schwanger und diskriminiert

Sierra Leone Neue Ebola-Fälle und alte Ängste

Seit einer Stunde läuft Komba Nyandemoh durch den Dschungel im Norden von Sierra Leone. Er ist das Oberhaupt des nahe gelegenen Dorfes Koryadu und ist auf dem Weg zu der Mine, die es zu Weltruhm gebracht hat. Vor einem Jahr haben hier Arbeiter den riesigen Diamanten gefunden, Nyandemoh hat ihn selbst in den Händen gehalten.

"Ich war so froh, alle waren froh. So groß war der Diamant, fast wie meine Faust. Die Leute waren alle glücklich, denn sie dachten, dass es jetzt Geld gibt."

709 Karat – einen solchen Stein hatte Komba Nyandemoh noch nie gesehen. Gefunden haben ihn fünf Arbeiter, die im Auftrag eines Pastors arbeiteten. Der Pastor brachte den Stein kurz zum Dorf-Chief, dann zum traditionellen Oberhaupt der Region, dann zur Regierung. Eine Seltenheit: Häufig werden Diamanten einfach aus der Region geschmuggelt.

Doch dieses Mal gibt es eine Auktion, der internationale Rohstoffhändler Rapaport hilf bei der Vermarktung. 6,5 Millionen Dollar werden erzielt. 40 Prozent gehen an den Pastor, 60 an die Regierung – und die verspricht, mit einem Teil des Geldes die Region zu unterstützen.

Kein Strom, keine Klinik, keine Straße

Doch im Dorf ist davon nichts zu sehen. Es gibt keinen Strom, keine Klinik, keine asphaltierte Straße. Einer der drei Lehrer im Ort zeigt uns die Schule, an der 200 Kinder unterrichtet werden.

"Das ist nur ein Pavillon, das ist doch kein Schulgebäude. Schau es dir an! Das soll eine Schule sein? Dieser Diamant soll nicht das Land verlassen, wenn wir unter solchen Bedingungen leben. In Amerika haben Sie jetzt ihren Spaß an diesem Diamanten – und wir? Der mächtige Gott soll euch dafür bestrafen!"

Szene aus der Stadt Makeni, im Nordosten von Sierra Leone: Kinder pumpen sauberes Wasser in Schüsseln und Kanister. Das Foto wurde aufgenommen am 12.03.2011. (dpa/ Thomas Schulze)Sierra Leone zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Der Großteil der Bevölkerung lebt von weniger als zwei Dollar am Tag (Archivbild 2011) (dpa/ Thomas Schulze)

Das Dorfoberhaupt Nyandemoh führt zu dem Ort, dem eine neue Schule versprochen wurde. Doch auch hier: keine Bauarbeiten, keine Entwicklung.

"Der Pastor und der Chief, das traditionelle Oberhaupt der Region haben uns das versprochen. Sie haben uns im Auftrag der Regierung gesagt, wir sollen ein Stück Land aussuchen und den Busch roden. Seitdem haben wir nichts mehr vom Chief gehört."

Chief Paul Saquee wohnt in der Provinzhauptstadt Koidu. Er steht auf der Gehaltsliste der Regierung, beteuert jedoch, kein Geld für den Diamanten bekommen zu haben. Er ist sich sicher: Eine Million Dollar werde die Regierung in die Entwicklung der Region stecken – aber es brauche Geduld.

"Ich habe keinen Grund jetzt die Hoffnung aufzugeben. Die Dorfbewohner wissen vielleicht nicht genau, wie die Abläufe bei der Regierung sind. Alle stecken im Wahlkampf, da ist kaum jemand im Büro. Aber ich sehe keinen Grund zu glauben, dass sie ihr Versprechen nicht einhalten."

Regierungsvertreter sind nicht bereit über das Thema zu sprechen. Ende März gibt es eine Stichwahl um das Präsidentenamt zwischen dem Kandidaten der Regierungspartei, Samura Kamara, und dem Oppositionspolitiker Julius Biu. Die Regierungspartei APC ist bereits seit zehn Jahren an der Macht.

Und in Koryadu? Dort warten die Dorfbewohner und ihr Oberhaupt weiter. Auf Strom, auf eine Schule, auf eine Klinik, auf Gerechtigkeit. Und sie hoffen darauf, dass sie bald einen neuen Diamanten finden.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk