Samstag, 24. Februar 2024

Silvester-Feuerwerk
Tiere mögen die Böllerei gar nicht

Was vielen Menschen in der Silvesternacht Spaß macht, ist für Tiere ein Albtraum: Das Licht von Raketen und Knallen von Kanonenschlägen verursacht ihnen Stress. Es gibt aber einige gute Ideen, um Haustiere vor Angst und Panikattacken zu bewahren.

31.12.2023
    Ein ängstlich schauender Hund liegt in einem orangefarbenen Sessel.
    Am Silvesterabend ist es ratsam, lärmempfindlichen Haustieren wie diesem Hund in der Wohnung eine ruhige Ecke zu geben, wenn die Böllerei losgeht. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
    Die Einschränkungen während der Corona-Pandemie haben das silvesterliche Feuerwerk in Deutschland zuletzt weniger laut und bunt werden lassen. Das ist Geschichte und nun heißt es wieder: Feuer frei! Doch für Haus- und Wildtiere ist die Silvesternacht der stressigste Moment des Jahres.
    Grell aufblitzende Raketen und laute Kanonenschläge stellen für die meisten Tiere ein akustisches Inferno dar, auf das sie mit Angst und Flucht reagieren. Aber es gibt einige Tricks, wie Haustiere halbwegs beruhigt durch die Nacht zu bringen sind.

    Inhalt

    Warum geraten Tiere bei Feuerwerk in Panik?

    Der Krach des Feuerwerks ist besonders für Hunde und Katzen belastend, da sie ein wesentlich feineres Gehör als Menschen haben und viel geräuschempfindlicher sind. Dazu kommt, dass die Geräusche völlig ungewohnt sind.e
    Auch die Lichteffekte am Himmel und deren Widerschein in der Wohnung erleben sie nur in der Silvesternacht. Bei vielen Vierbeinern löst die Knallerei blanke Panik aus: Sie suchen dann Verstecke, aber nicht immer die richtigen, wenn der Mensch ihnen nicht mit guter Überlegung hilft.

    Was hilft dem Hund?

    Hunde sollten rund um Silvester in bewohnten Gebieten nur noch angeleint ausgeführt werden. Verfrühte oder verspätete Kracher könnten sie in panischem Schrecken ausreißen lassen.
    Hundehaltern wird geraten, mit dem Vierbeiner schon tagsüber ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen. Den Gassigang am Abend sollte man nicht zu spät beginnen, um nicht in die anschwellende Knallerei zu geraten.

    Was hilft der Katze?

    Katzen sollten am Silvestertag unbedingt im Haus bleiben. Gerade Freigänger, die nach Belieben durch ihr Revier streifen, sind gefährdet. Solche Ausflüge sollte man unterbinden, indem schon am Tag vor Silvester die Katzenklappe geschlossen wird. Denn Freigänger könnten aus Panik den Weg nach Hause nicht mehr finden.

    Wie schirmt man das Tier richtig ab?

    Bevor die Knallerei draußen losgeht, kann man in den eigenen vier Wänden ein paar Vorkehrungen treffen: Tür zu, Fenster zu, Rollos runter, Vorhänge zuziehen. Einen Schutzraum für das Tier im Innenbereich schaffen, der abgeschirmt ist gegenüber der Geräuschkulisse von draußen und auch vor den Lichtblitzen des Feuerwerks schützt.
    Auch Kleintiere wie Hamster, Meerschweinchen oder Vögel wissen das zu schätzen. Deren Käfige und Gehege gehören in ruhigere Zimmer und können mit Tüchern verdeckt werden.

    Soll man Beruhigungsmittel verabreichen?

    Das will in jedem Einzelfall gut überlegt und mit der Tierärztin abgesprochen sein. Sinnvoll ist ein Beruhigungsmittel nur dann, wenn bekannt ist, dass das Tier extrem ängstlich auf laute Geräusche reagiert. Es gibt Hunde, die gar nicht gut auf Beruhigungsmittel im Futter reagieren.
    Auf keinen Fall hilft es dem Tier, wenn der Mensch es mit vielen Worten zu beruhigen versucht. Das könnte seine Angst und Beunruhigung noch verstärken. Meist reicht es schon, wenn eine vertraute Bezugsperson am Silvesterabend beim Tier bleibt und ihm als souveräner "Rudelführer" Sicherheit vermittelt.

    Wie geht es Tieren in der Natur beim Feuerwerk?

    Auch Wildtieren und Vögeln gehen die laute Knallerei und die starken Lichtreflexionen massiv auf die Nerven. "Bei Wildtieren löst der heftige Lärm den Fluchtreflex aus", erklärt die Biologin Angelika Nelson vom bayerischen Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV). "Anschließend brauchen sie sehr lange, bis sie wieder zur Ruhe kommen. Diese nächtliche Flucht kostet sie wertvolle Energie, die sie gerade in langen, kalten Winternächten zum Überleben brauchen."
    Der LBV fordert deshalb ein Verbot privater Silvesterknallerei und eine Beschränkung auf zentral organisierte Feuerwerke. "Vögel reagieren stark auf Böller und Raketen an Silvester. Sie fliehen in große Höhen, landen für lange Zeit nicht und kehren nur zögerlich zu ihren Rast- und Schlafplätzen zurück", sagt Angelika Nelson. Aber auch andere Wildtiere wie Eichhörnchen, Biber und Rehe würden durch den starken Lärm in der Silvesternacht gestresst.

    Ist es Zeit für ein Ende des Feuerwerks?

    Die Tiere würden das zweifellos sehr begrüßen. Die Deutsche Umwelthilfe und mit ihr ein breites Bündnis von Tierschutzorganisationen setzt sich für ein Verbot privater Feuerwerke ein. In ihrem Aufruf heißt es unter anderem: "Die Knallerei in der Silvesternacht ist für Haustiere, aber auch Wildtiere und Nutztiere, ein Albtraum! Der ohrenbetäubende Lärm und die hell leuchtenden Blitze lösen bei ihnen Stress, Angst und Panik aus. Haustierbesitzer bangen jedes Jahr um ihre treuen Begleiter, teilweise müssen Beruhigungsmittel eingesetzt werden. Fluchttiere wie Kühe und Pferde rennen vor lauter Panik durch Zäune."
    Dies wird viele Menschen wiederum nicht davon abhalten, sich dem umstrittenen Vergnügen der "sinnlosen Knallerei" (Umwelthilfe) hinzugeben.
    scr