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Sipri-Bericht
Weniger Aufträge für deutsche Rüstungshersteller

Die Verkäufe von Waffen und Militärtechnik durch die weltweit führenden Unternehmen sind im vergangenen Jahr zum dritten Mal in Folge zurückgegangen. Das merken auch die deutschen Rüstungshersteller.

Von Michael Braun | 15.12.2014

Aus EADS wurde Airbus, der Name der zivilen Marke Nummer eins. Die Sparte Wehrtechnik wurde konzernintern mit der Raumfahrt zusammengelegt. Mit Krauss-Maffei Wegmann und der französischen Nexter planen zwei Panzerschmieden eine Fusion. Die Konzentrationsbemühungen erwachsen aus dem Kostendruck. Und der hängt damit zusammen, dass in Europa Geld eher gespart als für Rüstungsgüter ausgegeben wird. Die 100 größten Waffenschmieden der Welt haben voriges Jahr Waffen und Gerät für gut 324 Milliarden Euro verkauft - ein Minus von zwei Prozent. Das Friedensforschungsinstitut Sipri im schwedischen Stockholm hatte im Jahr zuvor einen Rückgang von 3,9 Prozent gemessen. Siemon Wezemann vom Sipri-Institut benannte im ARD-Fernsehen die Gründe:
"Die Ausgaben sind in den vergangenen Jahren wegen der Finanzkrise zurückgefahren worden und weil es nicht sinnvoll schien, Geld für Waffen auszugeben, da es zum Beispiel in Europa keine großen politischen Risiken mehr gab."
Anderswo stieg freilich die Nachfrage, vor allem im Nahen Osten. Saudi-Arabien ist für Markus Turnwald, Analyst bei der DZ Bank, ein stark wachsender Markt für die Rüstungsbranche:
"Das ist eine große Region, die jetzt massiv in Rüstungsgüter investiert."
Die insgesamt sinkenden Verkäufe trafen auch die führenden Hersteller aus Amerika und Kanada. Lockheed Martin und Boeing sind mit jeweils gut 30 Milliarden Dollar Rüstungsumsatz die größten Waffenlieferanten. Die britische BAE Systems erreicht mit knapp 27 Milliarden Dollar Rang drei, die ehemalige EADS mit knapp 17 Milliarden Dollar Rang sieben. Weiter hinten auf Rängen zwischen 32 und 72 folgen die deutschen Unternehmen Rheinmetall, ThyssenKrupp, Diehl und Krauss-Maffei Wegmann.
Russische Hersteller wie Tactical Missiles Corporation oder Almaz-Antey haben voriges Jahr ihre Verkäufe deutlich gesteigert, teilweise verdoppelt. Das sei, so die schwedischen Friedensforscher, vor allem auf ein Investitionsprogramm der russischen Regierung zurückzuführen.
Wenn deutsche Rüstungsunternehmen wachsen, dann außerhalb des Waffengeschäfts. Darauf drängen auch die Gewerkschaften, wie etwa der für die Rüstungsbranche zuständige IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner bei Gelegenheit sagte:
"Natürlich lassen wir die Unternehmen nicht aus ihrer Verantwortung. Wenn nach den politischen Entscheidungen in einzelnen Bereichen ein Rückgang festzustellen ist, was Auslastung und Beschäftigung betrifft, dann sehen wir die Unternehmen in der Verantwortung zu klären, welche neuen Produkte, welche neuen Technologien, welche neuen Chancen gibt es, um die Menschen n zu beschäftigen."
Rheinmetall setzt schon mehr als die Hälfte im Bereich Autozulieferung um. Bei den Gewinnen sieht es zumindest dieses Jahr noch düsterer aus für die Rüstungssparte: Zehn Millionen Euro Verlust werden hier erwartet, während der Bereich Autozulieferung 180 Millionen Euro Gewinn abwerfen soll.