Australien als Vorreiter
Social Media nur noch ab 16 Jahren? - So ist der Stand in anderen Ländern

Die SPD-Fraktion im Bundestag fordert für Social Media-Plattformen wie Tiktok strengere Regelungen. Für Kinder unter 14 Jahren soll es ein Verbot geben, für Jugendliche unter 16 Jahren eine "verpflichtende Jugendversion". In anderen Ländern gibt es bereits Gesetze oder entsprechende Pläne für Altersgrenzen. Ein Überblick.

    Ein Jugendlicher schaut auf sein Smartphone. Er liegt dabei auf dem Sofa und ist nur von hinten zu sehen.
    Gegen endloses Scrollen - viele Länder prüfen Altersgrenzen für Social Media (picture alliance / dpa / Tobias Hase)

    Pionier Australien

    In Australien gelten seit Ende vergangenen Jahres die wohl strengsten Regelungen in einer Demokratie für die Nutzung von Online-Netzwerken. Die Internet-Unternehmen müssen selbst überprüfen, ob ihre Nutzerinnen und Nutzer mindestens 16 Jahre alt sind. Bei Verstößen drohen Strafzahlungen von umgerechnet 27 Millionen Euro.
    Nach Angaben der australischen Internetaufsichtsbehörde haben die Plattformen seit Inkrafttreten des Gesetzes Mitte Dezember 4,7 Millionen Konten von Minderjährigen gelöscht.

    Frankreich als Vorreiter in Europa

    In Frankreich hat die Nationalversammlung Ende Januar ein Nutzungsverbot von Online-Netzwerken für Unter-15-Jährige auf den Weg gebracht. Sollte auch noch der Senat zustimmen, könnte die Reform bereits im September zum neuen Schuljahr in Kraft treten. 

    Weitere EU-Länder wollen nachziehen

    Dänemark kündigte im Oktober einen Gesetzesentwurf für ein Social-Media-Verbot für Heranwachsende unter 15 Jahren an. Eltern sollen aber die Möglichkeit behalten, ihren Kindern ab 13 Jahren die Nutzung zu erlauben. In Spanien wird derzeit ein Gesetzentwurf für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren geprüft. In Tschechien gibt es ähnliche Erwägungen.

    EU prüft verbindliche Altersgrenze

    Die EU-Kommission prüft derzeit die Einführung einer verbindlichen EU-weiten Altersgrenze für Social Media. Sie hat dazu bereits den Prototypen einer App vorgestellt, die das Alter auf dem Smartphone speichern und alle verbotenen Inhalte automatisch sperren soll. Auf dieser Basis könnte dann jedes EU-Land ein eigenes System entwickeln. 
    Eine sichere digitale Identifikation von Nutzerinnen und Nutzern wäre auch über die "EUID-Wallet" denkbar - eine Art digitale Brieftasche, in der EU-Bürger wichtige Dokumente wie ihren Personalausweis speichern können.

    Großbritannien: Gesetz im Oberhaus

    Im Vereinigten Königreich hat im Januar das Oberhaus für ein Verbot von Online-Netzwerken für Unter-16-Jährige gestimmt. Das Gesetz nach australischem Vorbild war von den Konservativen eingebracht worden. Die Labour-Regierung von Premierminister Starmer will sich das Vorhaben bisher nicht zu eigen machen. Britische Wissenschaftler warnten unterdessen vor Aktionismus.

    Strikte Kontrolle in China

    Seit 2021 müssen Nutzerinnen und Nutzer in der Volksrepublik ihr Alter mit einem Ausweisdokument nachweisen. Kinder unter 14 Jahren dürfen höchstens 40 Minuten täglich die chinesische Tiktok-Variante Douyin nutzen, auch die Zeit für Online-Spiele ist beschränkt.

    Internet-Riesen in den USA vor Gericht

    In den USA haben mehrere Bundesstaaten Gesetze verabschiedet, die den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu sozialen Medien einschränken oder Warnhinweise vorschreiben. Dazu zählen etwa Florida und New York.
    Der Google-Mutterkonzern Alphabet sowie Meta müssen sich in den USA zudem wegen des Vorwurfs der Förderung von Social-Media-Sucht bei Heranwachsenden verantworten. Den Konzernen wird vorgeworfen, ihre Plattformen Youtube, Facebook und Instagram gezielt suchtfördernd für Kinder und Jugendliche gestaltet zu haben. 

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    Diese Nachricht wurde am 17.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.