Donnerstag, 22. Februar 2024

Russland
Söldnerführer Prigoschin nach Flugzeugabsturz für tot erklärt

Der russische Söldnerführer Prigoschin ist nach einem Flugzeugabsturz in Russland für tot erklärt worden. Die Luftfahrtbehörde Rosawiazija veröffentlichte eine Passagierliste, auf der unter anderen Prigoschin und der offizielle Wagner-Kommandeur Utkin stehen. Alle zehn Insassen seien ums Leben gekommen, teilte der russische Zivilschutz mit.

24.08.2023
    Auf einer Wiese liegen Trümmerteile, aus denen Rauch und Flammen schlagen.
    Dieses Foto, das über Telegram bzw. die russische staatliche Agentur Tass verbreitet wurde, soll die Absturzstelle in der Region Twer nördlich von Moskau zeigen. (picture alliance / AA / Wagner Telegram Account)
    Auch der Telegram-Kanal Grey Zone, den Prigoschin zur Verbreitung seiner Videos nutzte, meldete den Tod des Chefs der Privatarmee Wagner. Eine amtliche Bestätigung oder eindeutige Belege für den Tod des langjährigen Vertrauten von Kremlchef Putin gab es bislang nicht.
    Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hatten Prigoschin und seine Söldner eine große Rolle gespielt, insbesondere bei der verlustreichen Eroberung und Zerstörung der Stadt Bachmut. Vor zwei Monaten meuterten die Wagner-Truppen und marschierten auf Prigoschins Geheiß auf Moskau zu, bis dieser die Aktion nach Verhandlungen stoppte. Putin bezeichnete Prigoschin daraufhin als Verräter.
    Grey Zone und einige Militärblogger verbreiten die These, dass der Absturz kein Unfall gewesen sei, sondern ein Racheakt der russischen Führung an der Wagner-Gruppe. Auch der kremltreue russische Fernsehsender Zargrad stellte den Verdacht eines Mordkomplotts gegen Prigoschin in den Raum. Er gab aber dem ukrainischen Militärgeheimdienst die Schuld am Absturz des Flugzeugs.
    Bundesaußenministerin Baerbock warnte im Deutschlandfunk vor Spekulationen. Der Absturz sei erst einige Stunden her, deswegen könne man keine schnellen Schlüsse ziehen. Der Vorfall unterstreiche aber, dass eine Diktatur, die auf Gewalt gebaut sei, auch intern nur Gewalt kenne. Das habe man "auf traurige, dramatische Art und Weise in den Vorjahren schon gesehen, wo Oppositionelle, wo Journalisten, wo einfache Menschen aus dem Fenster gefallen sind oder vergiftet worden sind".

    Weiterführende Informationen

    Einen Bericht über den Flugzeugabsturz hören Sie hier.
    In unserem Newsblog zum Krieg in der Ukraine finden Sie einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen.
    Diese Nachricht wurde am 24.08.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.