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SolarflugzeugMit Sonnenenergie auf Rekordjagd

Die "Solarstratos" ist eine solarbetriebene Maschine mit elektrischem Bug-Propeller. Ihre Entwickler wollen sie in zwei Jahren soweit haben, dass sie in Höhen aufsteigt, die kein Pilot am Steuer eines Solarfliegers jemals erreicht hat - bis weit in die Stratosphäre. Dabei geht es um mehr als nur Rekorde.

Von Volker Mrasek | 16.06.2017

Der Schweizer Abenteurer Raphael Domjan vor der Solarstraos und einem Raumfahrtanzug.
Der Schweizer Abenteurer Raphael Domjan will die Solarstraos fliegen. (picture alliance/ dpa - EPA/LAURENT GILLIERON)
Nein! Dies ist kein gewöhnlicher Propeller-Flug. Sondern eine Weltpremiere. [Geräusche von Solarstratos] So klingt die "Solarstratos". In Payerne in der Westschweiz absolvierte sie kürzlich erfolgreich ihren Erstflug. Das Besondere an der solarbetriebenen Maschine mit elektrischem Bug-Propeller: In rund zwei Jahren soll sie in Höhen aufsteigen, die kein Pilot am Steuer eines Solarfliegers jemals erreicht hat - bis weit in die Stratosphäre.
"Wir streben 25 Kilometer, also 25.000 Meter über [dem] Boden an."
Hinter dem Rekordprojekt steht die neugegründete Schweizer Firma Solarxplorers, geleitet von dem Elektroingenieur Roland Loos:
"Jetzt sind wir hier in unserer Basis, also einer Halle von etwa 450 Quadratmetern, die wir eigens für unser Projekt hier am Flughafen in Payerne gebaut haben."
"Michel Cunier ist unser Flugzeugtechniker. Und er arbeitet hier am Pitot-Rohr. Absolut wichtig, um dem Piloten die richtige Geschwindigkeit des Flugzeugs anzuzeigen."
Der neue Himmelsstürmer wurde in Deutschland gebaut
Der Hangar ist kaum breiter als die Maschine selbst. Ihre Spannweite: fast 25 Meter. Die Flügel sind vollgepackt mit Solarzellen. Sie versorgen den Propeller am Tag mit Energie und laden gleichzeitig eine Lithium-Ionen-Batterie auf. Die liefert nachts Speicherstrom, sodass die "Solarstratos" rund um die Uhr fliegen kann.
Entwickelt und gebaut wurde der neue Himmelsstürmer in Deutschland. Bei der Firma Elektra Solar, einer Ausgründung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Das Flugzeug besteht überwiegend aus Karbonfasern und ist ein Meisterwerk des Ultraleichtbaus. Konstantin Kondak, Technologie-Chef von Elektra Solar:
"Der leere Flieger wiegt um die 250 Kilogramm, ohne Batterien und ohne Equipment für wissenschaftliche Experimente. Das ist extrem leicht. Allerdings besteht die Besonderheit hier, dass wir diese Gewichtsklasse für einen bemannten Flieger erreicht haben. Wir sprechen hier von Nutzlasten bis zu hundert Kilogramm. Das ist einmalig."
Im Hangar ist jetzt auch Raphael Domjan erschienen - der Mann, der bis in die lebensfeindliche Stratosphäre aufsteigen will. Weil sein Flieger so leicht wie möglich sein sollte, gibt es keine Druckkabine. Der Pilot wird sich deshalb in einen Raumanzug zwängen müssen:
"Das ist ein Raumanzug, wie ihn russische Kosmonauten tragen. Fühlt sich an, als ob man in einem Reifen steckt. Ich bin sehr gespannt, wie es ist, damit zu fliegen."
Mehr als bloßes Spektakel
Hinter der Entwicklung solcher solaren Höhenflieger steckt aber mehr als bloßes Spektakel. Auch die US-Raumfahrtbehörde NASA und der europäische Luftfahrtkonzern Airbus verfolgen ähnliche Projekte. Man würde gerne eine ganze Flotte solarbetriebener Flugzeuge wochen- oder monatelang über den Wolken kreisen lassen. Dann nicht mit Piloten, sondern als unbemannte Drohnen. Mit einer autonomen Steuerung, wie sie Konstantin Kondak auch schon in der Solarstratos verbaut hat.
Solche Solar-Drohnen könnten in Zukunft schärfere Bilder von der Erde liefern als viel höher kreisende Satelliten. Und sie könnten als Kommunikationsplattformen dienen:
"Die Benutzer mit ihren Handys in der Hand bauen eine Verbindung auf zu dieser Plattform. Und dann geht ein Signal von einer Plattform zu der anderen und so über mehrere hundert Kilometer - sodass man irgendwo an einem Netzwerkknoten dann angebunden ist und dann einen breitbandigen Zugang zum Internet bekommt."
Doch bis eine solche Flotte von Drohnen aufgebaut und ausreichend getestet ist, wird noch einige Zeit vergehen:
"Für die richtige Anwendung, denken wir, wird die Technologie erst in fünf bis zehn Jahren so weit sein."
Nicht ganz so lange wird die Welt auf den Rekordflug der "Solarstratos" warten müssen. Der ist für Mitte 2019 geplant. Im selben Jahr könnte übrigens noch ein anderer Rekord geknackt werden. Ein Solarflugzeug soll dann erstmals die Erde nonstop umrunden – in nur fünf Tagen. Es ist das ehrgeizige Projekt eines russischen Milliardärs. Zwei Schweizer Solar-Piloten haben es zwar vor kurzem schon einmal um den ganzen Globus geschafft. Doch sie flogen dabei in vielen kleinen Etappen und brauchten am Ende mehr als ein ganzes Jahr für ihre sonnige Erdumrundung.