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StartseiteInformationen am MorgenMissbrauchsfall in Lügde bleibt "sehr unübersichtlich"27.02.2019

Sondersitzung des NRW-InnenausschussesMissbrauchsfall in Lügde bleibt "sehr unübersichtlich"

Im Fall des jahrelangen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde bei Detmold gibt es weitere Verdachtsfälle und Ermittlungen. Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul will jetzt alles lückenlos aufklären lassen – doch die Opposition ist skeptisch.

Von Vivien Leue

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Auf dem Campingplatz Eichwald, in der inzwischen eingezäunten Parzelle des mutmaßlichen Täters, hängt vor dem versiegelten Campingwagen, aus dem die Beweismittel stammen, die mittlerweile verschwunden sind, eine Banderole mit der Aufschrift: "Polizeiabsperrung".  (dpa / Guido Kirchner)
Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe waren Kinder für Pornodrehs missbraucht worden (dpa / Guido Kirchner)
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"Es ist ein Phänomen, das ich selber von Tag zu Tag nur noch mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehme. Täglich gibt es neue Sachen und Neuigkeiten, manche kann man sich kaum vorstellen. "

NRW-Innenminister Herbert Reul, CDU, zeigte sich bei der Sondersitzung des Landtags-Innenausschusses mindestens genauso fassungslos, wie die Abgeordneten, die er über die neuen Erkenntnisse im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs unterrichtete.

So gab es offenbar schon vor 17 Jahren einen Hinweis darauf, dass der heute Hauptbeschuldigte ein Mädchen missbraucht habe.

"Das ist ein irrer Vorgang. Dass wir viel früher als wir alle gedacht haben, schon Vorgänge hatten, die mit der hauptbeschuldigten Person zusammen hängen und man sich schon fragt: Warum ist man dem damals nicht nachgegangen?"

"Schwere handwerkliche Fehler der Polizei"

Die Fehler und Versäumnisse bei der zuständigen Kreispolizei Lippe – sie häufen sich. So sind auch die verschwundenen 155 CDs und DVDs mit möglichem Beweismaterial noch nicht wieder aufgetaucht. Ein deshalb vom Innenministerium entsandter Sonderermittler des Landeskriminalamtes sprach von schweren handwerklichen Fehlern der dortigen Polizei.

Diese verschwundenen Datenträger setzen Innenminister Reul jetzt politisch unter Druck. Denn: Als er vergangene Woche zuerst die Abgeordneten und dann die Öffentlichkeit darüber informierte, dass mögliches Beweismaterial verschwunden sei, sagte er, er habe selbst erst Anfang der Woche davon erfahren. Das stimmt so offenbar nicht, so Hartmut Ganzke von der SPD.

"Wir haben heute ganz klar mitbekommen, dass Herr Reul einräumen musste, dass er drei Tage vorher Bescheid wusste, dass die CDs, um die es hier geht, verschwunden sind."

Den Fall zur "Chefsache" gemacht

Sagt der Innenminister also nicht die ganze Wahrheit? Die Opposition im Landtag behält sich vor, diese Frage in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss klären zu lassen.

Innenminister Reul allerdings gibt sich gelassen. Er habe alle Informationen immer möglichst schnell weitergegeben. Der Fall sei nun einmal sehr unübersichtlich.

"Da werden noch viele Wochen viele Fragen offen sein, vielleicht finden wir auch nicht für alles Antworten am Ende, das kann ich nicht ausschließen."

Aber er werde alles daran setzen, dass die Fragen lückenlos aufgeklärt werden. Der Fall, er sei jetzt Chefsache.

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