Dienstag, 25.06.2019
 
Seit 01:30 Uhr Tag für Tag
StartseiteWirtschaft und GesellschaftTest für deutsche Stromnetze19.03.2015

SonnenfinsternisTest für deutsche Stromnetze

Morgen wird sich der Mond vor die Sonne schieben. Durch diese Sonnenfinsternis wird die Stromeinspeisung in Deutschland kurzzeitig deutlich sinken. Damit es nicht zu einem Blackout kommt, haben sich Netzbetreiber und Energieversorger seit langem auf das Ereignis vorbereitet. Spannend wird es, wenn der Tag sehr sonnig wird.

Von Volker Finthammer

Dutzende Sonnenkollektoren stehen am in einem Solarpark des Photovoltaik-Spezialisten IBC Solar an der Autobahn 70 bei Buckendorf (Bayern). (dpa / David Ebener)
Besitzer von Fotovoltaik-Anlagen können ihren erzeugten Strom auch speichern. (dpa / David Ebener)
Weiterführende Information

Astronomie - Partielle Sonnenfinsternis über Europa
(Deutschlandfunk, Sternzeit, 19.03.2015)

Solarstrom - Sonnenfinsternis als Härtetest für die Stromnetze
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, Gespräch mit Bruno Burger vom Freiburger Fraunhofer-Institut ISE, 17.03.2015)

Die vier großen Stromnetzbetreiber in Deutschland, die Unternehmen 50 Hertz, Ampirion, Tennet und Transnet, haben in der vergangenen Woche alle Stromproduzenten dazu aufgerufen, für den heutigen Handelstag, der den morgigen Strombedarf vorwegnimmt, ausreichend kurzfristig einsetzbare Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, damit es nicht zu einem Blackout im deutschen und europäischen Stromnetz kommen wird, wenn sich morgen Vormittag der Mond vor die Sonne schiebt.

Denn mittlerweile sind in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 39 Gigawatt installiert, die zumindest bei schönem Wetter innerhalb kurzer Zeit im Schnitt 70 Prozent weniger Strom produzieren, deren Produktion zum Ende der Sonnenfinsternis aber wieder schnell auf die volle Leistung ansteigen wird.

"Also, wenn wir einen sonnigen Tag haben sollten, dann wird es in Deutschland so sein, dass wir in der Stunde, wo sich der Mond vor die Sonne schiebt, einen Leistungsabfall haben werden von ungefähr 12.000 Megawatt an Fotovoltaik-Leistung und dieser Abfall muss sozusagen ausgeglichen werden, in der Regel durch konventionell erzeugten Strom. Und sobald sich der Mond von der Sonne wieder wegbewegt, müssen diese konventionellen Anlagen wieder heruntergeregelt werden", sagt Volker Kamm, Sprecher des Stromnetzbetreibers 50 Hertz, der für ganz Ostdeutschland und Hamburg zuständig ist.

Weil bei schönem Wetter also innerhalb kurzer Zeit ein Leistungsabfall von zwölf Großkraftwerken kompensiert werden muss, in der darauffolgenden Stunde aber wieder die Leistung von bis zu 19 Gigawatt Solarstrom ans Netz geht, hatten die Stromnetzbetreiber sogar darüber nachgedacht, die Solaranlagen für diesen Tag abzuschalten.

Doch da sich die wenigsten Anlagen zentral gesteuert vom Netz nehmen lassen, soll diese erhebliche Schwankung jetzt durch kurzfristige Zu- und Abschaltung konventioneller Anlagen erfolgen. Das ist zugleich ein wichtiger Hinweis darauf, wie sehr sich der Strommarkt im Zeichen der Energiewende bereits flexibilisiert hat. In Frankreich etwa ist dieser Regelungsbedarf noch kein großes Thema.

Einfluss durch die Zunahme von Solar- und Windenergie

Mit der Zunahme von Solar- und Windenergie muss mittlerweile für jeden Tag ein variables Einspeiseszenario für das deutsche Stromnetz festgelegt werden, das die Wetterbedingungen für Wind und Sonne besonders berücksichtigt. Die Sonnenfinsternis ist unter diesem Gesichtspunkt nur ein extremer Ausreißer. Das zeigt sich auch bei den heutigen Preisen am Spotmarkt in Paris, wo dieser kurzfristige Strombedarf gehandelt wird.

Der kleinste handelbare Zeitabschnitt umfasst eine Viertelstunde. Für die Zeit morgen zwischen 10.30 Uhr und 11.15 Uhr wurden neue Höchstpreise erzielt. Während an normalen Tagen Spitzenlasten mit 90 Euro pro Megawattstunde zu Buche schlagen, konnten heute Kontrakte zu 464 Euro pro Megawattstunde abgeschlossen werden. Allerdings fällt der Preis auch wieder auf minus 164 Euro, sobald die Solaranlagen wieder ans Netz gehen.

Von einer guten Lösung spricht Volker Quaschning, Professor für erneuerbare Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin:

"Wir haben ja das Problem derzeit, dass bei der Energiewende sehr viel schief läuft. Die Kraftwerke, die wir generell brauchen, die Gaskraftwerke, die rechnen sich derzeit gar nicht und gerade bei der Energiewende haben wir durch die Solar- und Windenergie mehr Schwankungen. Das heißt, wir brauchen eigentliche Kraftwerke, die das ausgleichen und die müssen sich irgendwann wieder rechnen."

Das wird auch durch die Sonnenfinsternis nicht gelingen, aber der eingeschlagene Weg zeigt schon, wie sich der Strommarkt auf die neuen, wechselhaften Bedingungen der deutschen Energiewende einstellt.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk