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StartseiteGesichter EuropasSowjetische Kriegsgefangene in Russland und Deutschland08.06.2019

Spätes GedenkenSowjetische Kriegsgefangene in Russland und Deutschland

Am 22. Juni 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs gerieten über fünf Millionen sowjetische Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Mehr als die Hälfte von ihnen starb und die Überlebenden erwartete in der Sowjetunion neues Leid.

Von Andrea Rehmsmeier

Foto aus dem Jahr 1941 zeigt russische Kriegsgefangene auf dem Weg zur Exekution im russischen Kriwoj Rog (vermutlich aufgenommen am 15.10.1941). Das Foto wird in der neuen Wehrmachtsausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht zwischen 1941 und 1944 zu sehen sein. (dpa / picture alliance / Institut für Sozialforschung Hamburg)
Russische Kriegsgefangene auf dem Weg zur Exekution im Oktober 1941 (dpa / picture alliance / Institut für Sozialforschung Hamburg)

Die Rotarmisten, die nach Kriegsende in ihr Land zurückkehrten, wurden von der sowjetischen Propaganda als Volksverräter und Spione diffamiert, viele wurden nach ihrer Heimkehr Opfer von Stalins Repressionen.

Verschweigen und Verdrängen hat die Geschichte vieler Kriegsgefangenen-Familien lange geprägt. Inzwischen werden ihre Lebenswege dokumentiert, rekonstruiert und aufgearbeitet – in Deutschland wie in Russland. Ein Blick in die Vergangenheit, der nicht leicht fällt.

Ein historisches Foto (Häftlinge bei der Arbeit) in der Ausstellung im Gulag Perm 36. Das Arbeitslager am Dorf Kucino befindet sich ca. 90 Kilometer östlich der Stadt Perm im Ural. (imago / Hohlfeld ) (imago / Hohlfeld )Spätes Gedenken in Russland
Geheimdienstverhöre und Zwangsarbeit im Gulag – das drohte sowjetischen Soldaten, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus deutscher Kriegsgefangenschaft zurückkamen. Denn die Sowjet-Führung betrachtete sie als Verräter. Immer mehr Familien arbeiten dies auf.

Eine Bild des sowjetischen Soldaten Dmitrij Tarchow und die Personalkater aus dem Kriegsfefangenenlager Wietzendorf sind im Rahmen der  Ausstelung "Erinnerungsbrücke, Rückkehr nach Hause" in Perm zu sehen. (Deutschlandradio / Andrea Rehmsmeier) (Deutschlandradio / Andrea Rehmsmeier)Die "Erinnerungsbrücke" in Perm
Personalkarten, Kennnummern, Wohnort – die deutsche Wehrmacht führte genau Buch über Kriegsgefangene. Diese Daten helfen russischen Experten ihr Schicksal zu erforschen und öffentlich zu präsentieren. Das setzt in Russland immer noch viele Emotionen frei.

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Sowjetische Soldaten auf dem Marsch in die deutsche Kriegsgefangenschaft (picture-alliance / RIA Nowosti) (picture-alliance / RIA Nowosti)Mit Superhelden den Krieg erklären
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Hunger, Kälte, Krankheiten – die gut fünf Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen litten unter dem NS-Regime besonders hart, mehr als die Hälfte von ihnen starb. Eine Gemeinde in Niedersachsen, in der ein Kriegsgefangenenlager stand, arbeitet diese Geschichte jetzt auf.

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