Montag, 17.12.2018
 
Seit 14:10 Uhr Deutschland heute
StartseiteEuropa heuteEine Wohnung ist für jeden lebensnotwendig20.07.2018

SpanienEine Wohnung ist für jeden lebensnotwendig

In den spanischen Städten ist der Wohnraum knapp. Die Mietpreise für Häuser und Wohnungen sind in den letzten Jahren gestiegen. Besonders deutlich zeigt sich das in den Urlaubsregionen, zum Beispiel auf Mallorca. Zu viele Wohnungen werden als Ferienwohnungen angeboten.

Von Oliver Neuroth

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Plakat an einem Wohnhaus wendet sich gegen gegen Massentourismus auf der Insel Palma de Mallorca, fotografiert am 13.06.2017. Eine Initiative fordert "Ciutat per a qui l habita, no per a qui la visita" - "Die Stadt für die Bewohner, nicht für die Besucher". (dpa / Jens Kalaene)
Proteste gegen Tourismus auf Mallorca (dpa / Jens Kalaene)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Hausbesetzungen in Spanien Das okkupierte Feriendomizil

Spanien Kampf gegen steigende Mietpreise

Spanien zehn Jahre nach der Krise Alles wieder gut?

Demonstranten mit Strohhut und Flip Flops. Eine Gruppe Mallorquiner zieht durch die Innenstadt von Palma - verkleidet als Touristen. "Die Stadt den Bewohnern" steht auf ihren Transparenten. Ihrer Ansicht nach ist Palma überschwemmt von Urlaubern. Und weil sie für viel Geld in Stadtwohnungen einquartieren, können sich die Einheimischen die Mieten nicht mehr leisten. So geht es zum Beispiel Miguel. Er findet seit Jahren keine bezahlbare Wohnung in Palma und entschied sich deshalb für einen drastischen Weg: Der Geringverdiener brach vor ein paar Monaten in eine leer stehenden Wohnung ein und lebt seitdem dort:

"Ich will niemandem etwas wegnehmen. Ich habe immer gearbeitet, doch das Geld reicht einfach nicht für die Miete hier in Palma. Ich habe schon auf der Straße gelebt mit meinen Kindern. Ich musste einfach eine Wohnung besetzen."

Leer stehende Wohnungen werden besetzt

Eine Art Trend in Spanien: Nach Schätzungen sind zurzeit knapp 90.000 Häuser und Wohnungen im Land besetzt. In der spanischen Verfassung ist das "Recht auf würdigen Wohnraum" verankert - genau darauf berufen sich die meisten Besetzer. Menschen wie Miguel, die aus Not in eine fremde Wohnung einsteigen - aber auch kriminelle Banden. Joan Segura von der Initiative "Stop Decaudios", "Stoppt Zwangsräumungen", die Hausbesetzer unterstützt.

"Eine Wohnung ist für jeden lebensnotwendig. Ohne eine Wohnung fehlt Dir jegliche Lebensqualität. Daher ist es absolut legitim, dass eine Familie - wenn es nicht anders geht - eine Wohnung besetzt oder eine Sozialwohnung beansprucht."

Die Gesetzeslage macht es Wohnungsbesitzern wiederum schwer, die ungebetenen Gäste wieder vor die Tür zu setzen: Wer länger als 48 Stunden ein Haus besetzt, darf erst einmal bleiben. Für den Deutschen Johannes Deuter aus Cochem an der Mosel ein Unding. Er besitzt ein Ferienhaus in Santa Ponsa auf Mallorca, in das sich vor kurzem Eindringlinge einquartiert hatten. Die Haushälterin kam nicht mehr hinein - das Türschloss war ausgetauscht:

"Ich hätte nie gedacht, dass es uns trifft. Also traf es mich wie ein Schlag. Wir haben den nächsten Flug genommen und sind nach Mallorca geflogen, dann zum Haus, wollten selber rein und standen dann nicht nur vor verschlossenen Türen, sondern auch vor einem Tor zur Einfahrt, das verriegelt war mit Fahrradschlössern und kamen gar nicht rein."

Auf Mallorca ist Vermietung an Urlauber verboten

Seit diesem Sommer haben es Immobilienbesitzer immerhin etwas leichter, Besetzer loszuwerden: Die spanische Regierung hat die entsprechenden Gesetze geändert, sodass eine Zwangsräumung innerhalb von 20 Tagen möglich ist. Vorher dauerten solche Verfahren oft Monate. Einige Städte haben außerdem Schritte unternommen, um gegen die Ursachen von Wohnungsbesetzungen vorzugehen: In Palma de Mallorca dürfen Immobilienbesitzer ihre vier Wände zum Beispiel nicht mehr an Urlauber vermieten. Das soll den Mietmarkt entspannen, sagt Bürgermeister Antoni Noguera:

"Als Bürgermeister muss ich verhindern, dass die Einheimischen wegen der hohen Mietpreise nicht mehr in der Stadt leben können. Deshalb ist diese Entscheidung. Und ich fordere alle Bürger auf, sich daran zu halten."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk