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StartseiteCampus & KarriereDie Sprache ist oft das größte Problem08.08.2016

Spanische Auszubildende in DeutschlandDie Sprache ist oft das größte Problem

Im Herbst 2013 hatten 32 junge Spanierinnen und Spanier eine Ausbildung im Handwerk in Mittelhessen begonnen. Jetzt stehen weniger als die Hälfte kurz vor ihrer Gesellenprüfung. Der Rest hat abgebrochen. Vor allem Azubis unter 20 hatten Schwierigkeiten, in Deutschland Fuß zu fassen. Als Hindernis erwies sich oft die Berufsschule.

Von Ludger Fittkau

Zwei Auszubildende aus Spanien bei einer Firma in Karlsruhe (picture-alliance / dpa / Uli Deck)
Zwei Auszubildende aus Spanien 2012 bei einer Firma in Karlsruhe. Viele brechen ab. (picture-alliance / dpa / Uli Deck)
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Xavier Cruz López sieht ein bisschen erschöpft aus. Ein langer Arbeitstag auf einer Baustelle in Frankfurt am Main liegt hinter dem 26-Jährigen, der vor knapp drei Jahren aus dem Raum Barcelona nach Hessen kam. Er begann damals eine Ausbildung im Bereich "Sanitär-Heizung-Klima" bei der Gießener Firma Reitz-Topmann: "Wir hatten im letzten Jahr die Zwischenprüfung und jetzt im Dezember werden wir die Gesellenprüfung machen."

Zur Gesellenprüfung im Winter werden allerdings nur noch 15 der einst 32 jungen Spanierinnen und Spanier antreten, die im Oktober 2013 im Raum Mittelhessen eine Ausbildung zu Elektronikern, Anlagenmechanikern oder Dachdeckern begonnen hatten. Organisiert hatte das Programm die Handwerkskammer Wiesbaden mit Unterstützung der hessischen Landesregierung. Dr. Martin Pott, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kammer: "Wir sind, was das Endergebnis betrifft, natürlich ein bisschen traurig, dass es nur noch die Hälfte ist. Die Qualität stimmt aber und wir glauben, sie machen gute Abschlussprüfungen. Und die Mehrheit hat schon deutlich signalisiert, dass sie in Deutschland bleiben wollen oder zumindest im Umfeld ihrer Firmen."

Heimweh, falsche Vorstellungen und Sprachprobleme

Heimweh, das kalte Klima in Mittelhessen, falsche Vorstellungen über den Lehrberuf, Sprachprobleme – das waren Gründe, die dazu führten, dass die Hälfte der spanischen Auszubildenden ihre Lehre wieder abbrach. Doch Xavier Cruz Lopez hat die Widerstände überwunden. Geholfen hat ihm dabei, dass seine spanische Freundin vor drei Jahren zu ihm gezogen ist: "Wir wohnen zusammen hier in Gießen, ja ich glaube, es hat es mir einfach gemacht, mit meiner Freundin hier zu wohnen."

Der ebenfalls 26 Jahre alte Cristian González Abenza ist der zweite von einst  drei spanischen Anlagemechaniker-Lehrlingen, die ihre Ausbildung bei der Gießener Firma mit der Gesellenprüfung beenden werden. Ein großer Vorteil der beiden war, dass sie bereits älter als 20 Jahre waren, als sie nach Deutschland kamen.

Jüngere Azubis hatten größere Integrationsprobleme, bestätigt auch der Personal-Verantwortliche eines Industrieunternehmens in Mainz, der ungenannt bleiben will. Seine Firma, ein internationaler Konzern, hatte insgesamt fünf spanische Azubis eingestellt. Drei stehen dort nun vor der Gesellenprüfung.

Jörg Halbich ist Unternehmenssprecher der Gießener Firma Reitz-Topmann, bei der Xavier Cruz Lopez und Cristian González Abenza ihre Ausbildung machen: "Beim Xavier war natürlich der Vorteil, da ist die Freundin gleich mitgekommen, das war gut. Klar, der hat dann gleich seine kleine Familie hier gehabt. Aber auch der Christian, der sehr heimatverbunden ist, der ein totaler Familienmensch ist, nutzt seinen Urlaub, um nach Hause zu fahren und freut sich aber genauso wieder hier her zu kommen und hier weiterzuarbeiten."

Berufsschulunterricht wird zur Hürde

Martin Pott von der Handwerkskammer Wiesbaden betont, man habe aus dem Projekt mit den spanischen Auszubildenden für künftige Programme -  etwa mit Flüchtlingsjugendlichen – viel  gelernt: "Wir haben gemerkt, das größte Problem, das zieht sich bis heute durch, ist das Thema Sprache. Sprache, Sprache und nochmals Sprache. Für die jungen Leute war es in den Betrieben etwas leichter mit der Sprache, denn sie hatten Kollegen, die es ihnen gezeigt haben, worum es geht. Mit Händen und Füßen. Der Berufsschulunterricht, der parallel zu einer Ausbildung wichtig ist, der war schon etwas schwieriger, weil sie in ganz normalen, gemischten Klassen waren."

Doch auch da konnte manchmal der Betrieb helfen, berichtet Jörg Halbich von der Gießener Firma Reitz-Topmann: "Klar, schulische Barrieren, gerade in der Schule ist es natürlich schwierig, mitzukommen. Wir haben hier hausintern – das dritte Lehrjahr – die haben dann Nachhilfe gegeben, in Mathe. Wir haben hier selbst Deutsch-Nachhilfe gegeben, wenn sie Fragen hatten. Sie haben natürlich auch immer ein offenes Ohr bekommen, egal, wo sie reingekommen sind. Selbst, wenn sie zum Geschäftsführer rein gegangen sind und haben eine Frage gehabt, selbst da wurde dann eben die Tür nicht zugemacht."

Unter dem Strich, sagt Xavier Cruz Lopez, habe sich für ihn trotz aller Widrigkeiten die Ausbildung im Ausland gelohnt- auch als eine Erfahrung fürs Leben. Wie einige andere spanische Auszubildende kann er sich durchaus vorstellen, auch nach der Gesellenprüfung in Deutschland zu arbeiten. Denn Wärme, schöne Landschaft und das Mittelmeer machen nicht satt, sagt der junge Katalane: "Ich bin hier angekommen, wegen der Arbeit und um eine gute Zukunft zu suchen. Aber ich empfehle allen Leuten, mal im Ausland zu wohnen. Das ist die beste Erfahrung, ja."

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