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StartseiteSportgespräch"Die Messlatte ist hoch gelegt"09.08.2020

Speerwurf-Trainer Obergföll"Die Messlatte ist hoch gelegt"

Die Deutschen Meisterschaften seien für die Leichtathleten extrem wichtig, sagt Speerwurf-Bundestrainer Boris Obergföll im Dlf-Sportgespräch. So gebe es zumindest einen Saisonhöhepunkt. Obergfölls größte Aufgabe wird es perspektivisch sein, das extrem hohe Niveau der deutschen Speerwerfer zu halten.

Boris Obergföll im Gespräch mit Raphael Späth

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Johannes Vetter hat den Speer kurz vor dem Wurf nach hinten gestreckt. (imago images / Beautiful Sports / Axel Kohring)
Johannes Vetter ist neuer Deutscher Meister im Speerwurf (imago images / Beautiful Sports / Axel Kohring)
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Die Deutschen Leichtathletikmeisterschaften seien aufgrund der Absage der Europameisterschaften und der Olympischen Spiele extrem wichtig, sagt der Speerwurf-Bundestrainer der Männer, Boris Obergföll. Wettkämpfe hält er auch psychologisch für äußerst bedeutend.

Von den aktuell fünf deutschen Werfern, die zur Weltspitze gehören, waren allerdings nur zwei in Braunschweig am Start. Den Sieg holte sich Johannes Vetter, den Obergföll auch als Heimtrainer betreut, vor Andreas Hofmann. Vetter warf mit 87,35 Metern zehn Meter weiter als Hofmann.

"Die Wertigkeit und auch die Qualität leidet jetzt nicht darunter, dass die anderen drei nicht dabei sind", sagt Obergföll. Auch in anderen Jahren seien immer wieder Athleten etwa wegen Verletzungen nicht bei den nationalen Meisterschaften dabei gewesen.

In Bezug auf die Ergebnisse der deutschen Speerwerfer kam Obergföll die Verschiebung der Spiele gar nicht ungelegen: "Für mich war das jetzt eher ein Vorteil als ein Nachteil, dass die Spiele jetzt nicht stattgefunden haben", sagt er. Aktuelle Verletzungen wären ein Nachteil für die deutschen Werfer gewesen, die sie nun bis zum kommenden Jahr überwinden können.

Obergföll verzieht den Mund anerkennend oder skeptisch. (imago images / Sven Simon)Speerwurf-Bundestrainer Boris Obergföll (imago images / Sven Simon)

Mit Blick auf das frühe Karriereende von Hürdenläuferin Jackie Baumann sagt Obergföll, dass der Druck zwar mit sportpsychologischer Hilfe steuerbarer würde, aber auch einfach Teil im Leistungssport sei.

Der Druck für ihn? Aktuell werfen fünf deutsche Speerwerfer in der Weltelite mit. Da sei die Messlatte hoch gelegt. Die Athleten würden nun älter und wer komme nach den fünf Topleuten? Doch Obergföll sagt, dass er genau diese erfolgreiche Situation erzeugen wollte. Nun werde wohl in ein paar Jahren eine Phase mit schwächeren Leistungen kommen.

Die Hürdenläuferin Jackie Baumann (dpa / picture alliance / Fusswinkel) (dpa / picture alliance / Fusswinkel)Hürdenläuferin Jackie Baumann - "Die Wettkämpfe waren nur noch eine Belastung"
Jackie Baumann hat überraschend ihre Leichtathletik-Karriere beendet – mit nur 24 Jahren. Die mentalen Probleme hätten bei ihr Überhand genommen, sagte Baumann im Dlf. Sie kritisierte, dass im Sport fast nur über körperliche Verletzungen gesprochen werde, aber fast nie über die Seelischen.

Denn trotz der Erfolge der letzten Jahre gebe es aktuell keine Talentflut an Speerwerfern in Deutschland. "Im Nachwuchsbereich sind die Frauen besser."

"Warum soll man den Athleten da nicht auch ein gewisses Mitsprachrecht einräumen?"

"Es ist gut, wenn sich die Athleten da ein gewisses Gehör verschaffen", sagt Obergföll über die verstärkten Bemühungen aktiver Sportler, Einfluss auf Strukturen zu nehmen, "weil es immer besser ist, wenn man in Kommunikation mit den Athleten ist, im Austausch. (…) Ohne Athleten keine Spiele, also warum soll man den Athleten da nicht auch ein gewisses Mitsprachrecht einräumen?"

Obergföll war selbst in den 90er Jahren und kurz nach der Jahrtausendwende erfolgreicher Speerwerfer. Seine Generation habe es möglicherweise verpasst, selbst schon mehr Einfluss zu gewinnen. Allerdings habe es die heutigen technischem Kommunikationsmöglichkeiten noch nicht gegeben und auch keine Athleten, die so eine Bewegung als Motor angetrieben hätten.

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