Samstag, 18. Mai 2024

Kritik an Entwicklungsplan
Landessportbünde bleiben Bewegungsgipfel fern

Damit Kinder und Jugendliche sich mehr bewegen, sollte beim Bewegungsgipfel in Berlin ein Entwicklungsplan Sport beschlossen werden. Doch daraus wurde nichts. Aus Enttäuschung über den Entwurf hatten die 16 Landessportbünde beschlossen, der Veranstaltung fernzubleiben.

Von Wolf-Sören Treusch | 12.03.2024
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), beim Rundgang über einen Sportparcours anlässlich des zweiten Bewegungsgipfels in Berlin
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), beim Rundgang über einen Sportparcours anlässlich des zweiten Bewegungsgipfels in Berlin (Bernd von Jutrczenka / dpa / Bernd von Jutrczenka)
Golden schimmert die Kuppel im Sonnenlicht. So spektakulär der Anblick: Im historischen Kuppelsaal des Berliner Olympiaparks wird heute keine Geschichte geschrieben. 33 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Sport sitzen an Tischen, die zu einem riesigen Quadrat geformt sind, und präsentieren sich gegenseitig längst bekannte Statements. Den Anfang macht Bundesinnenministerin Nancy Faeser. "Viel zu viele junge Menschen in Deutschland bewegen sich viel zu wenig. Ich bin sicher, das trifft auch auf die eine oder den anderen hier am Tisch zu. Ich nehme mich selbst da nicht aus, das ist aber gerade bei Kindern und Jugendlichen für deren Entwicklung schwierig", sagt Faeser.

Kritik aus dem organisierten Sport

Gefühlt jeder und jede der Anwesenden darf sich dazu äußern. Kein Wort jedoch darüber, warum genau das Bundesinnenministerium den ersten Entwurf des Entwicklungsplans Sport vor kurzem zurückgezogen hat. Eigentlich hätte dieser auf dem zweiten Bewegungsgipfel verabschiedet werden sollen. Doch gerade aus den Reihen des organisierten Sports kam heftige Kritik. Jetzt kündigt die Bundesinnenministerin an, im Sommer ein Ergebnis vorzulegen und den Entwurf dann mit allen Beteiligten erneut zu diskutieren.
"Und ich kann Ihnen auch zusagen, dass ich meine ganze Kraft dafür einsetzen werde, das dann auch mit Geld zu hinterlegen, das ist der Werbeblock für die Bundestagsabgeordneten, bei den nächsten Haushaltsberatungen", sagt Faeser. "Und ich bin sicher, dass wir für die Bewegung der Menschen, insbesondere der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, viel gemeinsam bewegen können. Vielen Dank."

"Entwurf hat die Erwartungen nicht erfüllt"

Von der erhofften Einigkeit jedoch fehlt jede Spur. Weil sie enttäuscht sind vom ersten Entwurf des Strategiepapiers, hatten die 16 Landessportbünde schon im Vorfeld angekündigt, den heutigen Bewegungsgipfel zu boykottieren. Kerstin Holze, Vizepräsidentin im Dachverband DOSB, versteht den Ärger ihrer Kolleginnen und Kollegen. "Was mir vor allem fehlt, ist die Verbindlichkeit und die Zuständigkeit und wie wir das umsetzen, also mit welchen Ressourcen?", fragt Holze. "Der Entwurf hat nicht die Erwartungen, die wir als organisierter Sport an ihn hatten, erfüllt. Aber ich habe auch gesehen, dass in dem Prozess und in der Auseinandersetzung mit diesem Entwurf unsere Anmerkungen ernst genommen wurden, und die Frage ist ja: was gibt es für eine Alternative zum Sportentwicklungsplan? Aus meiner Sicht gibt es keine."
Der DOSB fordert daher vom Bund ein klares Bekenntnis zu Sportdeutschland. Es müsse endlich etwas geschehen, damit es bessere Sportangebote in Schulen, Kitas und Vereinen gebe, Investitionen in Sportstätten, frühzeitiger Schwimmunterricht für alle. Die Liste der drängenden Aufgaben ist lang. Eine der Teilnehmerinnen sagt am Ende, Sport bringe vor allem Spaß. Am meisten im Team. Könnte ein guter Vorsatz sein für alle Beteiligten.