Freitag, 12. April 2024

Zum Tod von Andreas Brehme
Der Mann, der Deutschland 1990 zum Titel schoss

Franz Beckenbauer nannte ihn "einen der perfektesten Fußballer, den wir haben." Andreas Brehme hat mit seiner Ballbehandlung und Menschlichkeit für Fußball-Momente gesorgt, die sich eingebrannt haben. Nun ist er überraschend mit 63 Jahren verstorben.

Von Marina Schweizer und Maximilian Rieger | 20.02.2024
Andreas BREHME (r.), Deutschland, erzielt im WM-Finale per Elfmeter das Tor zum 1:0 gegen Torhueter Sergio Goycoechea
WM-Finale 1990: Andreas Brehme verwandelt den Elfmeter gegen Argentinien und wird zum Helden von Rom. (picture-alliance / Sven Simon)
Es ist der Moment, in dem Andreas Brehme Fußballgeschichte schreibt: Im WM-Finale 1990 steht er in der 85. Minute am Elfmeterpunkt bereit. Es steht 0:0, die spielerisch überlegene deutsche Mannschaft hat es noch nicht geschafft, die argentinische Abwehr zu überwinden.
Auf der Torlinie lauert Sergio Goycochea, der die Argentinier durch seine Elfmeter-Paraden erst ins Endspiel gebracht hat. Auch diesmal ahnt er die Ecke. Aber der flache Rechtsschuss von Brehme ist zu platziert, zu hart und schlägt direkt neben dem Pfosten ein. „Goycochea wusste alles. Nur halten konnte er ihn nicht“, jubelt ARD-Reporter Gerd Rubenbauer.

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"Ich will nicht der Größte von Deutschland werden"

Wenige Minuten später ist Deutschland zum dritten Mal Weltmeister. Rom versinkt im Schwarz-Rot-Goldenen Jubel, im Jahr der Einheit feiert ganz Deutschland seine Fußballer. Und Brehme steht in einer Reihe mit Helmut Rahn und Gerd Müller, den WM-Siegtorschützen 1954 und 1974.
Eine Ehre, die für Brehme im Moment des Triumphs aber nicht wichtig ist. „Ich hab' gesagt: Ich fühl mich ganz wohl, den mach ich jetzt rein“, sagt Brehme nach der Landung in Deutschland. „Es ging mir jetzt nicht darum, ich will der Größte von Deutschland werden. Für mich war's egal, wichtig ist für uns: Wir sind Weltmeister. Ich hätte mich genauso gefreut, wenn Thomas Berthold oder ein anderer das Tor gemacht hätte.“
Der deutsche Abwehrspieler Andreas Brehme (l.) hält vor der Abfahrt des DFB-Mannschaftsbusses in Rom den eroberten WM-Pokal im Arm und sein Teamgefährte Thomas Häßler schaut lächelnd zu.
Nach dem Finaltreffer: Andreas Brehme mit dem WM-Pokal 1990. (picture-alliance / dpa / Frank Kleefeldt)

Dank Beidfüßigkeit zur Weltklasse

Der Weltmeistertitel ist der Höhepunkt einer Karriere, die in Hamburg beginnt. In der Jugend spielt Brehme beim HSV Barmbek-Uhlenhorst. Sein Vater, selbst ehemaliger Regionalliga-Spieler, fördert den jungen Andreas von Anfang an – und achtet vor allem darauf, dass sein Sohn mit beiden Füßen gleich gut passen und schießen kann.
Dank seiner guten Technik setzt sich Andreas Brehme erst beim 1. FC Saarbrücken und dann beim 1. FC Kaiserslautern in der 1. Bundesliga durch. Der Fußballer ist vielseitig einsetzbar, spielt sowohl in der Abwehr als auch im Mittelfeld. Als er 1986 für zwei Millionen D-Mark zum FC Bayern München wechselt, ist das die damals zweithöchste Summe für einen Transfer innerhalb der Bundesliga.

Tränenreicher Abstieg

In München gewinnt er seine erste deutsche Meisterschaft, bevor er dann zu Inter Mailand wechselt. Dort wird er ebenfalls Meister, holt zudem 1991 den UEFA-Pokal. 1993 kehrt Andreas Brehme nach Kaiserslautern zurück und erlebt dort drei Jahre später seinen sportlichen Tiefpunkt. Am letzten Spieltag kämpfen die roten Teufel um den Klassenerhalt, mit Brehme als Kapitän.
Bis zur 82. Minute führen die Lauterer beim direkten Kontrahenten Leverkusen mit 1:0, dann erzielt Markus Münch den Ausgleich für Leverkusen. Kaiserslautern steigt zum ersten Mal aus der Bundesliga ab. Brehme weint bitterlich an der Schulter seines Freundes Rudi Völler, der damals bei Leverkusen spielt.

Das perfekte Ende einer Spielerkarriere

Der Sieg im DFB-Pokal-Finale wenige Tage später zeigt aber, was eigentlich in der Mannschaft steckt. In der Saison darauf gelingt der direkte Wiederaufstieg, es sollte eigentlich die letzte Saison für Brehme sein.
Er entscheidet sich aber, noch eine Spielzeit dranzuhängen – und verabschiedet sich so mit dem größtmöglichen Erfolg: Lautern gewinnt als erster Aufsteiger überhaupt die deutsche Meisterschaft. Brehme reckt die Meisterschale am letzten Spieltag in seiner Heimatstadt Hamburg in die Luft.

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In seiner kurzen Zeit als Trainer ist Brehme weniger erfolgreich. Er führt Kaiserslautern zwar in das Halbfinale des UEFA-Cups und stellt im Jahr darauf mit sieben Siegen am Stück den Bundesliga-Startrekord ein. Sein Team verpasst aber die Qualifikation für das internationale Geschäft. 2002 wird er schließlich entlassen.
Seinen Platz in der deutschen Fußballgeschichte hatte sich Brehme da schon lange gesichert. „Er ist einer der perfektesten Fußballer, den wir haben“, schwärmte Franz Beckenbauer, der als Teamchef die Weltmeistermannschaft 1990 trainiert hat.

Inter-Legende Zenga: "Du bist zu früh gegangen"

Seine Freunde und Weggefährten erinnern aber nicht nur an die fußballerischen Fähigkeiten. „Seine wunderbare Lebensfreude wird mir fehlen“, schreibt Rudi Völler nach dem Tod von Brehme. Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf würdigt Brehme als einen der größten und besten Fußballer der deutschen Geschichte. „Ich erinnere mich genauso an einen ehrlichen, aufrichtigen, herzlichen, großartigen Menschen. An einen, der immer zur Stelle war, wenn es darum ging, anderen zu helfen.“

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Auch aus Italien gibt es Trauerbekundungen. Inter Mailand hat angekündigt, im Champions-League-Spiel gegen Atletico Madrid mit Trauerflor zu spielen. Und Brehmes ehemaliger Teamkollege, Inters-Torwart-Legende Walter Zenga, schreibt auf Instagram: „Du bist zu früh weggegangen. Aber ich weiß, dass du uns von oben beschützen wirst. Und wie immer wirst du dort stehen und die Elfmeter schießen, einen mit dem Rechten und einen mit dem Linken.“
So wie damals in der Nacht von Rom.