Neuer Wettbewerb der UEFA
Nations League der Frauen startet - mit vielen Unterschieden zu den Männern

Die UEFA startet am Wochenende die Nations League der Frauen. Der Name ist derselbe wie bei den Männern - der Wettbewerb unterscheidet sich aber in vielen Details.

Von Chaled Nahar | 19.09.2023
    Spielerinnen des deutschen Nationalteams
    Spielerinnen des deutschen Nationalteams (IMAGO / Sven Simon / IMAGO / Frank Hoermann / SVEN SIMON)
    Das deutsche Team startet am Freitag (18 Uhr) in Viborg gegen Dänemark in den neuen Wettbewerb. Im Gegensatz zur Nations League der Männer gibt es aber eine viel deutlichere Verzahnung zur Qualifikation für Welt- und Europameisterschaften, auch die Plätze bei Olympia werden hier vergeben.

    Wie funktioniert das Turnier?

    Es gibt bei der Erstauflage 2023/24 drei Ligen: A, B und C. In jeder Liga gibt es mehrere Gruppen, zum größten Teil mit vier Teams, aber auch mit drei Teams. Sie spielen in Hin- und Rückspiel gegeneinander. Die vier Gruppensieger der Liga A bestreiten das Finalturnier mit Halbfinale und Endspiel.
    51 von 55 UEFA-Verbänden spielen mit. Russland ist suspendiert, außerdem fehlen Liechtenstein und Gibraltar. Vor allem Gibraltars Spielerinnen zeigten sich dabei enttäuscht von der Entscheidung ihres Verbandes, der die Entscheidung mit einer ausstehenden Entwicklung des Teams begründete. Das Team spielt erst seit 2021. San Marino hat kein Frauen-Nationalteam.

    Wie können die Teams Olympia erreichen?

    Beim Olympischen Fußballturnier 2024 in Paris spielen insgesamt zwölf Teams mit. Europa erhält zwei der Plätze, zudem ist Gastgeber Frankreich dabei. Das bedeutet: Wer das Finale der Nations League erreicht, ist bei Olympia dabei. Sollte Frankreich im Finale der Nations League stehen, rückt das drittplatzierte Team der Nations League in das Teilnehmerfeld bei Olympia nach.
    Das olympische Fußballturnier hat bei den Frauen eine viel höhere Bedeutung als bei den Männern. Es gilt eine Abstellungspflicht der Nationalspielerinnen, Olympia ist fast wie eine zweite WM. Bei den Männern läuft die Qualifikation für Olympia über die U21-EM.

    Was hat das mit WM und EM zu tun?

    Das Ziel für jedes Team ist es, eine möglichst gute Ausganslage für das folgende Jahr zu erreichen. In den jeweiligen Gruppen gilt es, den Klassenverbleib in Liga A, B oder C zu sichern und möglichst in die nächsthöhere Liga aufzusteigen. Deutschland muss in seiner Gruppe mit Dänemark, Island und Wales einen der beiden ersten Plätze belegen, um sicher in Liga A zu bleiben. Platz drei bedeutetet Relegationsspiele, Platz vier den Abstieg.
    Das ist wichtig, weil die Qualifikation zur EM 2025 in der Schweiz in der Saison 2024/25 deckungsgleich im Liga-Format der Nations League ausgetragen wird - der entscheidende Unterschied zu den Männern. Auf- und Abstieg in der Nations League haben also direkte Auswirkung auf die Qualifikation zur EM.
    • 16 Teams spielen bei der EM mit.
    • Acht Teams aus Liga A, die vier Gruppensieger und die vier Gruppenzweiten, erreichen sicher die EM.
    • Gastgeber Schweiz ist automatisch dabei.
    • Die acht anderen Teams der Liga A, die zwölf besten Teams der Liga B und die acht besten Teams der Liga C spielen in zwei Runden in einem Playoff-Turnier die weiteren sieben freien Plätze aus.
    Nach einer weiteren Saison Nations League 2025/26 soll auch die Qualifikation zur WM 2027 in der Saison 2026/27 im Ligasystem erfolgen, dann aber mit einem anderen Playoff-Turnier, weil der UEFA bei der WM nach aktuellem Stand nur elf feste Plätze zustehen.

    Warum das Ganze?

    Die UEFA, in der die frühere deutsche Nationalspielerin Nadine Keßler die Geschicke des Frauenfußballs leitet, erhofft sich viele Verbesserungen. Es werde durch die Ligen mehr Spiele auf Augenhöhe geben, "was für ein größeres sportliches und kommerzielles Interesse" an den Spielen sorgen soll. Es gebe trotzdem weiterhin für alle Teams die Chance, sich für die Turniere zu qualifizieren.
    Nadine Keßler, Chefin der Frauenfußball-Abteilung der UEFA.
    Nadine Keßler, Chefin der Frauenfußball-Abteilung der UEFA. (IMAGO / Eibner / IMAGO / Eibner-Pressefoto / Memmler)
    Ein Problem der Qualifikationswettbewerbe bei den Frauen war, dass es sehr vorhersehbare Gruppen mit sehr deutlichen Ergebnissen gab. Dieses Problem soll die Nations League verkleinern.

    Welche Änderungen gibt es noch?

    Der Frauenfußball erlebt aktuell zahlreiche strukturelle Änderungen in der UEFA und der FIFA. Neben der Nations League hat die UEFA bereits 2021 erstmals eine Gruppenphase in der Champions League eingeführt. Wirtschaftlich war das ein Erfolg: 15,2 Millionen Euro nahm die UEFA 2021/22 ein, im letzten Jahr des alten Modus waren es 1,4 Millionen Euro.
    Auch die FIFA ändert viele Wettbewerbe: Das Olympische Turnier soll nach Paris 16 statt bisher zwölf Teams haben. Die WM der Nationalteams wurde 2023 erstmals mit 32 statt zuvor 24 Teams ausgetragen. Die FIFA kündigte zudem die Einführung einer Klub-WM der Frauen an.