Dienstag, 21. Mai 2024

Galopprennen in den USA
150 Jahre Kentucky Derby

In Louisville, der größten Stadt des US-Bundesstaats Kentucky, findet Anfang Mai ein Reitsportevent statt, das mittlerweile die traditionsreichste Sportveranstaltung der USA ist: das Kentucky Derby. Es hat aber auch schon dunkle Zeiten erlebt.

Von Heiko Oldörp | 04.05.2024
Das Kentucky Derby 2023 war eine Schlammschlacht.
Das Kentucky Derby 2023 war eine Schlammschlacht. (IMAGO / UPI Photo / IMAGO / JOHN SOMMERS II)
Wenn auf der Galopprennbahn von Churchill Downs in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky die Trompete erklingt, steigen Vorfreude und Anspannung gleichermaßen. Alle wissen: Gleich beginnt Amerikas traditionsreichstes Sportevent - das Kentucky Derby. 
“This Saturday, the longest continuously held sporting event in America, will celebrate its 150th birthday.” Das Galopprennen für dreijährige Pferde feiert in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag. Eine Zahl, auf die sie in Churchill Downs stolz sind. “We’ve run the Kentucky Derby every single year since 1875. We’ve had two world wars, the depression, pandemics - we’ve always run the Kentucky Derby.” Museumsdirektor Chris Goodlett verweist darauf, dass das Kentucky Derby seit 1875 in jedem Jahr stattgefunden habe - trotz zweier Weltkriege, Weltwirtschaftskrise und Pandemien.

Galopprennen aus Europa importiert

Die Idee für ein alljährliches Pferderennen hatte 1873 Meriwether Lewis Clark Jr., ein Geschäftsmann aus Louisville, von einer Dienstreise aus Europa mitgebracht. Er hatte dort Galopprennen besucht - unter anderem das seit 1780 ausgetragene Epsom Derby in England - und wollte in Louisville ein eben solches Event etablieren. Clark fing an, Geld für den Bau einer Galopprennbahn zu sammeln - und erwarb ein Areal am Stadtrand. Dort entstanden, so heißt es in dieser Dokumentation, im Frühjahr 1875 ein kleines, hölzernes Klubhaus, eine Tribüne und Ställe - und somit die Bühne für das erste Kentucky Derby.
“By the spring of 1875 the small wooden clubhouse and Grandstand, as well as barnes were built. At the Louisville Jockey Club, eventually to be kn own as Churchill Downs, the stage was set for history’s first Kentucky Derby.” Zur Premiere kamen am 7. Mai 1875 rund 10.000 Zuschauer. Die sahen einen Sieg von Oliver Lewis, einem von 13 Schwarzen unter den 15 Jockeys. Die Afroamerikaner dominierten in der Anfangszeit, gewannen 15 der ersten 28 Kentucky Derbys.

Rassentrennung verhinderte lange Jahre die Teilnahmer Schwarzer Jockeys

Doch die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erlassenen Jim-Crow-Gesetze führten zu einer strikten Rassentrennung - und hatten somit auch Einfluss auf die Galopp-Rennen. Denn für schwarze Reiter war es nahezu unmöglich, eine Lizenz zu bekommen. 79 Jahre ging in Churchill Downs kein afroamerikanischer Jockey mehr an den Start. Mike Anderson, Präsident der Galopprennbahn, wird oft mit diesem Kapitel konfrontiert. 
“Das ist eine bedauerliche Zeit in unserer Geschichte, als bestimmte Gesetze es afroamerikanischen Jockeys verboten haben, teilzunehmen. Aber vieles ist seitdem besser geworden - und wir versuchen, sicherzustellen, dass wir fair sind und es gleiche Möglichkeiten für alle gibt, in unserem Sport mitzuwirken.”
Im vergangenen Jahr musste Anderson ebenfalls kritische Fragen beantworten. Denn in den Wochen rund um das Kentucky Derby hatten sich zwölf Pferde so schwer auf der Bahn verletzt, dass sie eingeschläfert werden mussten. Eine unabhängige Untersuchung ergab allerdings, dass dem Veranstalter keine Schuld anzulasten sei.
Das Kentucky Derby hat viele Helden und Legenden hervorgebracht. Zum Beispiel um das Pferd Secretariat. Der Fuchs-Hengst kam 1973 als Favorit nach Churchill Downs - und wurde seiner Rolle vor 134.000 Zuschauern gerecht. “It’s Secretariat moving away, he has it by two and a half … He wins it by two lengths.” Er blieb auf der Zwei-Kilometer-Bahn als Erster unter der Zwei-Minuten-Marke, gewann in 1:59,40 Minuten. Die Zeit ist immer noch Bahnrekord.
Syndication: Louisville Jockey Ron Turcotte auf Secretariat beim Zieleinlauf des Kentucky Derbys 1973.
Syndication: Louisville Jockey Ron Turcotte auf Secretariat beim Zieleinlauf des Kentucky Derbys 1973. (IMAGO / USA TODAY Network / IMAGO / By Rich Nugent)
Aufgrund seiner Dauer gilt das Kentucky Derby als “Amerikas aufregendste zwei Minuten des Sports”. Und es ist eines der meistgesehenen Sportevents der USA. Vergangenes Jahr verfolgten in Spitzenzeiten 16,6 Millionen Menschen die Liveübertragung bei NBC. Mehr Zuschauer hatte 2023 nur die National Football League. Ähnlich wie der Super Bowl ist das Kentucky Derby ein soziales Event. Überall im Land treffen sich Menschen zu speziellen Derby-Parties. 
Beim “Rennen um den Rosenkranz” geht es nicht nur um ein Preisgeld von mehreren Millionen Dollar, sondern auch um Promis, pompöse Hüte und Prunk. Ums Sehen und Gesehenwerden. Hollywood hält Hof, Stars aus Sport und Showbiz fliegen ein. 2007 war sogar Queen Elizabeth II. da. Für die britische Königin war es die Erfüllung eines Kindheitstraums, für Greg Bush vom Organisations-Komitee und sein Team vor allem jede Menge Arbeit. 

170.000 Fans werden erwartet

“Wir hatten, glaube ich, 32 Besprechungen - mit unserem Sicherheitspersonal sowie dem amerikanischen und dem britischen Secret Service. Es ging darum: Wann kommt sie, wie kommt sie her, wo wird sie entlanggehen, wenn sie das Gelände betreten hat?” Majestätisch wird es auch, wenn die 20 Pferde zum Start geführt werden. Dann singt die Marching Band der Universität von Louisville “My old Kentucky home” - und die Zuschauer stimmen mit ein.
“Then my old Kentucky home, goodnight.” 170.000 Fans werden diesmal erwartet. Zum 150. Derby Day in Churchill Downs.