Freitag, 12. April 2024

"Sport mit Haltung"
Förderpreis für Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung

Das Bundesinnenministerium möchte Vereine mit einem neuen Förderprogramm stärker beim Engagement gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit unterstützen. Antisemitische und diskriminierende Vorfälle sind auch im Sport weiter Alltag.

Von Wolf-Sören Treusch | 27.02.2024
Spielerinnen von 1899 Hoffenheim und Werder Bremen mit einem Banner mit der Aufschrift "Nie wieder. Kein Platz für Antisemitismus"
Zeichen setzen gegen Antisemitismus, auch in Fußballstadien (IMAGO / foto2press)
"Unser Rasen bleibt grün. Weil: wenn wir uns um unseren Rasen nicht kümmern, dann wird er braun." Dies sagt Anna Schierz vom Aktionsbündnis dreier Sportvereine in Nordrhein-Westfalen.

"Unser Rasen bleibt grün" - Fußballturnier in Coesfeld gegen rechts

Unter dem Motto "Unser Rasen bleibt grün" haben sich die DJK Eintracht Coesfeld, SG Coesfeld 06 und DJK Vorwärts Lette zusammengetan und veranstalten einmal im Jahr gemeinsam ein Fußballturnier gegen rechts. Am Dienstag (27.02.2024) sind sie dafür mit dem Vereinspreis "Sport mit Haltung" ausgezeichnet worden.
"Es soll dabei helfen, eine starke Stimme zu sein" - so Bundesinnenministerin Nancy Faeser, bei der Preisübergabe per Videobotschaft dabei. Sie hat die Ehrung gemeinsam mit der Deutschen Sportjugend ins Leben gerufen. Der Preis ist Teil des neu geschaffenen "Bundesprogramms gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit im Sport".

Zweieinhalb Millionen Euro vom BMI für herausragendes Engagement von Vereinen

"Es soll Sportlerinnen und Sportler, Sportvereine und auch Sportfans dabei unterstützen, laut zu werden. Gegen Anfeindungen auf dem Spielfeld, von den Zuschauerrängen oder im Umfeld von Sportveranstaltungen", sagt Faeser.
Zweieinhalb Millionen Euro stellt das BMI für das Programm bereit. Gefördert werden nun 70 Sportvereine, die sich in herausragender Weise gegen Rechtsextremismus engagieren. Doppelt so viele haben einen Antrag gestellt, an dem Programm teilzunehmen.

Athletic Sonnenberg - Kampfsport im diskriminierungsfreien Umfeld

Auch Athletic Sonnenberg ist mit dem Preis "Sport mit Haltung" ausgezeichnet worden. Der migrantische Sportverein, vor fünf Jahren gegründet und in Chemnitz beheimatet, habe es allerdings schwer in der Stadt, erklärt Mitgründer Matthias Keussen: "Überall haben wir Baustellen, wo wir mit unserer Arbeit nicht wirklich vorankommen können. Ja, das I-Tüpfelchen ist, dass wir keine eigene Sportstätte haben, das heißt wir müssen uns überall einmieten. Wir brauchen auch die anderen Vereine, aber viele wollen nicht mit uns zusammenarbeiten."
5.000 Euro beträgt das Preisgeld für Athletic Sonnenberg. Das will der Verein in den Aufbau eines eigenen Kampfsportzentrums investieren. Denn die seien oft von rechtsextremen Gruppen dominiert, so der Vereinsvertreter: "Wir möchten vor allem für Kinder, für Frauen eine Begegnungsstätte haben, wo eben Kampfsport ausgeübt wird, ohne dass eventuell Menschen im Raum sind, die einen schief angucken."
Schön wäre es, wenn es dafür den Preis bald nicht mehr bräuchte, sagt einer der Preisträger am Ende.