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StartseiteSprechstundeSport in der Schwangerschaft22.11.2011

Sport in der Schwangerschaft

Studie: Körper kann durch Sport gut auf Geburt vorbereitet werden

Sportlich aktive Schwangere sind eher selten. Viele Frauen schonen sich aus Angst, sie könnten dem Ungeborenen schaden. Dabei gibt die Forschung viele Hinweise auf die positiven Folgen von Sport in der Schwangerschaft.

Von Renate Rutta

Sportliche Betätigung während der Schwangerschaft hat viele Vorteile (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Sportliche Betätigung während der Schwangerschaft hat viele Vorteile (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

"Kann ich meinen Sport in der Schwangerschaft weitertreiben? Wie lange kann ich noch joggen? Darf ich noch Handball spielen in der Schwangerschaft?"

Solche und viele andere Fragen landen unter anderem bei Diplom-Psychologin Marion Sulprizio. Das Psychologische Institut der Deutschen Sporthochschule bietet ein Online-Coaching an. Interessierte Frauen können sich kostenlos per mail an ein Team aus zehn Experten wenden.

"Unser Online-Coaching Team besteht aus Wissenschaftlern, Psychologen, Sportwissenschaftlern, Medizinerinnen, Ökotrophologinnen und Hebammen. Es gab 750 Anfragen. Nach wissenschaftlichem Kenntnisstand und unter individueller Berücksichtigung haben wir die betreut."

Dazu gehört beispielsweise auch ein ganz persönlicher Trainingsplan. Dabei macht es natürlich einen Unterschied, ob man eine Sportart schon lange betreibt oder ganz neu in der Schwangerschaft anfangen möchte.

"Empfehlenswert ist erst mal das, was man kann. Wenn ich was neu beginnen will, wäre es nicht gut, in der Schwangerschaft mit Volleyball oder Fußball oder Basketball anzufangen. Wenn ich das schon kann und ein gutes Niveau erreicht habe, kann ich diesen Sport auch in der Schwangerschaft betreiben. Allerdings muss ich an bestimmten Stellen aufpassen. Ich kann nicht in Zweikämpfe gehen oder sowas machen. Wobei wir sagen: Es geht immer darum, das Risiko zu vermeiden aber dennoch der Frau zu ermöglichen, noch fit zu bleiben und das zu machen, was ihr Spaß macht."

Empfehlenswert sind vor allem Ausdauersportarten wie Wandern, Walken, Radfahren oder Schwimmen. Die gleichmäßige Kreislaufbelastung sorgt für eine gute Durchblutung, man kräftigt Muskeln und Bindegewebe.

Das wirkt vorbeugend gegen Bluthochdruck, Ödeme und Rückenschmerzen. Und das Sturz- und Verletzungsrisiko ist gering. Professor Jens Kleinert vom Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule in Köln fasst die positiven Effekte so zusammen:

"Es ist einerseits die Reduzierung von Risikofaktoren körperlicher Art, es ist höheres Wohlbefinden und es ist ein stärkerer Einbezug in ein angenehmes soziales Umfeld."

Sport bereitet den Körper auch gut auf die Geburt vor. Das zeigt eine Studie des Psychologischen Instituts der Sporthochschule, bei der Frauen während der Geburt befragt wurden.

"Rausgekommen ist dabei, dass die aktiven Schwangeren, also die, die in der Schwangerschaft Sport getrieben haben, insofern davon profitiert haben, dass sie nicht so viele Eingriffe brauchten, also es musste nicht so oft ein Dammschnitt gemacht werden oder die Saugglocke benutzt werden. Allerdings die Schmerzen waren genauso. Aber durch das veränderte Körperbild das die Frauen haben, sind sie vermutlich stärker, gefestigter, haben eine andere Selbstwahrnehmung und Selbstkompetenz mit dieser Situation Geburt klarzukommen und verlangen demzufolge weniger Schmerzmittel und sind insgesamt komplikationsloser in der Geburt."

Immer wichtiger wird das Thema Übergewicht in der Schwangerschaft, denn dann steigt das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes mit der Folge: hohes Geburtsgewicht des Kindes und Komplikationen bei der Geburt. Dr. Sabine Hartmann vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Sporthochschule:

"Sport kann präventiv sich auswirken, das heißt, dass ein Gestationsdiabetes gar nicht entwickelt wird. Das ist das allerbeste und wenn dann schon ein Gestationsdiabetes manifest ist, dann kann Sport als Therapeutikum eingesetzt werden bis dahin, dass insulinpflichtige Gestationsdiabetikerinnen kein Insulin nehmen müssen und stattdessen Sport machen."

Mitradeln sollen die Zuhörerinnen, wenn sie dem Vortrag lauschen: "Aktiv und gesund durch die Schwangerschaft".

Zwei Reihen hinter Ihnen stehen 5 Ergometer. Das ist eine wunderbare Möglichkeit, sich draufzusetzten und strampelnd den weiteren Ausführungen zu lauschen.

Weitere Infos unter:
Sport und Schwangerschaft - Informations- und Serviceportal des Psychologischen Instituts der Deutschen Sporthochschule Köln

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