Montag, 14.10.2019
 
Seit 21:05 Uhr Musik-Panorama
StartseiteSport am WochenendeDie ersten Laufschuhe "Made in Kenya"16.06.2019

Sport und WirtschaftDie ersten Laufschuhe "Made in Kenya"

Kenia dominiert seit Jahren die internationale Läuferszene. Die Top-Athleten stehen bei internationalen Firmen unter Vertrag und laufen in Schuhen westlicher Produktion. Das könnte sich bald ändern, denn ein kleines kenianisches Unternehmen bringt die ersten Laufschuhe "Made in Kenya" auf den Markt.

Von Bettina Rühl

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Junge Läufer sind auf einer Straße im roten Sand rund um die Kleinstadt Iten im hügeligen Hochland Kenias unterwegs (dpa /Norbert Wilhelmi)
Kenias Läufer sind stolz, dass die ersten Profi-Laufschuhe nun in ihrer Heimat hergestellt werden (dpa /Norbert Wilhelmi)
Mehr zum Thema

Laufschuhe Das Wegwerfprodukt

Leichtathletik "Es sind alle geschockt"

Robert schaut konzentriert auf seine Hände. Der Kenianer steht neben einem Fließband, pinselt Klebstoff auf die Sohle eines Schuhs. Dann gibt er die Sohle an einen Kollegen weiter, der das leuchtend grüne Oberteil eines Laufschuhs der Marke Enda auf die vorbereitete Sohle klebt.

"Als die erste Charge von Einzelteilen für das Modell Enda Iten hier ankam, waren wir sehr glücklich. Wir haben getan, was wir konnten, um daraus erstklassige Schuhe zu machen. Wir wollen die Erwartungen aller unserer Kunden erfüllen."

Robert und seine Kollegen setzten den ersten Enda-Schuh in der kenianischen Küstenstadt Mombasa im Juli 2017 zusammen. Seitdem haben sie ein paar tausend Paare produziert. Das ist wenig im internationalen Vergleich, aber ein großer Schritt für Kenia. Trotzdem reicht es nicht für eine eigene Produktionsstätte. Wenn genug Bestellungen zusammen sind, bucht Enda für ein paar Wochen Kapazitäten in der Fabrik in Mombasa. Die 33-jährige Navalayo Osembo hat das Unternehmen mit gegründet.

"'Enda" heißt los! Das Wort ist Swahili. Viele Menschen in Kenia und anderen swahili-sprachigen Ländern feuern so ihr Lieblingsteam oder ihre Favoriten an. Sie rufen: 'Los! Los! Los!' - 'Enda! Enda! Enda!'"

Startkapital mit Crowdfunding

Mitte 2016 traf die Juristin und Wirtschaftsprüferin den US-Amerikaner Weldon Kennedy, einen Experten für soziale Kampagnen. Am Rande eines Forums für Unternehmensgründer diskutierten sie bei ein paar Tassen Kaffee, was sie beide umtrieb:

"In Kenia gibt es so viele gute Läuferinnen und Läufer. Wie können wir mehr daraus machen, als bloß an Wettkämpfen teilzunehmen? Kann unsere Wirtschaft vom Sport profitieren, so dass wir an der Weltwirtschaft teilhaben? Und Arbeitsplätze und Chancen schaffen, damit mehr Menschen etwas aus ihrem Leben machen und selbst bestimmen können, was sie sich für das eigene Leben wünschen und für die Zukunft ihrer Kinder."

Die beiden beschlossen kurzerhand, einen Laufschuh in Kenia zu produzieren. Das Geld für ihr erstes Modell sammelten die jungen Unternehmensgründer durch eine Kampagne auf der Online-Plattform Kickstarter. Ihren Prototyp und die bisher zwei Modelle entwickelten sie zusammen mit kenianischen Athleten. Die Sportler trainieren mit den Schuhen, testen sie dadurch und schlagen Veränderungen vor. Die 28-jährige Joan Cherop Massah ist eine der Enda-Athletinnen.

"Sehr stolz auf Kenia"

Die Langstreckenläuferin lebt in Kaptagat im kenianischen Hochland, der Heimat der kenianischen Spitzensportler. An den Wänden in ihrem Holzhaus hängen Fotos, die ihre sportlichen Erfolge dokumentieren. Ihr bisher größter Triumph: Der Sieg im Marathon in US-amerikanischen Iowa 2017, sie lief die Strecke in 2:42:43.

"Ich bin sehr glücklich über diesen Schuh, und sehr stolz auf Kenia, dass wir ebenso gute Laufschuhe produzieren können wie andere Länder."

So ganz stimmt das allerdings noch nicht: Noch sind Schuhe der Marke Enda nicht 100 Prozent "made in Kenya".  

"Uns fehlt es dafür noch an Kompetenz und Kapazitäten. Das Einfachste am Produktionsprozess ist das Zusammensetzen der vorgefertigten Teile, das machen wir hier. Die Einzelteile lassen wir in China produzieren. 'Made in Kenya' ist unser Ziel. Wir kommen dem auf jeden Fall näher. Anfangs fanden nur 28 Prozent der Fertigung hier statt, jetzt sind es 35 Prozent, bald wird es mehr als die Hälfte sein."

Das wird noch mehr Arbeitsplätze bringen, hofft Osembo. Und noch mehr Chancen für kenianische Sportler. Denn das Unternehmen sponsert auch Läufer, die sich den Profi-Schuh sonst nicht leisten könnten.

Robert, der Arbeiter in der Schuhfabrik, will jedenfalls alles für den Erfolg der Firma tun.

"Wir sind stolz darauf, dass wir daran teilhaben. Und wir versprechen, dass jede Charge, die wir produzieren, besser sein wird als die letzte."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk