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StartseiteSport am WochenendeSportausschuss des Bundestages rügt BDR-Gutachten im Fall Bremer19.01.2011

Sportausschuss des Bundestages rügt BDR-Gutachten im Fall Bremer

Präsident Scharping glänzt durch Abwesenheit

Einhellige Kritik am Bund Deutscher Radfahrer übten heute die Vertreter aller Fraktionen im Sportausschuss. Das als unabhängig bezeichnete Gutachten zu Leistungsportdirektor Burckhard Bremer im Auftrag des BDR sowie seine Begleitumstände wurden heftig diskutiert.

Von Robert Kempe

Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, fehlte bei Sportausschuss-Sitzung. (AP)
Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, fehlte bei Sportausschuss-Sitzung. (AP)

Der Grund: Bremer, der in den vergangenen Jahren immer wieder beschuldigt worden war, Doping im Verband geduldet oder gar gedeckt zu haben, und auch Prozesse diesbezüglich verlor, hatte vom Gutachter quasi einen Freibrief erhalten. Dagmar Freitag Vorsitzende des Sportausschusses, SPD, monierte vor allem, dass der Bruder eines Verbandsangestellten das Gutachten erstellte.

"Dass es verwandtschaftliche Beziehungen zwischen dem Gutachter und einem beim Bund Deutscher Radfahrer hauptamtlich Beschäftigten gibt, das nimmt einem solchen Gutachten – aus meiner ganz persönlichen Einschätzung – von vorn herein etwas an Wert. Ich glaube der BDR hätte gut daran getan einen wirklich unabhängigen Gutachter zu nehmen. Das hätte der Akzeptanz der Bemühungen des BDR, glaube ich, sehr gut getan."

Auch Frank Steffel, CDU, sparte nicht mit deutlicher Kritik:

"Also ich bin über die gesamte Situation bestürzt und finde das Verhalten des BDR mindestens instinktlos, ich glaube für den Radsport schädlich und für die Politik außerordentlich schwierig."

Martin Wolf, Generalsekretär des BDR, wies den Vorwurf der Parteilichkeit des Gutachtens, das Bremer entlastet, strikt zurück. Er forderte eine unvoreingenommene Prüfung des strittigen Berichts durch das Bundesinnenministerium. Klaus Riegert, Obmann der CDU/CSU Fraktion, sagte, er würde sich mehr Sensibilität vom BDR im Anti-Doping-Kampf wünschen.

"Und deshalb hätte ich es heute für richtig angesehen, wenn der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer hier gewesen wäre und dann auch sozusagen als politischer Kopf des Verbandes Rede und Antwort gestanden hätte."

Aber Scharping glänzte mit Abwesenheit. Die Nationale Antidoping-Agentur, die bisher noch nie ein Verfahren gegen einen Funktionär eröffnet hat, hat in der Causa Bremer die Welt-Anti-Doping-Agentur eingeschaltet und um eine Bewertung gebeten. Das Prüfverfahren des BMI über mögliche Rückforderungen von Fördergeldern an den BDR geht nun in die Verlängerung. Bis Frühjahr rechnet das Ministerium mit einer Entscheidung.

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