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StartseiteSportgesprächDer innere Lauf20.10.2019

Sportbücher auf der Frankfurter BuchmesseDer innere Lauf

Extrem laufen, weglaufen, zu sich selbst finden: Das Sportgespräch von der Frankfurter Buchmesse widmet sich sieben Werken, in denen es mehr oder weniger um den „inneren Lauf“, den die Protagonisten wie der österreichischen Spitzen-Fußballers Ivo beziehungsweise Autoren wie Tanja Bogdan bewältigen.

Von Jessica Sturmberg

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Sportbücher stehen auf einem Tisch im Dlf-Studio (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)
Das Sportgespräch stellt sieben Werke von der Frankfurter Buchmesse (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)
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Frankfurter Buchmesse Neue Ernsthaftigkeit in der Literatur

Frankfurter Buchmesse 2019 "Ein norwegisches Märchen ohne Troll, das gibt es nicht"

Tonio Schachinger: "Nicht wie ihr"
Verlag Kremayr & Scheriau 2019. 304 Seiten, 22,90 Euro.

Mit seinem Debütroman "Nicht wie ihr" schaffte es der Österreicher Tonio Schachinger gleich auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Darin erzählt Schachinger die fiktive Geschichte des österreichischen Spitzen-Fußballers Ivo, der in der Premier League 100.000 Euro in der Woche verdient, verheiratet, zwei Kinder und eigentlich mit seinem Leben zufrieden ist, und doch auf der Suche, weil eben dieser Kosmos Fußball ihm zur Reichtum und Ruhm aber auch in eine mentale Enge geführt hat. Auch wenn dieser Roman in der Fußball-Welt spielt, so geht es im Kern nicht um das Spiel.

Karl Ove Knausgård, Fredrik Ekelund: "Kein Heimspiel"
Aus dem Norwegischen von Ulrich Sonnenborg. btb 2018. 640 Seiten, 16 Euro.

Eine Außenbetrachtung des deutschen Fußballs ganz anderer Art gibt es von Karl Ove Knausgård, dem bei dieser Buchmesse mit dem Gastland Norwegen viel gerühmten norwegischen Buchautor. Knausgård ist großer Fußballanhänger und hat sich 2014 ein literarisches Duett mit dem schwedischen Schriftsteller Fredrik Ekelund geliefert. Es ist ein fast täglicher Dialog zwischen den beiden, bei der die WM und ihre Dramaturgie der rote Faden ist. Die Spiele, das Setting in Brasilien und Schweden, wo Knausgard lebt, bieten auch immer wieder Anlass, über frühere Fußballbegegnungen, sich über persönliche Erlebnisse abseits des Spiels, und auch Alltägliches während dieser vier Wochen auszutauschen. "Kein Heimspiel" ist eine literarische Auseinandersetzung, bei der Leser erfahren, warum diese WM nicht nur für den späteren Weltmeister Deutschland eine besondere und denkwürdige war, sondern auch für zwei skandinavische Schriftsteller, die die Spiele aus ihrer Sicht sezierten und in ihre Kontexte packten.

Rafael Seligmann: "Lauf, Ludwig, lauf!
Eine Jugend zwischen Synagoge und Fußball. Langenmüller 2019. 320 Seiten, 24 Euro.

"Lauf, Ludwig lauf!" ist die Geschichte von Ludwig Seligmann, dem Vater des Publizisten und Politikberaters Rafael Seligmann. Dieser erzählt aus der Sicht seines Vaters auf der Basis von dessen Aufzeichnungen seine Jugend, die sich nicht nur zwischen Fußball und Synagoge, sondern auch in diesem Spannungsfeld abspielte.

Isabel Bogdan: "Laufen"
Kiepenheuer & Witsch 2019. 208 Seiten, 20 Euro. 

Ums Weg-oder Davon-Laufen in ganz anderem Sinne geht es im Roman "Laufen" in der Ich-Perspektive von Isabel Bogdan. Eine Frau in den Vierzigern verliert ihren Lebenspartner, der Suizid begangen hat. Sie beginnt daraufhin zu laufen.

Tanja Schönenborn und Rafael Fuchsgruber: Wer die Wahl hat, liebt die Qual
Glücksmomente eines Abenteuerläufers. Delius Klasing 2019. 190 Seiten, 22,90 Euro.

Statt sieben, acht oder zehn Kilometer um die Hamburger Alster laufen Tanja Schönenborn und Rafael Fuchsgruber extreme Strecken durch Wüsten oder Dschungelgebiete. Zuletzt 240 Kilometer innerhalb von sechs Tagen in der Atacama-Wüste in Chile. Die längste Etappe ging über 80 Kilometer. Das Extremläuferpaar hat ein Buch darüber verfasst mit dem Titel " Wer die Wahl hat, liebt die Qual", in der sie über die Läufe, die Orte und sich selbst schreiben. Alles vor der Grundfrage: Warum machen die beiden das?

Tanja Schönenborn (r.) und Rafael Fuchsgruber (l.) halten ihr Buch "Wer die Wahl hat, liebt die Qual" (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)Tanja Schönenborn (r.) und Rafael Fuchsgruber (l.) lieben das Extreme (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)

Anne Becker: Die beste Bahn meines Lebens
Beltz 2019. 176 Seiten, 12,95 Euro.

Ein junger Leistungssportler, Jan, Schwimmer, 13 Jahre alt, zieht mit seiner Familie um und muss in der neuen Stadt neue Freundschaften aufbauen. Allerdings leidet er unter einer Lese-und Rechtsschreibschwäche, die er gerne verstecken würde. Gerade, da er sich in die Klassenkameradin und Nachbarin verliebt. Aber da ist noch der forsche Linus, der bisherige Freund und so etwas wie das Alphatier in der Klasse, selbst auch Schwimmer. Die beiden treten gegeneinander an. Wer von ihnen ist der Held? Und wann ist man überhaupt ein Held? Darum geht es in dem Jugendbuch "Die beste Bahn meines Lebens" von Anne Becker. Eine liebevolle Geschichte über die erste Liebe und das Schwimmen. Hier sind die Vorbilder nicht Lionel Messi, Toni Kroos oder Manuel Neuer, sondern Michael Phelps oder Ryan Lochte.

René Köber: Das große Vereinslexikon des Weltfußballs
Alle Erstligisten weltweit von 1885 bis heute. Die Werkstatt 2019. 1332 Seiten, 199,90 Euro.

Wer kauft sich heute noch ein Fußball-Lexikon? Könnte man fragen. Vielleicht dann, wenn es so vollständig ist, wie es selbst das beste Internetportal oder die beste Internetsuchmaschine nicht liefern könnte. Gibt es so etwas? René Köber hat in einer akribischen Arbeit über Jahrzehnte sämtliche Erstliga-Klubs dieser Welt, die es je bisher gab, zusammengetragen. 15.000 Vereine von 228 Fußballverbänden.

Dossier zur Frankfurter Buchmesse (imago images / blickwinkel) (imago images / blickwinkel)

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