SportkonferenzFrauen in der Sportberichterstattung

"Hat die überhaupt eine Erlaubnis, sich fernab der Küche aufzuhalten?" Solche Sprüche müssen sich Sportjournalistinnen auch heute noch anhören. Die Vorurteile, nicht nur gegenüber Sportlerinnen, sondern auch gegenüber Journalistinnen, sind im Sport immer noch groß, dafür reicht ein Blick in die Sozialen Medien. Auch darüber wurde in der 9. Sportkonferenz des Deutschlandfunks diskutiert.

Von Raphael Späth | 18.11.2021

Ilse Hartmann-Tews (links) im Gespräch mit Moderatorin Dietmut Roether (rechts) auf der 9. Sportkonferenz des Deutschlandfunks.
Ilse Hartmann-Tews im Gespräch mit Moderatorin Dietmut Roether (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)
"Es geht darum, die Frage zu stellen, wer sich eigentlich wann ins Abseits begeben hat. Ich glaube, dass wir untereinander dass nicht sind. Sondern das ist ein kleiner, immer noch lauter Teil unserer Gesellschaft, man kann auch sagen die ewig Gestrigen, die sich derzeit an der Abseitskante zu schaffen machen und dass die es sind, die sich dort in dieses strafbare Abseits begeben."
Claudia Neumann weiß, wovon sie spricht. Seit 2016 kommentiert sie auch bei großen Fußball-Turnieren der Männer für das ZDF Spiele im Fernsehen. Die Reaktionen darauf, vor allem in den Sozialen Medien, sind enorm. Sexistische Hasskommentare gehören bei ihr, aber auch anderen Kolleginnen, zur Tagesordnung. Julia Metzner, die für die ARD in diesem Sommer als erste Frau das EM-Finale im Radio kommentiert hat, ignoriert wie auch Claudia Neumann die Hassnachrichten im Netz. Viel verletzender ist für sie,
"wenn unberechtigte Kritik kommt aus den eigenen Reihen. Das ist mir leider schon ein paar Mal passiert und das höre ich auch immer wieder und das finde ich viel ätzender, als wenn so ein Hans Wurst sich in den Sozialen Medien auskotzt."

Je älter die Redaktion, desto mehr respektlose Kommentare

Unterschwelliger Sexismus – nicht nur im Netz, auch in Sportredaktionen heute noch weit verbreitet. Das liegt vermutlich auch an der fehlenden weiblichen Repräsentanz. Der Deutsche Sportjournalistenbund spricht von gerade einmal 11% Frauenanteil in deutschen Sportredaktionen. Aber: Sportmoderatorin Anna Kraft hat in Bezug auf respektlose Kommentare festgestellt:
"Je älter die Redaktionen sind, desto häufiger kommen genau solche Dinge vor. Und gerade in jungen Generationen, in denen ich jetzt gerade unterwegs bin und in der Vergangenheit unterwegs war, die auch so viel mehr gemischt sind. Nicht aufgrund einer Quote, sondern weil es da ganz normal ist, dass da eine Redakteurin ist, eine Toningenieurin ist, eine Kommentatorin ist – da ist es einfach nicht an der Tagesordnung, eine Frau genauer unter die Lupe zu nehmen."

"Wer fängt an, eine Veränderung anzustoßen?"

Tatsache ist aber, dass auch  junge Sportredaktionen selten über Frauen berichten.
"Die Marginalisierung von Frauen in der Sportberichterstattung hat Kontinualität", sagt Soziologin Ilse Hartmann-Tews von der Deutschen Sporthochschule. Forschungen hätten ergeben, dass sich auch im Jahr 2020 gerade einmal 10% der Berichterstattung in den Printmedien auf weibliche Athletinnen fokussiert. Auch deshalb hat Journalistin Nina Probst das Portal "sportfrauen.net" gegründet – und sich dabei ausschließlich auf Frauen im Sport fokussiert. Sie ist der Meinung,
"wenn man insgesamt diverser und mehr über Frauensportarten berichtet, kann man auch ein größeres Interesse schaffen und dann kommen auch mehr Leute in die Stadien. Das ist meiner Meinung nach ein Henne-Ei-Problem. Wer fängt an, eine Veränderung anzustoßen?"
Ilse Hartmann-Tews glaubt, dass sich dieses Henne-Ei-Problem lösen lässt, "wenn die Redaktionen diverser sind und somit unterschiedliche Blicke mit einbezogen werden. Es ist dann vielfältiger. Und es müsste sich mehr um die anderen Sportarten und nicht nur um Fußball drehen. Das zeigen alle Untersuchungen und das finde ich ungerecht – und ungerechtfertigt."